Chefermittler im Fall Kardashian "Das Opfer ist ja nicht irgendjemand!"

Der Verlust soll in die Millionen gehen, doch eine heiße Spur gibt es nach dem Raubüberfall auf Kim Kardashian in Paris wohl nicht. Nun hat der Chefermittler ein Interview gegeben - ein erstaunlich ehrliches.

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Als am Morgen des 3. Oktober sein Handy klingelte, wusste Ermittler Christian Sainte mit dem Namen des Opfers nichts anzufangen. Dann habe er als erstes "Kim Kardashian" gegoogelt, sagt der Pariser Polizeichef - "und ich habe schnell verstanden, um wen es sich handelt."

Sainte ist Chefermittler im Fall Kardashian, die nach eigenen Angaben vor drei Wochen von als Polizisten verkleideten Räubern in einer Luxusresidenz in der französischen Hauptstadt überfallen, gefesselt und ausgeraubt wurde. Im Interview mit "Vanity Fair" hat Sainte nun erstmals mit ausländischen Journalisten über die Ermittlungsarbeit gesprochen.

Demnach besteht sein Team aus 100 Polizisten, die seit Längerem auf die Aufklärung von Raubüberfällen und organisierter Kriminalität im Großraum Paris spezialisiert sind. Die Aufklärung der "L'Affaire Kardashian" sei vor allem für den Ruf von Paris bedeutend: "Das Opfer ist ja nicht irgendjemand", so Sainte, "sie hat sehr viele Likes auf Facebook!" Daher gehe es auch darum, der Welt eine Frage auf die Antwort zu liefern: "Ist Paris sicher?"

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Ermittler im Fall Kardashian: "Schnell verstanden, um wen es sich handelt"

Sainte ist überzeugt davon, dass Kardashian sich den Überfall nicht ausgedacht hat - das hatten Kritiker der 35-Jährigen behauptet. Der Reality-TV-Star hatte daraufhin etwa die Klatsch-Website "MediaTakeOut" wegen Verleumdung verklagt, ließ die Klage nun jedoch wieder fallen.

Das einzige, worüber Sainte in dem Interview nicht spricht: Details zum Ermittlungsstand. Noch seien keine Verdächtigen gefasst worden - aber er lasse sich jeden Morgen über die Entwicklung des Falls informieren. "Ich weiß alles, tags und nachts", so Sainte: "Wir können sagen, dass ein professionelles Team dieses Verbrechen begangen hat. Und die Täter scheinen organisiert zu sein".

Sainte gibt sich trotzdem"sehr überzeugt", dass der Fall gelöst wird - vielleicht, weil er auch für Ermittlungen in Fällen ganz anderer Dimensionen verantwortlich ist und Erfolge vorzeigen kann: Vor zwei Jahren übernahm der Polizist die Spezialeinheit in Paris, und einer seiner ersten Fälle waren die islamistischen Terroranschläge im Herzen der Metropole.

mxw/Reuters



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