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Mathieu Gallet Gerücht mit Folgen

aus DER SPIEGEL 22/2022
Foto: Sylvain Lefevre / Getty Images

Der ehemalige Direktor von Radio France, Mathieu Gallet, 45, betreibt Aufarbeitung vergangener Seelenqual. Im Präsidentschaftswahlkampf 2017 wurde er als angeblicher Geliebter des aufstrebenden Politikers Emmanuel Macron bezeichnet. Dem war in sozialen Medien damals Homosexualität angedichtet worden. Ein Versuch, dem Newcomer mit der 24 Jahre älteren Ehefrau mit homophoben Vorurteilen zu schaden. Gallet, der heute eine Agentur für Podcasts und Hörbücher leitet, erzählt jetzt in einem Buch und in Interviews, wie es ihm damals erging. Er wisse bis heute nicht, wie sein Name überhaupt ins Spiel gekommen sei, so der Unternehmer. Wahrscheinlich habe es gereicht, dass er homosexuell ist und wie der fast gleichaltrige Macron früh in wichtige Führungspositionen gelangt war. Seine Familie habe sehr unter dem Gerücht ge­litten, so Gallet. Seine Tante und seine Großmutter wurden mehrfach auf die nicht exis­tente Liaison angesprochen. Papa­razzi lauerten vor seiner Haustür. Er habe sich lange nicht öffentlich dazu geäußert, weil es extrem schwer sei, Gerüchten beizukommen. Macron reagierte 2017 schnell und geschickt: Seine Frau Brigitte sei besorgt, wie er ein Doppelleben mit Mathieu Gallet oder irgendjemand anderem schaffe, scherzte der damalige Kandidat auf einer Veran­staltung. Denn er sei rund um die Uhr mit ihr zusammen. Die Schmutzkampagne habe Macron letztlich deswegen nicht ge­schadet, glaubt Gallet, weil sie auf alten Vor­urteilen beruht habe, die zur heutigen Gesellschaft nicht mehr passten.

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