Reaktion auf "New York Times" Madonna fühlt sich durch Zeitungsporträt "vergewaltigt"

Die "New York Times" hat sich in einem ausführlichen Artikel mit Madonna befasst. Mit dem Ergebnis ist die Künstlerin aber alles andere als zufrieden - und teilt nun gegen die Zeitung aus.

Madonna bei den Billboard Music Awards: "Und ich sage: Tod dem Patriarchat"
Mario Anzuoni/ REUTERS

Madonna bei den Billboard Music Awards: "Und ich sage: Tod dem Patriarchat"


Madonna hat ein aktuelles Porträt der "New York Times" scharf kritisiert: Sie fühle sich durch den Artikel "vergewaltigt", schrieb die Künstlerin bei Instagram. Der Artikel mit dem Titel "Madonna im Alter von 60" sei durchzogen von "endlosen Kommentaren über mein Alter, das nie erwähnt worden wäre, wenn ich ein Mann wäre".

Das Porträt zeige, dass die "ehrwürdige 'NYT'" einer der "Gründerväter des Patriarchats" sei, schrieb die Sängerin weiter. "Und ich sage: Tod dem Patriarchat, das tief in der Struktur unserer Gesellschaft verankert ist."

Sie habe "Tage und Stunden und Monate" mit der Autorin des Artikels, der Journalistin Vanessa Grigoriadis, verbracht und ihr Zugang zu einer Welt verschafft, die vielen Menschen verschlossen bleibe, schrieb Madonna. "Ich bereue, auch nur fünf Minuten mit ihr verbracht zu haben. Ich fühle mich vergewaltigt. Und ja, ich darf diese Analogie verwenden, weil ich mit 19 vergewaltigt wurde."

Die Analogie zog Madonna bereits in der Vergangenheit. Als beispielsweise 2014 mehrere Demos ihres neuen Albums geleakt und ins Netz gestellt worden waren, kritisierte sie das als "künstlerische Vergewaltigung".

In dem "NYT"-Porträt beschreibt Grigoriadis unter anderem, wie Madonna auf dem Höhepunkt ihrer Karriere in den Achtzigerjahren als "höchst autobiografischer, über-selbstbestimmter, hypersexualisierter weiblicher Popstar" zu einem dominanten Vorbild der Weiblichkeit in den USA geworden sei. Inzwischen sei sie aber eine Sechzigjährige, die ihren Platz zwischen Künstlern suche, die "zwei Generationen jünger" seien.

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Madonna: Madame Leerstelle

Madonna bringt Ende kommender Woche ihr 14. Album "Madame X" heraus, die erste Veröffentlichung der Künstlerin mit neuer Musik seit 2015. SPIEGEL-ONLINE-Musikkritiker Andreas Borcholte urteilte: Madonna zeige mit "ihrem grandios vermurksten neuen Album", dass ihre Innovationskraft erschöpft sei. Mehr dazu erfahren Sie hier.

aar/AFP



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der_rookie 07.06.2019
1. Hm
Madonna scheint von der Kritik hart getroffen zu sein. Nun keilt sie zurück. Das ist psychologisch verständlich, hilft ihrem Ansehen aber nicht 1. Die Sexismuskeule: Wenn Bryan Adams die nächste Rockbalade herausbringt, dann wird sein Alter vermutlich selten diskutiert. Würde er aber seinen Musikstil neu erfinden wollen - und es ginge schief - dann stände sein Alter auch in jeder Kritik. 2. Der Vergewaltigungsvergleich: ich wusste nicht, dass Madonna mit 19 vergewaltigt wurde. Dies tut mir leid. Aber: Sie ist im Showgeschäft und lebt seit Jahrzehnten von und mit öffentlicher Diskussion über ihr Werk. Sie hat in der Zeit viele ungerechtfertigte Kritiken bekommen, sowohl zu gute, als auch zu schlechte Kritiken. Ein ständiger Umgang mit Kritiken ist also Teil ihres Geschäftsmodells. Nun sagt sie, sie fühle sich vergewaltigt. Sie sagt nicht es sei für sie schmerzhaft wie eine Vergewaltigung. Nein, sie sagt, sie fühle sich vergewaltigt. Für mich ist dies eine Verharmlosung von echten Vergewaltigungen. Wie oft hat Angela Merkel schmerzhafte Kritiken bekommen? Hat Angela Merkel je Vergewaltigungsvergleichhe gezogen? Das absurde ist: Ich persönlich mag Madonnas Musik sogar. Nur würde ich mir mehr Souveränität von ihr wünschen.
5b- 07.06.2019
2. Unwissen und Vewaltigung
Uns Menschen verbindet was alle Wesen verbindet. Wir möchten Glück erleben und Leiden vermeiden. Gegen die Männlichkeit zu argumentieren, dass sie nicht wissen wie Frauen leiden macht keinen Sinn. Wir können nicht wissen, was eine Ameise fühlt. Wir können aber definitiv annehmen, dass die einen Zustand von relativem Glück und Abwesenheit von Leid anstrebt. Ein Mann kann nicht nachvollziehen, wie eine Frau eine Geburt oder die Menstruation durchlebt. Es wird aber mit Bestimmtheit so sein, das für Frauen diese Geschehnisse unterschiedlich verlaufen. Wir müssen aber nicht nachvollziehen können, was andere genau durchmachen. Jeder Mensch kennt Leiden. Wir können emphatisch sein, ohne genau zu wissen wie die anderen Leiden. Wenn man von Vergewaltigung spricht, sollte man die physische von der künstlerischen oder andere Arten im übertragenen Sinn unterscheiden. So hat Alejandro Jodorowsky, ein Filmemacher, sich in einem Interview dazu bekannt Frank Herberts Dune, eine Science Fiction Buchreihe, vergewaltigt zu haben als er sie als Grundlage für einen Film hergenommen hat. Ich benutze auch gerne das Wort Vergewaltigung, wenn ich annehme, dass das Werk eines Künstlers als offenkundige Grundlage hergenommen wird, daraus aber etwas entsteht, dass nicht dem Charakter des ursprünglichen Werkes entspricht oder dem sogar entgegengesetzt ist. So zum Beispiel die Verfilmungen der Unendlichen Geschichte, die Michael Ende definitiv Leiden gebracht haben. Dabei finde ich, macht das Motiv den entscheiden Punkt. Will der Wiederkäuer offenkundig etwas Neues schaffen oder möchte er den Charakter angeblich bewahren ohne dass er es tut? Jodorowsky war klar in seiner Motivation. Daher war sein Tun im Einklang mit künstlerischen Vorsätzen. Wenn etwas Neues eigenes entsteht, ist ein es Kunst. Bei Peter Jackson hat es bis zum Hobbit gebraucht, dass er zugab eigenes zu schaffen, das unübersehbar nichts mit dem Charakter des ursprünglichen Werkes gemein hat. Wer die Dokumentarion Jacksons über den Film Salome gesehen hat, der weiß, dass Jackson schon lange vor dem Herrn der Ringe einen epischen Film mit vielen Statisten drehen wollte. Jacksons Bezug zu der Buchreihe scheint von ihm übertrieben worden zu sein. Es war eben eine passende Vorlage für einen Film wie Salome.
5b- 07.06.2019
3. Unwissenheit und Vergewaltigung 2
Das ist alles relevante, was mir zu Vergewaltigung im künstlerischen Sinn ohne viel zu grübeln einfällt. Es handelt sich also um etwas ohne Zustimmung des Erschaffers. Eine Vergewaltigung, im übertragenen Sinn, eines Journalisten ist aber im Einklang mit dessen Grundsätzen. Journalismus will ehrlich sein und ist oft schonungslos. Wenn man einen Journalist einlädt, der über einen schreiben will, dann lässt man sich willentlich darauf ein. Man kann natürlich betrogen werden. Der Journalist kann nett sein und wohlwollendes sagen, was den Eindruck machen kann, dass er auch positives schreiben wird. Man wird natürlich übervorteilt, da man dazu gedrungen wurde die Gewalt, über das journalistische Werk zu bestimmen, abzugeben. Politiker Das passiert, wenn man diese Dinge nicht entsprechend vertraglich regelt. Es gibt also Parallelen zwischen Ende und Ciccone. Bei Ende war es aber anders. Ihm wurde sein Werk zerstört. Die meisten werden, wenn sie den Namen die Unendliche Geschichte hören, an die Filme denken und nicht an das Buch. Über Ciccone wurde ein schlechter Artikel geschrieben. Vielleicht wurde ihr Werk schlecht geredet. Es wurde aber nicht entstellt. Wenn jemand ihre Musik genießen will, wird er sie aller Wahrscheinlichkeit nach einfach anhören, anstelle über die Macherin den einen Artikel zu lesen. Es liegt in der Natur des Journalismus nicht schonend mit dem Objekt der Betrachtung umzugehen. Sie hätte es sich denken können. Es war nicht aus der Welt gegriffen. Dass sie sich vergewaltigt fühlt, kann ich nachvollziehen. Sich aber auf eine eigentliche Vergewaltigung zu beziehen scheint unangebracht. Wenn ihr das bei einem Interview herausrutscht ist das eine Sache. Wenn sie es aber von sich aus veröffentlicht, ist es eine andere. Ich denke, dass wir generell Social Media weniger verwenden sollten. Wenn man schon Unfug schreibt, dann am besten so wie hier irgendwo einen Kommentar unter irgendwas im Netz setzen. Kommentare im Netz sind dafür da, dass sich der Schreiber Luft verschafft. Einen wirklichen gewinnbringenden Diskurs kann man nur schwerlich führen. Ciccone wurde von einem Journalisten im übertragenen Sinne vergewaltigt und ich habe den bloßen berichtenden Charakter eines Nachrichtenartikels entstellt, indem ich dort Dinge herausinterpretiert (super Neologismus) habe.
112211 07.06.2019
4. 2 Generationen
Vorweg: ich bin kein Fan der Musik von Madonna. Gesang ist wirklich nicht ihre Stärke. Aber über ihr Alter herzuziehen, das ist so etwas von rückwärts gewandt, wodurch sich die Autorin als völlig ungeeignet für einen Artikel über den derzeit größten weiblichen Musikstar entpuppt. Warum soll eine Künstlerin mit 60 nicht ebenso auftreten wie eine Künstlerin mit 30? Vielleicht hat Frau Grigoriadis mit ihren 45 Jahren selbst ein Problem mit dem Altern.
Richard.M 07.06.2019
5. Realitätsverlust oder bloß Heuchelei?
Entweder Madonna glaubt den ganzen "Patriarchat"-Quatsch wirklich, oder sie weiß, dass viele aus ihrem Publikum es tun - ich weiß grade nicht, was schlimmer wäre. Fakt ist allerdings (und niemand sollte das besser wissen als Madonna), dass Pop-Stars sich oft über ihre sexuelle Attraktivität verkaufen; ebenso Fakt ist, dass die Sexualität von Männern und Frauen unterschiedlich funktioniert und die Attraktivität von Frauen typischerweise im jungen Erwachsenenalter höher ist und mit zunehmendem Alter stärker abfällt. Das liegt in unserer Biologie verankert und kann wahrscheinlich nicht auf breiter Front durch Indoktrination geändert werden. Einzelne können mit Veranlagung und harter Arbeit eine Weile gegen ihr Alter ankämpfen, aber irgendwann ist dann Schluss, und wenn man den Zeitpunkt verpasst, wird's peinlich. So wie ein männlicher Fußballstar peinlich wäre, der sich mit 50 diskriminiert fühlt, weil kein Erstligaverein ihn mehr haben will.
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