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26. August 2009, 19:57 Uhr

Letzte Stunden des "King of Pop"

Zweifel an Aussagen von Jacksons Arzt

Er ist der einzige Mensch, der mit Gewissheit sagen kann, was in den Stunden vor dem Tod Michael Jacksons geschah. Leibarzt Conrad Murray steht im Fokus der Aufmerksamkeit - doch die Ermittler haben Zweifel an den Schilderungen des Mediziners. Hat er den Notruf zu spät gewählt?

Los Angeles - Bislang ermittelt die Polizei zwar gegen den Kardiologen Conrad Murray, eine Anklage gegen ihn wurde aber bislang nicht erhoben. Am Dienstag waren Interna aus den Untersuchungen der Gerichtsmedizin bekannt geworden - unter anderem auch Aussagen des Leibarztes, die eine Rekonstruktion der letzten Stunden im Leben Jacksons ermöglichen.

US-Medienberichten zufolge zweifeln allerdings Gerichtsmediziner mehrere Aussagen des Mediziners an. Der Internetdienst Tmz.com schrieb am Dienstag (Ortszeit) unter Berufung auf Informationen aus Ermittlerkreisen, dass weder Murrays Zeitangabe noch seine Aussage zu der gespritzten Dosis Propofol glaubhaft erscheinen.

Der "King of Pop" war am 25. Juni überraschend an Herzversagen gestorben. Die Untersuchung der Gerichtsmediziner ergab, dass ihm eine Überdosis des starken Anästhesiemittels zum Verhängnis wurde.

Murray gab zwei Tage später, am 27. Juni, in Anwesenheit seines Anwaltes zu Protokoll, dass er dem an Schlaflosigkeit leidenden Sänger auf dessen Drängen 25 Milligramm Propofol gegeben habe. Eine so niedrige Dosis hätte den an Propofol gewöhnten Jackson wohl kaum getötet, meinen die Gerichtsmediziner laut Tmz.com.

Murray sagte der Polizei laut Protokoll außerdem, er habe gut zehn Minuten nach der Injektion festgestellt, dass Jackson nicht mehr atmete.

"Ich habe alles unternommen, was ich konnte"

Nachforschungen ergaben jedoch, dass der Arzt nach diesem Zeitpunkt noch drei längere Gespräche über sein Mobiltelefon führte und fast eineinhalb Stunden verstreichen ließ, bis er über den Notruf 911 Hilfe anfordern ließ, schrieb TMZ.com.

In einer auf Youtube veröffentlichten Videobotschaft bestand Murray dagegen darauf, völlig korrekt vorgegangen zu sein. "Ich habe alles unternommen, was ich konnte. Das ist die Wahrheit."

Inzwischen hat sich Murrays Anwalt, Edward Chernoff, zu Wort gemeldet und die seinem Klienten angelasteten Zeitangaben bestritten. Der Arzt habe nie zu Protokoll gegeben, dass Jackson schon wenige Minuten nach der Propofol-Injektion - das heißt: kurz vor 11.00 Uhr - nicht mehr atmete, behauptet Chernoff jetzt nach einem Bericht des Nachrichtensenders ABC.

Diese Zeitangabe stamme vielmehr von der Polizei, die den Ablauf der Ereignisse nachzuskizzieren versucht habe, sagt Chernoff. Murray habe den Zustand des Sängers erst eine Stunde später entdeckt, dann dessen Wiederbelebung versucht und den Notruf veranlasst.

Jacksons Schwester LaToya hat derweil Barbara Walters ein Interview zugesagt, das am 11. September bei ABC ausgestrahlt werden soll. Jacksons vier Brüder Jermaine, Tito, Marlon und Jackie wurden dagegen für eine Reality-Fernsehserie gewonnen, die Videomaterial der Jackson-Brüder vor und nach dem Tod von Michael vorstellen werde, bestätigte der Sender A&E.

han/dpa

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