Krise in Dänemark Prinzgemahl verlässt Königin

Während sich Europas Blaublütige am Wochenende bei der Hochzeit des niederländischen Kronprinzen amüsierten, hängt im dänischen Königspalast der Haussegen schief: Der Gemahl von Königin Margrethe hat das Land verlassen, um in Frankreich "sein Leben zu überdenken".


Prinz Henrik und Königin Margrethe II. während eines Deutschlandsbesuchs im Jahr 2000
DPA

Prinz Henrik und Königin Margrethe II. während eines Deutschlandsbesuchs im Jahr 2000

Kopenhagen - Ein Prinzgemahl hat's nicht leicht: Im Schatten der Königin, bei offiziellen Auftritten stets einige Schritte hinter ihr, hat der Gatte einer Monarchin nur eine wirklich wichtige Aufgabe in seinem Leben zu erfüllen: Er muss einen Thronerben zeugen. Diese Aufgabe hat Prinz Henrik, Gemahl der dänischen Königin Margrethe II., mit Bravour gemeistert. Gleich zwei Söhne wurden dem Paar geboren: Im Mai 1968 erblickte Kronprinz Prinz Frederik André Henrik Christian in Kopenhagen das Licht der Welt, sein Bruder Joachim Holger Waldemar Christian wurde im Juni 1969 geboren.

Nun, fast 35 Jahre nach der Hochzeit, hat der gebürtige Franzose offenbar genug vom Leben als Prinzgemahl. Verbittert über eine angebliche Degradierung werde er die Familie verlassen, für eine "lange, lange Denkpause", wie er in einem Interview erklärte. Auf seinem Weinschloss im französischen Cahors werde er "das eigene Leben überdenken".

Zu dem Bruch kam es, nachdem der Thronerbe, Prinz Frederik, bei offiziellen Auftritten in letzter Zeit immer öfter die Rolle des Begleiters der Königin übernommen hatte. Sein Sohn habe ihn bei protokollarischen Verpflichtungen als Nummer zwei in der royalen Hierarchie verdrängt, hatte der 67-Jährige gegenüber der Zeitung "B.T." erklärt. Er fühle sich "gedemütigt".

Vom Königshof in Kopenhagen wurde am Montag bestätigt, dass Königin Margrethe und Kronprinz Frederik direkt von der Hochzeit des niederländischen Kronprinzen Willem-Alexander nach Frankreich gereist seien, um mit Prinz Henrik "klärende Gespräche" zu führen.

Kratzer am Image der glücklichen Familie hatte er bereits 1996 gegeben, als Kronprinz Frederik in Interviews über seine schwere Kindheit erzählt hatte. Er und sein Bruder hätten unter der harten Erziehung gelitten, die Eltern hätten sie vernachlässigt. Die kettenrauchende Monarchin hatte zugegeben, keine gute Mutter gewesen zu sein. Auch Henrik hatte in der Vergangenheit durch eigenwillige Interviewäußerungen wiederholt für Aufregung gesorgt. So hatte er sich über seine "eines Mannes unwürdige" Abhängigkeit von der Apanage der Ehefrau beklagt und mehrfach geäußert, dass die dänische Öffentlichkeit ihn durchaus freundlicher hätte aufnehmen können, als das der Fall war.

Unterdessen bemüht man sich am Hof um Schadensbegrenzung: Um dem Eindruck einer bevorstehenden Trennung des Königspaares entgegenzutreten, wurden Pressefotografen noch für Montag für einen gemeinsamen Termin mit dem Königspaar und dem Thronfolger auf das Weinschloss in Frankreich geladen.



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