Lindsay Lohan vs. Sarah Palin "Ist es eine Sünde, homosexuell zu sein?"

Ungewöhnlich politische Töne: Lindsay Lohan hat die Kandidatin für die US-Vizepräsidentschaft, Sarah Palin, scharf kritisiert. Palin sei "schlecht vorbereitet" auf das Amt und löse mit ihren frauen- und schwulenfeindlichen Parolen "Furcht, Beunruhigung und Stress" aus, wetterte Lohan.


Los Angeles - Nach US-Sängerin Pink, Busenwunder Pamela Anderson und Schauspieler Matt Damon mischt sich jetzt auch Lindsay Lohan in die Diskussion um die republikanische Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin ein.

Sie könne sich einfach nicht mehr zurückhalten, wenn es um die Gouverneurin von Alaska gehe, schrieb die Schauspielerin und Sängerin in ihrem MySpace-Blog. Zwar unterstütze sie prinzipiell die Entscheidung, eine Frau zur US-Vize-Präsidentin zu machen. Letztlich jedoch sei es ausschlaggebend, welche Ansichten ein Kandidat vertrete - unabhängig vom Geschlecht.

Sarah Palin, eine praktizierende Pfingstlerin, gehöre der Wasilla Bible Church an, einer Glaubensgemeinschaft, die vorhabe, "Homosexuelle zu retten und zu konvertieren", schreibt Lohan unter Berufung auf eine Meldung der Nachrichtenagentur AP. Palin habe sich gegen Abtreibungen, selbst nach einer Vergewaltigung oder Inzest, ausgesprochen.

Palins politische Positionen
Umwelt
Palin hat in mehreren Interviews klargemacht, dass sie die Erderwärmung nicht als Folge menschlichen Handelns ansieht. Palin befürwortet Ölbohrungen in geschützten Naturgebieten in den arktischen Regionen ihres Heimatstaats Alaska. Unter ihrer Führung hat die dortige Landesregierung Klage gegen den Beschluss der Regierung in Washington eingereicht, den Eisbären auf die Liste der bedrohten Tierarten zu setzen.
Wirtschaft
Palin beschreibt sich selbst als finanzpolitisch konservative Republikanerin und überzeugte Befürworterin der freien Marktwirtschaft. In einer Wahlkampfbroschüre von 2006 schrieb sie: "Die freie Marktwirtschaft ermöglicht allen Beteiligten den Wettbewerb und stellt dadurch sicher, dass die besten und effizientesten Projekte umgesetzt werden. Sie sichert einen fairen und demokratischen Prozess." Als Gouverneurin von Alaska hat sie sich durch strenge Sparpolitik profiliert.
Abtreibung
Palin tritt für ein weitreichendes Verbot der Abtreibung ein. Sie will sie nur dann zulassen, wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist. In ihrem Gouverneurswahlkampf 2006 sagte sie: "Egal, welche Fehler wir als Gesellschaft machen: Wir können es nicht zulassen, das Leben Unschuldiger zu beenden." Ihr im April geborenes fünftes Kind, das an dem Down-Syndrom leidet, bezeichnete sie als "Geschenk Gottes". Obwohl sie die Diagnose schon während der Schwangerschaft kannte, dachte sie nach eigenen Angaben nie an einen Abbruch.
Bildung
Palin hat sich mehrfach klar gegen Sexualkundeunterricht in Schulen ausgesprochen. Sie befürwortet stattdessen Aufrufe zur Enthaltsamkeit bis zur Ehe. Zudem will sie, dass neben der Evolutionstheorie an Schulen gleichwertig die biblische Schöpfungsgeschichte unterrichtet wird. "Man muss beides lehren", sagte sie in einem Zeitungsinterview. "Eine gesunde Debatte ist wichtig und wertvoll in unseren Schulen."
Waffen
Palin tritt gegen Beschränkungen des Rechts auf Waffenbesitz ein und ist Mitglied der einflussreichen konservativen Waffenlobby NRA. Sie selbst ist Jägerin. In einem Interview mit "USA Today" berichtete sie 2006, ihre Tiefkühltruhe sei "voll mit Wildfleisch, das wir hier in Alaska geschossen haben". Palin begrüßte das Urteil des Obersten Gerichts zum Waffenbesitz: Die Richter hoben darin das seit 32 Jahren gültige, weitreichende Verbot von Feuerwaffen in der Stadt Washington D. C. als verfassungswidrig auf.
Lohan betont, sie wende sich nicht gegen Palin als Mutter oder Frau. Dennoch solle man nicht vergessen, dass Frauen einen langen Weg zurückgelegt hätten, um endlich selbst über ihren Körper entscheiden zu können. "Es ist erschreckend, zu sehen, dass Frauen im Jahr 2008 all das plötzlich negieren sollen."

Auch die Ehe unter gleichgeschlechtlichen Partnern sei Palins Sache nicht. "Ist es eine Sünde, homosexuell zu sein?", fragt Lohan, die selbst zurzeit mit einer Frau, der DJane Samantha Ronson, liiert sein soll. Und antwortet gleich selbst mit einer Reihe provokanter Gegenfragen: "Sollte es eine Sünde sein, heterosexuell zu sein? Oder Geburtenkontrolle zu betreiben? Oder Sex vor der Ehe zu haben? Oder ein uneheliches Kind?"

Lohan findet es "interessant", dass eine Frau, die ein so hohes Amt anstrebe, noch vor vier Jahren TV-Moderatorin werden wollte. Das sei offenbar alles, wofür sie qualifiziert sei. Palin sei "schlecht vorbereitet" und löse mit ihren Parolen "Furcht, Besorgnis, Beunruhigung, Enttäuschung und Stress" bei ihr aus, so Lohan. "Ist unser Land so entzweit, dass die Republikaner ihre ganze Hoffnung auf eine engstirnige, medienunterstützte Homophobie setzen?", fragt Lohan ihre Leser.

"Ich vertraue darauf, dass dieses Land unter der richtigen Führung alles erreicht", schließt die Sängerin und gibt ihren Fans ebenso vertrauensvoll eine Empfehlung mit auf den Weg: "Barack Obama ist die beste Wahl für das Amt des Präsidenten."

ala



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