Kritik am britischen Premier Ruffalo rüffelt Johnson für Hulk-Vergleich

Boris Johnson hat Parallelen zwischen Großbritannien und der wütenden, grünen Comicfigur Hulk gezogen. Dafür wird er nun zurechtgewiesen - von einem, der in der Angelegenheit über besondere Expertise verfügt.

Schauspieler Mark Ruffalo bei der Europa-Premiere von "Avengers: Age of Ultron": "Hulk ist eine Katastrophe, wenn er allein ist"
Stefan Wermuth/ REUTERS

Schauspieler Mark Ruffalo bei der Europa-Premiere von "Avengers: Age of Ultron": "Hulk ist eine Katastrophe, wenn er allein ist"


Boris Johnson muss für seinen Vergleich Großbritanniens mit der muskelbepackten Comicfigur Hulk von berufener Seite Kritik einstecken: Der US-Schauspieler Mark Ruffalo, der in einigen der "Avengers"-Blockbuster Hulk verkörperte, twitterte am späten Sonntagabend: "Boris Johnson vergisst, dass Hulk nur für das Wohl des Ganzen kämpft." Der 51-Jährige fügte hinzu: "Wütend und stark kann auch beschränkt und zerstörerisch sein. Hulk funktioniert am besten, wenn er im Einklang mit einem Team ist, und er ist eine Katastrophe, wenn er allein ist."

Der britische Premierminister hatte der Zeitung "Mail on Sunday" ein Interview gegeben und dabei auch betont, er werde Wege finden, ein jüngst vom Parlament verabschiedetes Gesetz gegen einen Brexit ohne Abkommen mit Brüssel zu umgehen. "Je wütender Hulk wird, desto stärker wird Hulk", sagte Johnson dabei. Und: "Hulk ist immer entkommen, egal wie eng gefesselt er war - und das Gleiche gilt für dieses Land. Wir werden am 31. Oktober ausscheiden."

Das Gesetz gegen den ungeregelten EU-Austritt soll Johnson dazu zwingen, eine dreimonatige Verlängerung der Brexit-Frist zu beantragen, sollte bis zum 19. Oktober kein Abkommen mit der EU ratifiziert sein. Der Antrag müsste dann von den übrigen 27 EU-Mitgliedstaaten einstimmig gebilligt werden. Johnson hat bereits mehrfach gesagt, er werde Großbritannien notfalls auch ohne Deal am 31. Oktober aus der EU führen. An diesem Montag trifft er sich mit EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker in Luxemburg, um über das Thema zu beraten.

Für seinen Hulk-Vergleich bekam Johnson nicht nur Kritik von Ruffalo. Der Brexit-Beauftragte des Europaparlaments, Guy Verhofstadt, schrieb bei Twitter, selbst für trumpsche Standards sei dieser Vergleich kindisch. "Soll die EU damit eingeschüchtert werden? Oder die britische Bevölkerung beeindruckt?"

aar/dpa



insgesamt 4 Beiträge
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stolte-privat 16.09.2019
1. Daumen hoch..
...für Mark Ruffalo. Boris Johnson erinnert mich eher an so eine Art Rumpelstilzchen, das ärgerlich schimpfend um einen heißen Kessel herumtanzt. Eher ein ULK als ein HULK. Politischer Alltag 2019, nicht nur in GB.
cmecx 16.09.2019
2. Hulk ist Ablenkung
Hulk ist nur Ablenkung und alle spielen mit. BoJo ist ein Meister der Ablenkung. Immer wenn er Sachthemen aus der Presse und dem Internet verdrängen will kommt oder mit irgentwelchen abstrusten Aussagen oder Aktionen. Diese Aktiounen monopolisieren dann die Aufmerksamkeit und leidige Sachfragen sind auf einmal nicht mehr wichtig. Gerade in einer Zeit vor möglichen Wahlen ist es für BoJo wichtig nicht zu viel mit negativen Schlagzeilen in der Presse zu sein. Absurde Schlagzeilen sing OK denn das ist bei BoJo ja Normalität.
kajoter 16.09.2019
3.
Natürlich ist die Hulk-Aussage kindisch und bar jeden Niveaus. Aber wenn man diesen Maßstab annimmt, dann war fast die gesamte Brexit-Kampagne niveaulos, sprich überlaut und polternd, in den Kernaussagen unwahr und über Gebühr simplifizierend. Aber die unwerten Populisten finden auch darauf eine Antwort und die besteht in der Elitenschelte. "Wir reden eben nicht so wie die elitären Altpartein". Seitdem das Wort zu einem ihrer Markenzeichen geworden ist und von ihren Anhängern verinnerlicht wurde, scheinen bei einigen Führungspersonen viele Dämme gebrochen zu sein. Mike Pence erklärte es unlängst folgendermaßen: "Donald Trump isn´t a politician but that´s why he get things done". Nun, für ihn wie für Johnson galt bislang: They got about nothing done - bis auf eine Ausnahme: Die Bevölkerung wurde noch stärker polarisiert. Ja, das hört sich abgedroschen an. Aber man nenne bitte eine einzige Partei, die mit dieser extremen Polarisierung agiert, die ganz bewusst Gift in die Bevölkerung spritzt und das ausschließlich aus Eigennutz. Darin besteht mMn eine wesentlich größere Gefahr als in diesen wirren Neonazis. Die treiben sich seit Jahrzehnten am rechten Rand herum und werden es vermutlich auch zukünftig tun. Aber Johnson, Trump oder AfD - das ist ein Angriff auf die Mitte der Bevölkerung und daher deutlich gefährlicher.
cyborgpiratelaserninja 16.09.2019
4.
Die Metapher mit dem Hulk passt wahrscheinlich besser, als es Herrn Johnson lieb sein dürfte. Die Figur ist nämlich nicht nur stark und wütend. Der Hulk und Bruce Banner stecken quasi in einem Körper aber es sind unterschiedliche Persönlichkeiten, die immer schon im Konflikt standen. Während Dr. Banner intelligent und überlegt handelt, ist der Hulk zwar mächtig aber die meiste Zeit dumm wie ein Stein. Es gibt Phasen, in denen sich beide regelrecht hassen. Das spiegelt die innere Zerrissenheit GBs wieder und wird noch für ordentlich Stress sorgen.
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