Skandal um Hakenkreuz-Video Front National will Madonna anzeigen

Sie schafft es immer wieder zu provozieren: Bei ihrem Konzert in Paris zeigte Madonna erneut ein Video, das Marine Le Pen mit einem Hakenkreuz auf der Stirn zeigt. Die Partei der rechtsextremen Politikerin will nun Anzeige gegen die Sängerin einreichen.

Madonna in Paris: "Infamer Vergleich"
AFP

Madonna in Paris: "Infamer Vergleich"


Paris - Madonnas Pariser Konzert am französischen Nationalfeiertag hat ein juristisches Nachspiel. Der rechtsextreme Front national (FN) kündigte am Sonntag eine Anzeige gegen die Popdiva an. Bei ihrem Auftritt hatte die 53-Jährige ein Video gezeigt, in dem Parteichefin Marine Le Pen mit einem auf die Stirn gemalten Hakenkreuz zu sehen war. Direkt danach wurde ein Gesicht mit einem Hitlerbart eingeblendet. Damit sei der Tatbestand der Beleidigung erfüllt, so FN-Vizechef Florian Philippot.

Den Clip zu ihrem Lied "Nobody Knows Me" hatte Madonna seit Beginn ihrer Welttournee Ende Mai in Tel Aviv schon bei anderen Auftritten gezeigt. Damals hatte die Partei gedroht, sie werde die Sängerin auf Schmerzensgeld in Millionenhöhe verklagen, sollte sie das Video in Frankreich zeigen. Le Pen bezeichnete Madonna als "alte Sängerin", die nur auf sich aufmerksam machen wolle.

"Man kann nicht alles hinnehmen", sagte Partei-Vize Philippot nun und sprach von einem "infamen Vergleich". Le Pen werde nicht nur "ihre eigene Ehre verteidigen, sondern auch die ihrer Anhänger und der Millionen Wähler der Front national", ergänzte er. Die Ausstrahlung des Clips sei eine "Provokation", mit der Madonna von sich reden machen wolle, sagte Philippot. Dabei sei ihre Tournee bisher ein "Fiasko". Das stimmt nicht ganz: Ihr Konzert im Stade de France war zwar nicht ausverkauft, mit 65.000 Zuhörern aber dennoch gut besucht.

Seitdem sie im Januar 2011 ihren Vater Jean-Marie an der Spitze des FN beerbte, versucht Le Pen das rassistische und antisemitische Image ihrer Partei abzuschütteln. Bei der Präsidentschaftswahl im April erhielt sie knapp 18 Prozent der Stimmen.

Am 21. August hat Madonna als dann schon 54-Jährige ihren zweiten Auftritt in Frankreich. Ihre Fans warten gespannt darauf, ob sie das umstrittene Video auch dann wieder zeigen wird.

syd/AFP/dapd



insgesamt 12 Beiträge
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Federal-States-Of-Europe 15.07.2012
1. Völlig in Ordnung!
Madonnas Provokation ist völlig in Ordnung! Wer politisch provoziert, muss sich auch Provokationen von anderer, öffentlicher Seite gefallen lassen! Weiter so, Madonna!
kodjopat 15.07.2012
2. Egal wie, sensibilisieren (aber bitte ohne Gesicht. Die werden sich schon selbst zeigen)
hahahahahahahhahahahahahaha. OK Madonna hat zwar übertrieben (bitte kein Personengesicht) aber sie will nur sensibilisieren, denn viele wollen einfach nicht verstehen, daß diese Zeite vorbei sind. Die Welt von Heute ist anders. Ich kann verstehen, daß viele schwer haben loszulassen, da sie das in den Genen tragen, aber kann nur durch Kampagne wie die von Madonna versuchen dagegen zu wirken. Sie muß dabei einfach kein Gesicht dazu fügen. Die, die sich dadurch angesprochen füllen, werden sich selbst präsentieren bzw äußern.
spon-facebook-1471554995 15.07.2012
3. Politik und Musik
Ich finde, die Art und Weise, wie Madonna sich politisch aeussert, die fuehrt nur dazu, dass noch mehr Aerger entsteht. Wie man gesehen hat, wurde sie nun von dem Politiker ebenfalls beleidigt. Das bringt aber ja in der Sache ueberhaupt nicht weiter. Also, ich finde, wenn Madonna sich wirklich politisch aeussern will, dann soll sie entweder Klartext sprechen ( hier hat sie ja nur in Bildern gesprochen) oder in die Politik gehen. Alles andere schafft nur eine feindselige Kultur.
LuisCortez 15.07.2012
4. Madonna ist mittlerweile musikalisch bedeutungslos
Madonnas Alben verkaufen sich extrem schlecht, die Tour scheint auch nicht der Bringer zu sein und musikalisch sind ihre goldenen Zeiten vorbei. Das ist Fakt! Also ein wenig provozieren bringt Schlagzeilen, das ist völlig offensichtlich und das ist in meinen Augen nur lächerlich. Wenn ihre aktuelle Musik auch nur annähernd ein politisches Statement hätte okay aber so … einfach nur ein Versuch einer alternden Popdiva auf sich aufmerksam zu machen. Da haben die FN Typen (mit denen ich absolut nicht sympathisiere) leider völlig recht!
thiotrix 15.07.2012
5. Konzert oder Politkampagne?
Was liefert Madonna hier ab? Eine Tournee oder eine Politkampagne gegen eine Partei, die zwar rechts von der Mitte angesiedelt ist, aber weder rechtsextrem oder gar faschistisch ist. Diese Geschichte ist doch billige Effekthascherei. Welche Kenntnisse hat Madonna eigentlich über die Geschichte und Gegenwart von Frankreich und Europa? Die Allgemeinbildung in den Vereinigten Staaten ist ja nicht gerade weltberühmt!
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