Leichtathletin Caster Semenya Die Glamour-Offensive

Die Leichtathletin Caster Semenya hat ihre südafrikanischen Landsleute überrascht. Die 18-Jährige, deren sexuelle Identität zuletzt nach dem Gewinn einer Goldmedaille bei der WM in Berlin in Zweifel gezogen wurde, präsentierte sich jetzt in Glamour-Aufmachung auf einem Illustrierten-Cover.

AP

London - Das Haar fällt in einem modischen Bob bis zum Kinn, die Fingernägel glänzen lackiert, der Lidschatten schimmert silbern. "Wow, look at Caster now", heißt es in der Schlagzeile neben dem Foto.

Die Leichtathletin Caster Semenya überrascht ihre südafrikanischen Landsleute - und nicht nur die - mit einer Medienoffensive, als Covergirl auf der Titelseite einer Illustrierten.

Um die 18-Jährige war zuletzt eine heftige Diskussion entbrannt, als sie bei der Leichtathletik-WM in Berlin die Goldmedaille über die 800-Meter-Distanz gewann. Handelte es sich bei der maskulinen Sportlerin tatsächlich um eine Frau? Der Weltverband IAAF bestand auf einem Geschlechtstest, dessen Ergebnis noch aussteht. Semenyas ehemaliger Trainer behauptete erst kürzlich, die Sportlerin sei auch vom südafrikanischen Verband ohne ihr Wissen einem solchen Test unterzogen worden.

In Südafrika war die Empörung ob der Spekulationen, bei Semenya könne es sich zumindest physiologisch um einen Mann handeln, groß.

Jetzt präsentiert sich Semenya also in betont femininer Aufmachung auf dem Titel der südafrikanischen Illustrierten "You", im Heft ist, wie die BBC berichtet, eine vierseitige Fotostrecke aufgelegt. "Ich würde mich gern öfter schick anziehen und Kleider tragen", sagte Semenya dem Blatt, "aber ich habe ja nie Gelegenheit dazu. Ich würde auch gern lernen, mich zu schminken."

Ihre Kleider habe bislang immer ihre Mutter für sie gekauft, "aber jetzt, da ich weiß, wie ich aussehen kann, würde ich mich gern öfter so anziehen".

Die Debatte um ihr Geschlecht nimmt Semenya nicht ernst, wie sie sagt. "Ich halte das für einen Witz, das regt mich nicht auf. Gott hat mich so erschaffen, wie ich bin, und ich akzeptiere mich."

Die Feminisierung Semenyas wird laut BBC in Südafrika kontrovers diskutiert, so waren beispielsweise Radiohörer aufgerufen, ihre Eindrücke vom "optimierten" Look der Sportlerin mitzuteilen - wobei nicht wenige die Frage stellten, ob eine "Optimierung" denn überhaupt nötig gewesen sei.

In der britischen "Times" wurde Semenyas Cover-Coup scharf kritisiert. In Südafrika, so das Blatt, habe man die Causa Semenya zu einem Symbol der Unterdrückung des Landes durch internationalen Rassismus stilisiert. Auch deshalb wolle der Verband Asa mit medialer Gewalt nachweisen, dass es sich bei Semenya tatsächlich um eine Frau handele - damit sich die Zweifel an Semenya als rassistisch begründet darstellen ließen.

"Es scheint zunehmend so", schreibt die "Times", "als sei Semenya eine Schachfigur, die von größeren Mächten auf dem Brett bewegt wird."

pad



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