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Kim Nam-joon Der Rap der Seidenstraße

aus DER SPIEGEL 21/2021
Foto: JTBC PLUS / Imazins via Getty Images

Hip-Hop, soviel ist klar, ist die Musik der Straße. Dort kommt sie her, vom Asphalt der Innenstadt, dort dröhnt sie aus den Boxen der großen Autos. Kim Nam-joon alias RM, 26, Kopf der Band BTS, hat nun in einem Interview mit dem amerikanischen »Rolling Stone« erklärt, was K-Pop ist: der Sound der Seidenstraße. BTS ist gegenwärtig eine der erfolgreichsten Bands der Welt, sieben Jungs aus Südkorea, die singen, tanzen und rappen und das Zentrum von K-Pop bilden, eine ultraartifizielle Popmusik, die erst Asien eroberte, dann Lateinamerika und auch im Westen angekommen ist. Wie früher die Seidenstraße sei heute K-Pop der Ort, »wo sich Leute aus dem Osten und dem Westen treffen und sich etwas verkaufen«. Tatsächlich ist das Aufregende an K-Pop die vollkommene Künstlichkeit der Stars, die aussehen, als wären sie keine echten Menschen, sondern ausgedacht und animiert wie Zeichentrickfiguren. Der Druck auf die Stars ist hoch, sie dürfen sich nicht danebenbenehmen, müssen durch intensive Schulungen gehen und lassen sich schönheitschirurgisch bearbeiten. Dabei ist der koreanische dem deutschen Pop im Prinzip gar nicht so fremd. Die Musikszenen beider Länder sind tief von den USA geprägt und versuchen, sich darauf einen eigenen Reim zu machen. Nur dass es hierzulande keine Band gibt, die auch nur ansatzweise so erfolgreich und visionär wie BTS wäre. »Es gibt diesen Spruch, dass es nichts Neues unter der Sonne gibt«, sagt RM, als er nach seinen Vorbildern befragt wird. »Aber wir, die wir hier am Rand der Welt leben, nehmen das und versuchen, daraus etwas Eigenes zu machen.«

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