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Leyla Piedayesh Ein Leben voller Sehnsucht

aus DER SPIEGEL 46/2022
Foto:

Lottermann & Fuentes

Bislang war Leyla Piedayesh, 51, Modeschöpferin und Unternehmerin, vor allem für Triangeltücher aus Kaschmir und bunte Prints bekannt – nun engagiert sie sich auch politisch: »Es fühlt sich für mich so an, als wäre eine große Leere in mir endlich gefüllt«, sagte Piedayesh dem SPIEGEL über die Proteste gegen das Mullah-Regime in Iran. »Da triffst du plötzlich Tausende Menschen, die so aussehen wie du, und weißt: Wir empfinden alle das Gleiche.« Als sie mit ihrer Familie 1979 aus Iran nach Deutschland kam, war sie gerade neun Jahre alt. Obwohl sie sich anschließend sehr deutsch fühlte, habe sie zeit ihres Lebens Sehnsucht und Trauer empfunden. Während der Demons­trationen habe sie zum ersten Mal verstanden, dass dies keine individuellen Gefühle seien. »Alle Perserinnen und Perser im Exil fühlen das.« Piedayesh gründete in den frühen Nullerjahren das erfolgreiche Modelabel Lala Berlin. In Iran hat sie noch Familie. Um auf die Situation dort aufmerksam zu machen, demonstriert sie und organisiert Veranstaltungen. »Wir müssen so laut sein, wie es irgend geht«, sagt sie, »schließlich bitten die Iraner um eins: Seid unsere Stimme.« Hat sie Hoffnung für die Menschen in Iran? »Auch wenn das abgedroschen klingen mag: Ich versuche, positiv nach vorn zu schauen.«

evh

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