Kritik an Madonnas Malawi-Reise Erpressung statt Freundlichkeit

Sie kommt unangekündigt. Sie nimmt sich selbst zu wichtig. Ihre Projekte scheitern. Für ihre Wohltätigkeitsarbeit in Malawi ist Madonna bereits mehrfach kritisiert worden. Nun spricht die Regierung des afrikanischen Landes von Erpressung. Die Popdiva vermutet eine Kampagne.

AP/dpa

Lilongwe - Die Kritik wird immer schärfer: Die Regierung von Malawi wirft Madonna vor, mit ihrem sozialen Engagement das Land zu erpressen. "Madonna möchte, dass Malawi ihr für ihre humanitären Aktionen auf ewig dankbar ist", heißt es in einer Mitteilung des Präsidialamtes. Freundlichkeit sei jedoch etwas Freiwilliges, das man nicht einfordern könne. Wenn Freundlichkeit nicht mehr freiwillig und still daherkomme, "dann ist es etwas anderes - Erpressung ist das nächste, an was es erinnert".

Seit Jahren engagiert sich Madonna mit ihrer Stiftung "Raising Malawi" in dem armen Land. Die amerikanische Sängerin hat zwei Kinder aus Malawi adoptiert. Vergangene Woche war sie mit ihnen zu Besuch in dem südostafrikanischen Land gewesen - und hatte Kritik für ihr Auftreten und ihre Wohltätigkeitsprojekte geerntet.

Malawis Präsidentin Joyce Banda hatte sich verärgert über Madonnas unangekündigten Besuch gezeigt. Bildungsministerin Eunice Kazembe warf der 54-Jährigen vor, ihren Einsatz hochzujubeln. "Sie hat Klassenräume in bereits bestehenden Schulen gebaut", zitiert die BBC Kazembe. Bei ihrer Abreise war der Popdiva dann auch noch ihr VIP-Status aberkannt worden.

Welche Rolle spielt die Schwester der Präsidentin?

Madonna reagierte unbeeindruckt auf die Vorwürfe. Sie sei traurig darüber, dass Präsidentin Banda sich dazu entschlossen habe, "Lügen darüber zu verbreiten, was wir erreicht haben", sagte die Sängerin in einem Statement, das auf der Webseite ihrer Stiftung veröffentlicht wurde. Sie werde sich davon jedoch nicht entmutigen lassen.

Madonnas Umfeld vermutet, dass es sich um eine Kampagne gegen die Popdiva handelt. Oponyo, die Schwester der amtierenden Präsidentin, war Leiterin eines 15 Millionen Dollar teuren Schulprojekts der Sängerin. Doch 2011 wurde das Projekt wegen Missmanagement eingestellt. Mehrere Angestellte waren daraufhin entlassen worden, so auch Oponyo.

Malawi gehört zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Erde. Von den 13 Millionen Einwohnern leben knapp 40 Prozent von weniger als einem Dollar pro Tag.

gam/dpa/AFP



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