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27. Mai 2019, 19:08 Uhr

Trecker-Willi bricht Schottland-Reise ab

"Ihr könnt mich mal"

Er zuckelte im Traktor nach Mallorca und ans Nordkap, aber seine aktuelle Reise musste "Trecker-Willi" nun abbrechen. Der 83-Jährige macht die britische Polizei dafür verantwortlich - und wählt deutliche Worte.

Auf eine Insel im Mittelmeer schaffte er es und durch halb Osteuropa - aber an den als höflich geltenden Briten scheiterte Winfried Langner: Weil er sich von der englischen Polizei schlecht behandelt fühlt, hat der als Trecker-Willi bekannt gewordene Rentner seine Traktor-Tour von Deutschland nach Schottland nun abgebrochen.

Ihr Vater sei schon auf dem Weg zurück nach Lauenförde bei Göttingen, sagte Sabine Langner-Uslu. Englische Polizisten hätten den 83-Jährigen stundenlang festgehalten und verdächtigt, er sei zum Betteln auf die Insel gekommen. Langner hatte bis in den äußersten Norden der britischen Hauptinsel fahren wollen.

"Das war reine Schikane, was die mit mir gemacht haben", sagte Langner dem "Täglichen Anzeiger" aus Holzminden. "Da habe ich gesagt: Ihr könnt mich mal." Das Blatt titelte daraufhin: "Deutz-Willi macht den Brexit". Langner bevorzugt den Spitznamen "Deutz-Willi", bundesweit bekannt wurde er unter dem Namen "Trecker-Willi".

Fünf Monate sollte die Reise nach Schottland dauern. Eigentlich war der Norden der britischen Insel für Langners Verhältnisse fast ein bescheidenes Ziel - schließlich war er mit seinem 15-PS-Gefährt namens "Robert" bereits 2013 auf Mallorca, 2015 am Nordkap und 2017 in Russland.

Holzmindens Landrätin Angela Schürzeberg hatte gesagt, Langner sei als Botschafter der Region in Europa unterwegs. Dem war offenbar auch so: "Überall wurde mein Vater willkommen geheißen", sagte Langners Tochter. "Und er hat sich überall wohl gefühlt." Bei Bedarf habe er immer Hilfe bekommen.

In Großbritannien, wo er in den schottischen Highlands die bekannte Ferienstraße NC 500 befahren wollte, war dies wohl anders. Auf der Strecke vom Hafen Newcastle nach Edinburgh sei ihr Vater wiederholt von der Polizei gestoppt und kontrolliert worden, sagte Langner-Uslu: "Er hat sich regelrecht verfolgt gefühlt."

"Er fand die Vorwürfe unmöglich"

Außer mit dem Vorwurf, er sei zum Betteln auf die Insel gekommen, hätten ihn die Beamten auch mit seinem Alter konfrontiert und erklärt, er sei mit 83 Jahren zu alt, um mit einem Trecker-Gespann durchs Land zu fahren. Zudem hätten sie bezweifelt, dass er eine gültige Fahrerlaubnis besitzt. Dabei habe er einen EU-Führerschein.

"Mein Vater fand die Vorwürfe unmöglich", sagte Langner-Uslu. "Er hat überhaupt nicht verstanden, was die Polizisten von ihm wollten." Schwierig sei dabei sicher auch, dass er kaum Englisch spreche.

Ihren Vater ärgere es, dass er für sich und sein Trecker-Gespann 2000 Euro für die Überfahrten zwischen Amsterdam und Newcastle bezahlt habe, ohne sein ursprüngliches Ziel in Schottland erreicht zu haben.

Die Gemeindefahne, die Lauenfördes Bürgermeister Werner Tyrasa dem Treckerfahrer mit auf den Weg gegeben hatte, damit er sie am Zielort übergeben kann, bringt Langner nun wieder mit zurück. Vielleicht kann er sie ja für die nächste Reise gebrauchen.

mxw/dpa

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