Medien-Entgleisungen Die Geschmacklosen

Derbe Sprüche, krude Ansichten, verquaste Gedanken: DJ Tomekk ist beileibe nicht der einzige Prominente, der wegen schlechten Betragens vom Schirm oder Mikrophon verbannt wurde. Vor ihm hatten jedoch vor allem Medienprofis Schwierigkeiten mit anstößigen Meinungsäußerungen.


Hamburg - Ausschluss vor laufender Kamera: Zuletzt erwischte es im Oktober Ex-Moderatorin Eva Herman. Johannes B. Kerner stellte während seiner Talkshow im ZDF die umstrittene Journalistin kalt. Sie hatte sich für seinen Geschmack nicht ausreichend von ihren Äußerungen zu den familiären Werten der Nazis distanziert.

Zuvor war Herman bereits vom NDR gefeuert worden - nach fast 20 Jahren Senderzugehörigkeit. "Frau Hermans schriftstellerische Tätigkeit ist aus unserer Sicht nicht länger vereinbar mit ihrer Rolle als Fernsehmoderatorin und Talk-Gastgeberin", hatte Fernsehprogrammdirektor Volker Herres damals erklärt. Herman hatte sich Teilnehmern zufolge über die Wertschätzung der Mütter und Familien auch im Nationalsozialismus und über die Abschaffung solcher Werte in der 68er Bewegung ausgelassen.

Auch Moderator Manes Meckenstock vergriff sich deutlich im Ton: "Wenn ich Gülcan sehe", so hatte der 46-Jährige im Privatradio über die Viva-Moderatorin zu witzeln versucht, "dann bedaure ich, dass es die Nürnberger Rassengesetze nicht mehr gibt." Der WDR, für den der 46-Jährige als Außenreporter der Sendung "Zimmer frei!" arbeitet, zog im vergangenen Herbst Konsequenzen und beurlaubte Meckenstock vorübergehend. Inzwischen ist er - nach öffentlicher Entschuldigung und Reuebekundung - wieder auf Sendung.

Vor wenigen Tagen dann entledigte sich der Sender RTL2 eines "Big Brother"-Kandidaten. Der 28-jährige Container-Insasse Adrian hatte in einer nächtlichen Live-Übertragung einen "Spruch" über Sex mit Kindern geäußert. Nachdem Zuschauer protestiert hatten, musste er gehen.

Ebenso fielen etliche US-Talker durch rassistische Witze auf: Shock Jocks, Radiomoderatoren, die bepöbeln, provozieren - und eben schockieren. Langsam pirschen sie sich an eine Grenze der Geschmacklosigkeit heran, um dann im hohen Bogen darüber zu fliegen. Beispiel: Don Imus. Ausgerechnet der US-Radiotalker, dessen Popularität auf Beschimpfungen von Schwarzen, Juden, Frauen und Homosexuellen basiert. CBS und MSNBC feuerten den 66-Jährigen im Mai, weil er das überwiegend schwarze Basketball-Damenteam der Rutgers University als "krausköpfige Huren" beschimpft hatte.

jdl/jjc



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