Krebskranke Tennislegende Navratilova "Es war der totale Schock für mich"

Lange rang sie mit sich, jetzt geht Martina Navratilova mit ihrer Diagnose an die Öffentlichkeit. Die legendäre Tennisspielerin hat enthüllt, dass sie an Brustkrebs leidet: Sie will ein "warnendes Beispiel" für andere Frauen sein - denn sie sei viel zu lange nicht zur Vorsorge gegangen.

REUTERS

Hamburg - "Ich hatte so sehr das Gefühl, die Kontrolle über mein Leben und über meinen Körper zu haben. Und dann das", sagte Martina Navratilova dem Magazin "People". Über den Moment im Februar, als sie erfahren habe, dass sie unter Brustkrebs leide, sagte die frühere Weltklasse-Tennisspielerin: "Ich habe geweint."

"Es war der totale Schock für mich, weil ich in meinem ganzen Leben eigentlich immer gesund war", sagte die langjährige Weltranglistenerste der Tageszeitung "USA Today".

Navratilova ist am 15. März operiert worden und beginnt im Mai mit einer vier- bis sechswöchigen Bestrahlungstherapie. Der Krebs in ihrer linken Brust war bei einer Routineuntersuchung Anfang Januar entdeckt worden - in einem sehr frühen Stadium. Er habe noch nicht gestreut, sei noch im frühesten Stadium und heilbar , sagte die 53-Jährige in der Zeitung.

"Letztlich bin ich selber schuld, denn ich war vier Jahre lang nicht bei der Mammografie", fügte sie hinzu. Zunächst habe sie nicht die Absicht gehabt, die Öffentlichkeit zu informieren: "Dann habe ich es mir anders überlegt, weil durch mein warnendes Beispiel vielleicht viele Frauen zur Untersuchung gehen, die es sonst nicht getan hätten."

Angesichts der Debatte, ob die Untersuchung jährlich oder nur alle paar Jahre nötig ist, rät sie allen Frauen: "Nehmt die verdammte Mammografie."

"Ich hoffe, ich kann mit der Bestrahlung Mitte Mai in Paris beginnen"

Unmittelbar nach der Diagnose habe sie nicht an den Tod, sondern an banale Äußerlichkeiten gedacht. "Ich hatte Angst, meine Haare zu verlieren, schließlich habe ich nicht so viele", sagte Navratilova. Mittlerweile wisse sie, dass sie allerbeste Heilungschancen habe und zunächst auch keine Chemotherapie machen müsse: "Ich hoffe, ich kann mit der Bestrahlung Mitte Mai in Paris beginnen, dann müsste ich meinen Job als TV-Kommentatorin bei den French Open nicht absagen."

Martina Navratilova ist mit 167 Einzel- und 177 Doppeltiteln die erfolgreichste Tennisspielerin der Geschichte. In Wimbledon gewann sie allein neunmal das Damen-Einzel. Seit ihrem frühen Outing ist die gebürtige Tschechin eine Ikone der Homosexuellen-Bewegung in den USA. Die Hochleistungssportlerin war erst mit knapp 50 komplett aus dem Profi-Sport ausgestiegen.

Eine Herzensangelegenheit der überzeugten Veganerin ist der Tierschutz, vor allem Straßenhunde aus aller Herren Länder fanden bei Martina Navratilova ein Zuhause. Fast schon Kultstatus erreichte in den achtziger und neunziger Jahren ihr Zwergpinscher "Killer Dog", der sein berühmtes Frauchen zu den Turnieren rund um die Welt begleiten durfte.

jdl/Reuters/sid/dpa



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Ready, 07.04.2010
1. früherkennung
im artikel steht, der krebs sein frühstadium erkannt worden. da hätte ihr wohl eine "vorsorge", die tatsächlich eine früherkennung und keine vorsorge ist, vor 2-3 jahren gar nix gebracht.
josipbroztito 07.04.2010
2. Mar Tina.
Zitat von Readyim artikel steht, der krebs sein frühstadium erkannt worden. da hätte ihr wohl eine "vorsorge", die tatsächlich eine früherkennung und keine vorsorge ist, vor 2-3 jahren gar nix gebracht.
Stimmt. Aber wenn man sich einredet selber schuld zu sein, weil man Vorsorge nicht betrieben hat, kann man ja auch glauben, es in Zukunft besser machen zu können und etwas ähnliches zu verhindern. In meinen Augen verständlicher, menschlicher Schwachsinn.
Ursprung 07.04.2010
3. Unerfoschte Schnapsidee
Zitat von Readyim artikel steht, der krebs sein frühstadium erkannt worden. da hätte ihr wohl eine "vorsorge", die tatsächlich eine früherkennung und keine vorsorge ist, vor 2-3 jahren gar nix gebracht.
In welchem erkenntnismaessigen Graubereich sich das gesamte Wissen ueber diese Dinge bewegt, erkennt man daran, dass womoeglich die sogenannte Vorsorge sogar der Krebsausloeser sein kann. Diese Argwohn-Kausalkette lautet so: Eine der Nebenwirkungen von Antibabypillen ist, das Gewebe uebernatuerlich gegen Strahlenschaeden empfindlicher zu machen, als es ohne diese Hormongabe waere. Dann haut die Vorsorge Roentgenstrahlen genau auf dieses chemisch sensibilisierte Gewebe. Mehr ist kaum noch zu sagen zu dieser offenbar nicht ganz erforschten Schnapsidee von mammographischen Strahlenprohylaxen.
Missus 07.04.2010
4. Pille
Nun, Frau Navratilova nimmt sicher keine anti-Baby-Pillen....
MarthaMuse, 07.04.2010
5. Prominente
Ich hoffe, ich werde nicht gesteinigt, aber ich kann diese ewigen Geschichten über die tapferen Promifrauen, die den Brustkrebs überstehen und nebenher noch arbeiten, nicht mehr lesen. Mir wird übel, ganz ohne Chemotherapie.
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