Lady Gaga über Frauen "Wir kämpfen um unser Leben"

Leidenschaftlich hat Lady Gaga Frauen dazu aufgerufen, mehr Mut zu haben und sich durchzusetzen. Der US-Wahlkampf habe gezeigt, wie abfällig noch immer über Frauen gesprochen werde. Zeit für Rebellion.

REUTERS

"Portrait of a Lady" nennt das US-Magazin "Harper's Bazaar" die Selbstdarstellung von Lady Gaga in seiner jüngsten Ausgabe. "Bildnis einer Dame", nach einem Roman von Henry James aus dem Jahr 1881. Illustriert ist der Artikel der Dezember/Januar-Ausgabe mit wohlkomponierten Nahaufnahmen der Künstlerin, mal in Farbe, mal in Schwarz-Weiß, fast immer mit Hut und tendenziell sehr romantisch für die notorisch schrille Sängerin. Spitzenbluse und Rüschen erinnern ans 19. Jahrhundert, Plateaustiefel und sehr kurze Shorts dürfen trotzdem nicht fehlen.

Interessanter als die Modefotos ist der Essay, den die Pop-Ikone verfasst hat. Darin geht es um Frauen und was sie stark macht. Über den Ursprung ihres viel gescholtenen und später zur Marke erhobenen "Rebellentums" sagt sie: "Ich bin römisch-katholisch - ich bin mit einer Menge Schuld aufgewachsen." Ihre Aufsässigkeit sei ihr von einer Reihe sehr starker Persönlichkeiten in ihrer Familie vererbt worden: "Meine Mutter und meine Großmutter sind ohne Zweifel die mächtigsten weiblichen Kräfte in meinem Leben."

Ihr neues Album habe sie nach ihrer Tante Joanne benannt, die 1974 mit 19 Jahren an der Autoimmunkrankheit Lupus gestorben sei. Joanne wurde demnach in ihrer Jugend vergewaltigt. Ihr Schicksal sei immer in Erzählungen und Bildern lebendig geblieben - auch in der Wut ihres Vaters und dem Schmerz der Großeltern. Für Lady Gaga war die Tante stets so etwas wie ein Schutzengel.

Auf die Frage, was eine Dame ausmache, schreibt die Sängerin: "Eine Lady muss heute eine Kämpferin sein. Sie muss Überlebenskünstlerin sein. Es bedeutet, dass sie sich erlaubt, verletzlich zu sein und Scham oder Traurigkeit oder Ärger anzunehmen. Eine Frau braucht viel Kraft, um das zu schaffen." Lady Gaga ist in diesem Jahr 30 geworden, und das schlägt sich offenbar auch im Selbstverständnis nieder: "Ich habe eine klare Vorstellung davon, was ich will. Das macht für mich Erfolg aus. Ich möchte jemand sein, der für die Wahrheit kämpft - nicht für mehr Aufmerksamkeit, mehr Ruhm, mehr Auszeichnungen."

Davon hat die Sängerin auch wahrlich genug eingesammelt. Allein sechs Grammys hat sie gewonnen, außerdem 13 MTV Video Music Awards, 17 Billboard Music Awards und viele andere mehr.

Im US-Präsidentschaftswahlkampf hatte Lady Gaga aktiv für die demokratische Kandidatin Hillary Clinton geworben. Sie zeigt sich im Rückblick auf die mit harten Bandagen geführten verbalen Feldzüge schockiert: Die Art, wie in Medien und Politik über Frauen geredet wurde, habe ihr die Augen geöffnet. "Ich war deprimiert und verletzt davon, weil diese Art Sprache genau das mit einem macht." Die Rede von Michelle Obama in New Hampshire habe genau das thematisiert. Die First Lady hatte frauenfeindliche Kommentare des Präsidentschaftskandidaten Donald Trump scharf verurteilt.

Frauen hätten oft Angst, sich überhaupt zu Wort zu melden, schreibt nun Lady Gaga. Weil sie fürchteten, schwach zu erscheinen, zu laut, zu dramatisch, zu emotional. "Aber das sind wir nicht. Wir kämpfen um unser Leben."

ala



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