Dokumentation "Phoenix Rising" Evan Rachel Wood beschuldigt Marilyn Manson der Vergewaltigung

Evan Rachel Wood hat neue Vorwürfe gegen Marilyn Manson erhoben: Der Rockmusiker soll sie bei einem Videodreh vergewaltigt haben. Er bestreitet das.
Evan Rachel Wood

Evan Rachel Wood

Foto: Olivia Fougeirol / AP

Die US-Schauspielerin Evan Rachel Wood hat dem Sänger Marilyn Manson vorgeworfen, sie bei einem Musikvideo-Dreh vergewaltigt zu haben. Eine »simulierte Sexszene« für das Video zur 2007 erschienenen Single »Heart-Shaped Glasses« sei abgesprochen gewesen. »Aber sobald die Kameras liefen, fing er an, mich wirklich zu penetrieren«, sagte die 34-Jährige in der Dokumentation »Phoenix Rising«, die am Sonntag auf dem Sundance Film Festival in den USA Premiere hatte. »Ich hatte dem nie zugestimmt«.

Wood hatte den knapp 20 Jahre älteren Manson im Alter von 18 Jahren kennengelernt. Die beiden waren ab 2006 mehrere Jahre liiert. Manson sagte, er sei zu »Heart-Shaped Glasses« inspiriert worden, als er Wood mit der Brille sah, die auf dem berühmten Filmplakat von Stanley Kubricks »Lolita« abgebildet war.

»Zu einem kommerziellen Sexualakt gezwungen«

»Ich wusste nicht, wie ich für mich selbst eintreten oder nein sagen sollte, weil ich darauf konditioniert und trainiert worden war, nie zu widersprechen und mich einfach durchzukämpfen«, sagte Wood. »Ich merkte, dass sich die Crew sehr unwohl fühlte und niemand wusste, was er tun sollte.«

Sie sei »unter Vorspiegelung falscher Tatsachen zu einem kommerziellen Sexualakt gezwungen« worden, sagte sie in der Dokumentation. »Ich wurde quasi vor der Kamera vergewaltigt.« Dem Dokumentarfilm zufolge setzte Manson – bürgerlich Brian Warner – Wood später unter Druck, Journalisten zu sagen, dass es während der Dreharbeiten zu dem Video keinen echten Sex gegeben habe.

Mansons Anwalt Howard King wies die Vorwürfe in einer Erklärung gegenüber AFP zurück. »Von allen falschen Behauptungen, die Evan Rachel Wood über Brian Warner aufgestellt hat, ist ihre fantasievolle Nacherzählung über die Entstehung des Musikvideos ›Heart-Shaped Glasses‹ vor 15 Jahren die dreisteste und am leichtesten zu widerlegen, da es mehrere Zeugen gab«, schrieb er.

Woods Mutter berichtete, dass sie von einem Mitglied des Filmteams erfahren habe, dass Manson Wood Absinth »und was auch immer« gegeben hatte. Ihre Tochter war demnach gar nicht mehr in der Lage, zuzustimmen, als er vom Drehbuch abwich.

Manson bestreitet Vorwürfe

Anwalt King erklärte hingegen, Wood sei während des dreitägigen Drehs »voll bei Sinnen« gewesen und »stark in die wochenlange Planung der Vorproduktion und die tagelange Nachbearbeitung des endgültigen Schnitts eingebunden« worden. »Die simulierte Sexszene wurde mehrere Stunden lang gedreht, mit mehreren Einstellungen aus verschiedenen Winkeln und mehreren langen Pausen zwischen den Kameraeinstellungen.« Sein Mandant »hatte am Set keinen Sex mit Evan, und sie weiß, dass das die Wahrheit ist«.

Wood hatte bereits im vergangenen Jahr Missbrauchsvorwürfe gegen Manson öffentlich gemacht. Auch mehrere weitere Frauen, darunter auch »Game of Thrones«-Darstellerin Esmé Bianco, beschuldigen ihn. Die Polizei von Los Angeles hatte vergangenes Jahr bestätigt, dass sie Anschuldigungen wegen häuslicher Gewalt gegen den Sänger untersuchte. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe hatte sich die Plattenfirma Loma Vista Recordings von Manson getrennt. Er nimmt aber weiterhin Musik auf und wirkte vergangenes Jahr auf Kanye Wests Album »Donda« mit.

Die HBO-Dokumentation »Phoenix Rising« schildert die Bemühungen von Wood und anderen Überlebenden sexueller Übergriffe, die Verjährungsfrist für Sexualverbrechen zu verlängern, um Frauen mehr Zeit zu geben, nach einem Missbrauch Gerechtigkeit zu suchen. Das Sundance-Filmfestival, das dieses Jahr wegen der Coronapandemie erneut online stattfindet, läuft noch bis zum 30. Januar.

bbr/AFP