Letzter Wille des »Star Trek«-Stars Doohan »Scottys« Asche auf die ISS geschmuggelt

Nach seinem Tod wollte »Star Trek«-Schauspieler James Doohan im All beigesetzt werden. Ein Weltraumtourist will ihm diesen Wunsch bereits vor zwölf Jahren erfüllt haben: Er habe »Scottys« Asche auf die ISS gebracht.
James Doohan als Montgomery »Scotty« Scott in »Star Trek Generations« (1994)

James Doohan als Montgomery »Scotty« Scott in »Star Trek Generations« (1994)

Foto: ELLIOT MARKS/ AP

»Hi Chris, Richard Garriott hier, an Bord der ISS«, sagt der Mann in dem blauen Hemd, »ich wollte dir nur sagen: Mission erfüllt. Dein Vater hat es in das Weltall geschafft.« Dann lässt der US-Millionär, der durch Videospiele reich wurde, ein laminiertes Gedenkkärtchen mit dem Bild von James Doohan schweben.

Das Video , gerichtet an Doohans Sohn und veröffentlicht von der britischen Zeitung »The Times«, muss Garriott vor zwölf Jahren aufgenommen haben. Damals hielt er sich für zwölf Tage als Weltraumtourist auf der Internationalen Raumstation auf.

Der kanadische Schauspieler Doohan war vor allem bekannt durch seine Rolle als Montgomery »Scotty« Scott, Chefingenieur der »USS Enterprise« in der Serie »Star Trek«. Im Juli 2005 starb er mit 85 Jahren in Redmond, Washington. Der letzte Wunsch des Vaters von neun Kindern war jedoch, inmitten der Sterne beigesetzt zu werden. Um ihn zu erfüllen, wendeten sehr viele Menschen sehr viel Geld und Mühe auf.

Für kurze Zeit schaffte es Doohans Asche zunächst 2007 mit einer SpaceLoft-XL-Rakete ins All, an einem Fallschirm befestigt schwebte sie auf den Boden zurück – und blieb für drei Wochen in einem Gebirge verschollen. Im August 2008 gab es einen zweiten Versuch: In einer Falcon-1-Rakete sollten die Überreste einige Jahre im Orbit kreisen. Doch der Start auf den Marshallinseln im Pazifik missglückte – die Rakete stürzte nach gut zweieinhalb Minuten ins Meer.

Laminierte Asche im Gepäck

Der dritte Versuch blieb bis jetzt geheim: Kleine Mengen der Asche erhielt Richard Garriott von Doohans Sohn Chris per Post. Er laminierte sie in drei Gedenkkärtchen ein, wie der Millionär der »Times« erzählte, und schmuggelte sie 2008 dann an Bord der ISS. Ein Kärtchen habe er ins All geworfen, eins unter einer Bodenverkleidung versteckt. Das dritte Kärtchen hänge bei ihm zu Hause in Kalifornien. Wäre die Asche im Gepäck entdeckt worden, hätte es wohl ein bisschen Ärger gegeben, gibt Garriott an.

Vielleicht aber auch nicht. Denn vier Jahre später, am 22. Mai 2012, startete das private Raumschiff »Dragon C2+« Richtung ISS – die fünf Meter lange Raumkapsel hatte fast 500 Kilogramm Nachschub für die Raumstationsbesatzung geladen und zudem 307 Kapseln mit wenigen Gramm Asche Verstorbener. Darunter auch die von James Doohan. Etwa zehn Minuten nach dem Start in Cape Canaveral löste sich die Kapsel und sollte ein Jahr später beim Eintritt in die Raumatmosphäre verglühen.

Sollten Garriotts Angaben stimmen, kreisen Doohans Überreste an Bord der ISS immer noch durch das Weltall: Im Tod ist er laut »Times« fast 2,7 Milliarden Kilometer durch den Weltraum gereist und hat die Erde mehr als 70.000-mal umrundet.

abl