Alles im Lack: Asche zu Asche zu Ölgemälde
Malerei mit Asche von Toten Alles im Lack
SPIEGEL ONLINE: Herr Portillo, Sie machen aus kremierten Verstorbenen Kunst. Wie viel Asche brauchen Sie denn so pro Gemälde?
Portillo: Etwa zwei Löffel, das ist genug. Normalerweise wollen die Kunden auch gar nicht so viel von ihren Lieben hergeben - es ist ja mehr eine symbolische Angelegenheit. Aber egal, wie viel ich von ihnen bekomme: Ich lasse nie etwas übrig, es wird alles aufgebraucht.
SPIEGEL ONLINE: Wenn das Bild fertig ist - kann man dann sehen, dass Sie Asche in die Farben gemischt haben?
Portillo: Oh ja! Sie wirkt wie ein Trockenpigment, die Asche gibt der Farbe eine Textur. Wie ganz feiner Sand.
SPIEGEL ONLINE: Und was malen Sie damit? Porträts?
Portillo: Das hängt vom Kundenauftrag ab. Viele wollen tatsächlich ein realistisches Porträt. Andere kommen in mein Atelier und erzählen mir von dem Verstorbenen. Ich will so viel wie möglich wissen, um eine Verbindung mit diesem Menschen herzustellen. Manchmal geht es dann um Lieblingsorte: Seen, Berge, Strände. Zuweilen kommt auch abstrakte Kunst dabei heraus. Die nimmt dann Bezug auf die Lieblingsfarbe des Verstorbenen oder auf bestimmte Formen.
SPIEGEL ONLINE: Wie viele von diesen Bildern verkaufen Sie?
Portillo: Wissen Sie, die Aschegemälde sind Auftragsarbeiten. Das ist ja nicht mein Hauptberuf oder so was. Ich bin Künstler! Für die "New York Times" habe ich lange als Illustrator gearbeitet, auch für andere Magazine und Zeitungen. Ich mache eine ganze Reihe anderer Sachen nebenher.
SPIEGEL ONLINE: Ist notiert. Aber wie viele Leute haben Sie denn nun in ihre Farben gemischt?
Portillo: In den letzten sechs Jahren etwa zwei Dutzend. Momentan wird es aber mehr und mehr, wegen der Berichterstattung in den Medien. Ich bekomme viele Bestellungen.
SPIEGEL ONLINE: Wie ging das eigentlich los mit der Aschemalerei? Mit wem haben Sie angefangen?
Portillo: Mit Haustieren. Hunde. Katzen.
SPIEGEL ONLINE: Jemand kam mit einem eingeäscherten Dackel in Ihr Atelier?
Portillo: Nicht ganz. Ein Freund von mir sah beim Anmischen meiner Farben zu. Er hatte gerade seinen Hund verloren. Ich kannte das Tier gut, die ganzen Tricks, die es drauf hatte! Der Hund war jedenfalls eingeäschert worden. Und da fragt mein Freund mich, ob ich eigentlich alles in meine Farben reinmischen kann. Ich sage: Klar, manchmal tu ich Sand rein oder solche Sachen. Und er: Kannst du meinen Hund da reinmixen? So ging es los.
SPIEGEL ONLINE: Fanden Sie das nicht merkwürdig?
Portillo: Oh, ich hielt das für eine hübsche Idee. Es ist doch schön, wenn ein geliebtes Wesen nach seinem Tod als Gemälde helfen kann, unsere Trauer zu bewältigen. Ich hätte nur nie gedacht, dass die Leute das mit menschlichen Überresten so wollen würden.
SPIEGEL ONLINE: Was kostet ein Aschebild bei Ihnen? Sagen wir: Ein Porträt von meiner Oma, 75 mal 100 Zentimeter?
Portillo: Das ist gar nicht so teuer. Etwa 3500 Dollar. Wenn es größer sein soll, wird es aber deutlich kostspieliger.
SPIEGEL ONLINE: Bei uns in Deutschland gibt es strikte Gesetze, was man mit der Asche Verstorbener anstellen darf. Ist das eigentlich erlaubt, was Sie da machen?
Portillo: In den USA haben wir so gut wie keine Beschränkungen. Sie können die Asche im Garten verstreuen, zu Hause aufbewahren oder was auch immer. Manche wollen sie übrigens auch in einer Skulptur haben. Das mache ich auch, aus Ton. Aber nur ganz kleine.
SPIEGEL ONLINE: Und was ist mit Ihnen persönlich? Wollen Sie auch in einem Gemälde beigesetzt werden, wenn Sie irgendwann den Pinsel abgeben?
Portillo: Nun, ich habe einige liebe Freunde, die Künstler sind und die ich sehr bewundere. Am Ende meines Lebens möchte ich aussuchen, wer von ihnen mich malen darf. Meine Frau wird das dann regeln.
SPIEGEL ONLINE: Worin möchten Sie denn gern in Frieden ruhen? In abstrakter Kunst? Oder in Landschaftsmalerei?
Portillo: Ich hätte gern ein Porträt. Ich möchte gemalt werden, wie ich an einem Gemälde arbeite. Meine Asche soll dann aber nicht überall hineingemischt werden. Sondern nur in das Bild, das ich auf dem Bild male.