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28. Juni 2016, 14:00 Uhr

"Bad Romance"

Lady Gaga verärgert China durch Treffen mit Dalai Lama

Lady Gaga und der Dalai Lama vertreten bloß Pop und Spiritualität? Denkste. Der Plausch der Superstars hat ein politisches Nachspiel. China ist wütend - und führt Gaga laut einem Bericht nun als Feind des Landes.

Es war ein lockerer Talk über Philosophie, Empathie und Moral in kapitalistischen Gesellschaften, den Popstar Lady Gaga und das Oberhaupt der Buddhisten miteinander führten. Doch das scheinbar harmlose Gespräch bei der Conference of Mayors in Indianapolis im US-Bundesstaat Indiana hat für die 30-jährige Sängerin Folgen.

In China ist der gemeinsame Auftritt heftig kritisiert worden. "Nachdem sich der Vorfall ereignete, hat der Ärger im chinesischen Internet sich Bahn gebrochen", sagte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums nach dem Treffen mit dem von Peking als Separatist bezeichneten Dalai Lama. "Der Grund für seine Besuche und Aktivitäten in anderen Ländern ist nur seine Arbeit für die Unabhängigkeit Tibets."

Das chinesische Propagandamuseum soll als Reaktion derweil sogar Lady Gagas Repertoire in China verbannt haben, wie der britische "Guardian" unter Berufung auf chinesische Medien berichtete. Chinesische Websites und Medienkonzerne wurden demnach angewiesen, keine Songs und Bilder der Künstlerin zu verbreiten.

Lady Gaga hat aber noch nie ein Konzert auf dem chinesischen Festland gehalten - wohl aber in Hongkong und Macau -, doch ist sie mit ihren Titeln wie "Pokerface" oder "Bad Romance" bei vielen jungen Chinesen beliebt. In Regierungskreisen ist die US-Sängerin dagegen offenbar weniger geläufig: Auf die Frage eines Journalisten der Nachrichtenagentur AFP, ob es zwischen der Regierung und Lady Gaga nun "Bad Romance" gebe, soll ein Regierungssprecher schlicht "wer?" geantwortet haben:

Vertreter der chinesischen Regierung protestieren regelmäßig, wenn ausländische Staaten den geistigen Führer der Tibeter empfangen. Tibet wird seit 1950 von China beherrscht. Der Dalai Lama strebt nicht die Unabhängigkeit Tibets an, aber größere Autonomie. Die Tibeter klagen über religiöse Unterdrückung und angesichts des zunehmenden Zuzugs von Han-Chinesen über soziale Marginalisierung in ihrer Heimat.

Bereits vor zwei Wochen hatte sich der Dalai Lama mit US-Präsident Barack Obama getroffen - und damit scharfe Proteste von chinesischer Seite ausgelöst. Der Dalai Lama lebt seit einem gescheiterten Volksaufstand in Tibet 1959 im indischen Exil. Seine politische Rolle hat der Dalai Lama inzwischen offiziell aufgegeben. Peking unterstellt dem Dalai Lama aber, Tibet von China abspalten zu wollen.

Genauso gut hätte die US-Popsängerin dem getöteten al-Qaida-Chef Osama bin Laden "die Hand schütteln" können, kommentierte ein chinesischer Internetnutzer, nachdem die 30-jährige Lady Gaga Aufnahmen ihres Treffens mit dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter im Online-Fotodienst Instagram veröffentlicht hatte.

2008 hatte die isländische Sängerin Björk bei einem Konzert in Shanghai für Aufregung in China gesorgt. Nach ihrem Lied "Declare Independence" schrie sie mehrmals laut "Tibet, Tibet!".

Video: Der Dalai Lama und Lady Gaga

apr/Reuters/AP

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