Reise nach Armenien Kim Kardashian und das Gedenken an einen Völkermord

Zum ersten Mal in ihrem Leben reist Kim Kardashian nach Armenien, das Heimatland ihrer Vorfahren. Sie sagt, sie wolle dort des Völkermordes vor 100 Jahren gedenken. Eine anrührende Geste oder nur ein PR-Stunt?

AP

Es ist eigentlich wie überall, wo Kim Kardashian auftaucht: Kameraleute rangeln um die beste Sicht auf den Star, Fotografen lassen ihre Blitzlichter stakkatohaft aufleuchten. Kardashian selbst hat wie so oft ihre Augen hinter einer großen schwarzen Sonnenbrille verborgen. Im Vorbeigehen winkt sie gelangweilt. Sie sei "sehr aufgeregt, hier zu sein", aber das sagt Kardashian immer.

Doch der kurze Auftritt nach ihrer Landung auf dem Flughafen Eriwan soll der Auftakt zu einer besonderen Reise sein. Zum ersten Mal in ihrem Leben reist Kardashian nach Armenien, in das Land, aus dem ihre Vorfahren Ende des 19. Jahrhunderts in die USA auswanderten. Begleitet von Ehemann Kanye West, Töchterchen North und Schwester Khloé will der Reality-TV-Star dort des Völkermordes an den Armeniern vor 100 Jahren gedenken.

Am 24. April 1915 begann das Osmanische Reich mit der Verhaftung der Armenier. In den folgenden Monaten wurden bei der rücksichtslosen Verfolgung der Minderheit 1,5 Millionen Armenier getötet. Die Armenier und die meisten Wissenschaftler, die zu dem Thema geforscht haben, sprechen von einem gezielten Völkermord.

Die Türkei als Nachfolgestaat des Osmanischen Reiches weist das zurück. Ankara behauptet, dass die Opferzahlen übertrieben seien, außerdem habe es auch unter den Türken viele Tote gegeben, für die Armenier verantwortlich gewesen seien. Auch die USA haben die Verfolgung der Armenier bis heute nicht offiziell als Völkermord anerkannt - offenbar aus Rücksicht auf die Beziehungen zur Türkei.

In den kommenden Tagen erinnert Armenien mit aufwendigen Trauerfeierlichkeiten an den Beginn des Massenmordes vor 100 Jahren. Kardashian will acht Tage mit ihrem Tross im Land bleiben. Immer dabei: mehrere Kamerateams.

Kardashian dreht neue Folgen für ihre Doku-Soap

Kardashian behauptet, sie wolle eine Dokumentation über den Genozid drehen. Doch daran sind Zweifel angebracht, nicht nur, weil Kardashian bisher nicht als Zeithistorikerin in Erscheinung getreten ist. Die Kameraleute gehören eigentlich zum TV-Sender E!, der in Armenien ein paar Folgen der Reality-Show "Keeping up with the Kardashians" drehen will.

Wie ernst ist es der Berühmtheit also mit dem Gedenken an den Völkermord? Auf Twitter gehen die Meinungen auseinander. Einige unterstellen Kardashian, nur einen weiteren PR-Stunt zu planen, andere freuen sich, dass sie auf den Völkermord vor 100 Jahren aufmerksam macht.

Fakt ist, dass sich Kardashian in den vergangenen Jahren schon mehrfach zu dem Thema geäußert hat. 2011 forderte sie die Amerikaner in einem Blogpost auf, den Völkermord an den Armeniern als solchen anzuerkennen. "Solange dieses Verbrechen nicht wahrhaftig aufgeklärt ist, wird das armenische Volk mit dem Schmerz leben, der seinen Familien angetan wurde. Und mit der Angst, dass das noch einmal mit seiner Heimat passieren könnte", schrieb Kardashian.

2012 erinnerte sie mit einem Tweet zum Jahrestag an den Genozid.

Zum 100. Jahrestag will sich Kardeshian in Armenien selbst ein Bild vom Gedenken machen. Sie will das Tsitsernakaberd-Mahnmal in der Hauptstadt Eriwan besuchen und im armenischen Nationalarchiv nach Unterlagen über ihre Vorfahren forschen. Zudem werde sie in die nordwestliche Stadt Gyumri reisen, wo entfernte Verwandte der Kardashians wohnen sollen.

syd/AFP



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