Oprah Winfrey nach Meghan-Interview Rassismusvorwürfe – Queen und Prinz Philip waren's angeblich nicht

Nach der Ausstrahlung des TV-Interviews von Harry und Meghan sind weitere Details bekannt geworden. Der Prinz sagte, kein Familienmitglied habe Bedauern über den Rückzug ausgedrückt.
Herzogin Meghan (l.) und Oprah Winfrey: aufsehenerregendes Interview

Herzogin Meghan (l.) und Oprah Winfrey: aufsehenerregendes Interview

Foto: HARPO PRODUCTIONS / REUTERS

Es war einer der massivsten Vorwürfe in dem aufsehenerregenden Interview, das Herzogin Meghan und Prinz Harry im US-Fernsehen gegeben haben: Während ihrer Schwangerschaft habe es »Sorgen und Gespräche« darüber gegeben, wie dunkel die Haut des Kindes sein werde, berichtete die 39-Jährige. Von wem diese rassistischen Aussagen stammten, verriet das Paar jedoch nicht. Nun hat Moderatorin Oprah Winfrey sich dazu geäußert: Es habe sich nicht um Queen Elizabeth II. und ihren Ehemann Prinz Philip gehandelt.

Prinz Harry habe ihr zwar nicht gesagt, gegen wen sich die Vorwürfe konkret richteten, sagte Winfrey im US-Fernsehen  nach der Ausstrahlung des Interviews. Aber: »Er wollte sicherstellen, dass ich weiß, dass weder seine Großmutter noch sein Großvater Teil dieser Unterhaltungen waren.«

Schwere Vorwürfe in Richtung Königshaus

Das am Sonntagabend (Ortszeit) vom Sender CBS ausgestrahlte Gespräch war das erste Interview  von Meghan und Prinz Harry, seitdem das Paar vor einem Jahr seine royalen Pflichten aufgegeben hatte. Unterstützer Meghans hatten den Medien und auch dem Königshaus seither immer wieder eine Kampagne insbesondere gegen die Herzogin vorgeworfen. Dabei ging es auch um Anschuldigungen, die Ehefrau des Queen-Enkels Harry sei Rassismus ausgesetzt.

Das Interview sei ursprünglich 3 Stunden und 20 Minuten lang gewesen und dann auf 1 Stunde und 25 Minuten zusammengeschnitten worden, sagte Winfrey. Sie äußerte auch eine Vermutung, warum Meghan und Harry das Interview gegeben hätten: Die beiden hätten das Gefühl gehabt, dass nun schon so viele Jahre lang Lügen über sie verbreitet worden seien.

In einem am Montag bei CBS gezeigten zusätzlichen Ausschnitt sagte Harry, kein Mitglied der Königsfamilie habe sich je bei ihm oder seiner Ehefrau für die Situation, die zum »Megxit« führte, entschuldigt oder sein Bedauern darüber ausgedrückt. »Traurigerweise nicht«, sagte der 36-Jährige. »Es herrscht die Meinung, dass es unsere Entscheidung war und dass wir deswegen auch die Konsequenzen tragen müssen – und dass, nachdem wir drei Jahre lang um Hilfe gebeten haben und versucht haben, zu verdeutlichen, wie das alles ausgehen könnte. Es war sehr schwer.«

Harry über Charles: »Er musste damit seinen Frieden machen«

Es sei ein »giftiges Umfeld«, sagte Harry weiter, aber er werde immer für seinen Bruder und seine ganze Familie da sein. Die königliche Familie sei in ihrem Status gefangen, auch sein Vater Prinz Charles. »Er musste damit seinen Frieden machen.«

Der Rassismus gegen Meghan habe zu einem »großen Teil« die Entscheidung befördert, die royalen Pflichten niederzulegen, sagte Harry. Andere Mitglieder des Königshauses hätten immer wieder betont, dass sie auch mit der Klatschpresse zu kämpfen hätten – aber das sei nicht dasselbe, ergänzte Meghan. Bei ihr und Harry sei alles viel extremer gewesen: weil sie eine schwarze Mutter habe, weil sie aus den USA komme und weil die sozialen Medien alles verstärkt hätten. »Unhöflich und rassistisch ist nicht dasselbe«, sagte Meghan. Außerdem hätten alle anderen Presseteams gehabt, die sie öffentlich verteidigt hätten – »das ist bei uns nicht passiert«.

Viele Mitglieder des Königshauses bekämen von ihren Beratern »schlechte Ratschläge«, sagte Harry – darunter auch seine Großmutter. Das mache ihn sehr traurig. So habe sie ihn und Meghan einmal zu sich eingeladen, als die beiden gerade ein paar Wochen in Kanada verbrachten. Als sie dann aber in Großbritannien ankamen, habe es auf einmal geheißen, die Königin sei die ganze Woche zu beschäftigt, um die beiden zu empfangen.

Des Weiteren wurde deutlich, dass Meghan auch ihren Vater und ihre Halbschwester kritisierte. Ihr Vater habe sie angelogen, als es um die Frage ging, ob er mit den britischen Boulevardmedien zusammengearbeitet habe, sagte die 39-Jährige. Das treffe sie jetzt, da sie selbst Mutter sei, besonders hart. »Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, wie ich mein Kind jemals absichtlich verletzten könnte, also ist es schwer für mich, das zu verstehen.«

Vorwürfe gegen Meghans Vater und Halbschwester

Die Boulevardmedien hätten ihren Vater verfolgt und trügen damit Schuld – aber auch ihr Vater sei verantwortlich. »Sie haben auch meine Mutter verfolgt, und ihr habt nie ein Wort von ihr gehört. Seit vier Jahren ist sie in würdevoller Stille verblieben, während sie mitansehen musste, wie ich das alles durchmache.«

Mit ihrem Vater liegt Meghan bereits seit ihrer Hochzeit mit Harry im Frühjahr 2018 im Clinch. Thomas Markle hatte seine Teilnahme an dem Spektakel mit Hunderttausenden Schaulustigen in Windsor kurzfristig abgesagt – wegen gesundheitlicher Gründe, wie er es darstellt. Seitdem sind die beiden zerstritten. Thomas Markle hatte unter anderem einen handgeschriebenen Brief Meghans an Journalisten der »Mail on Sunday« gegeben.

Ihre Halbschwester Samantha, die zuletzt ein Buch über ihre prominente Verwandte veröffentlicht hatte, kenne sie so gut wie gar nicht, sagte Meghan in dem Interview mit Winfrey. »Das letzte Mal, dass ich sie gesehen habe, muss 18 oder 19 Jahre her sein, und das Mal davor zehn Jahre davor. Sie hat ihren Nachnamen wieder zurück zu Markle geändert, ich glaube, da war sie schon in ihren frühen Fünfzigern, und zwar genau dann, als ich meine Beziehung zu Harry begonnen habe, also ich denke, das sagt genug.«

bbr/dpa
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