Melania Trump auf Reisen Die Kleiderfrage

Diese teure Jacke! Ein Schleier! Kein Schleier! Melania Trumps Kleidung ist bei der Präsidentenreise ständig ein Thema. Höchste Zeit, dass die First Lady uns etwas anderes zum Berichten gibt.

DPA

Ein Kommentar von


Als die Amtszeit von Joachim Gauck als Bundespräsident endete, sagte die scheidende First Lady Daniela Schadt im Interview: "Ich freue mich darauf, nicht mehr für Staatsbesuche die Koffer packen zu müssen." Völlig verständlich.

Die Kleiderfrage ist für die First Ladies dieser Welt nämlich heikel. Und zwar heikler als für männliche Begleiter von Staatsoberhäuptern, denn selten wird über die Wahl eines bestimmten Anzugs so ausdauernd diskutiert wie über ein Kleid (eine Ausnahme bilden vielleicht die goldenen Schuhe oder karierten Anzüge von Alexander Dobrindt).

Dieses Wochenende wird über eine Damenjacke gesprochen, nämlich die der amerikanischen First Lady Melania Trump. Ein Stück von Dolce & Gabbana, italienisches Design für einen Termin in Sizilien, nicht ungewöhnlich eigentlich. Üppiges florales Design und vor allem schön teuer. Mehr als 50.000 Dollar soll das Kleidungsstück angeblich kosten.

Das findet mancher Betrachter unangemessen mit Blick auf den Anlass: Beim G7-Gipfel gehe es schließlich darum, die Probleme der Weltwirtschaft und Programme gegen Armut zu besprechen, merkt die "Gala" an und fragt rhetorisch, ob die Kleiderwahl der First Lady "wirklich so passend" war.

Kritik an Michelle Obama für 2300-Euro-Kleid

Die rechte Webseite "Breitbart News" hingegen findet an dem teuren Look nichts anstößig, im Gegenteil, Melanias Mode auf der großen Trump-Rundreise wurde dort bislang gefeiert.

Noch im Jahr 2015 hatte "Breitbart News" Michelle Obama dafür kritisiert, bei einem Treffen mit dem Papst ein Kleid für knapp 2300 Dollar getragen zu haben. Für so viel Geld könne man 80 Kinder für einen Monat ernähren, palaverte das Magazin, also sei die Kleiderwahl unpassend und stehe den Werten des Papstes sicher entgegen. Puh.

Unterschiedliche Maßstäbe an Promi-Mode sind allerdings keine Spezialität der ultrarechten Spindoktoren. Schließlich müssen alle Journalisten die Bilder der Kleider irgendwie betexten. Schließlich wollen viele Leute die Mode ja sehen (für den schnellen Kick: Hier ist unsere Fotostrecke).

Das Urteil ist dann oft gnadenlos: "Schnöde Konfektionsware" habe etwa Herzogin Catherine bei einem Treffen mit Michelle Obama getragen, heißt es einmal bei der "Rheinischen Post", nämlich bloß ein 200-Euro-Kleid. Als Michelle Obama hingegen selbst einmal in einem Kleid von H&M in einer Talkshow aufkreuzte, galt das in derselben Publikation als "modisches Statement" - nämlich, dass Mode nicht teuer sein müsse.

Wie dekoratives Beiwerk

Stets eine Überschrift wert ist auch das mehrfache Tragen eines Outfits, der Anschaulichkeit halber an denselben Protagonistinnen erzählt: Michelle Obamas Garderobe am Wahlabend kommentierten Journalisten der "HNA" so: "Sie hat es schon wieder getan: Am Abend des großen Wahlerfolges ihres Mannes erschien Michelle Obama in einem Kleid, das sie schon mindestens zweimal getragen hat."

Bei Herzogin Catherine führt derselbe Sachverhalt zu Lob: Kate sei "ja dafür bekannt und geschätzt, Kleider auch mehrmals aufzutragen und damit der Öffentlichkeit zu zeigen, dass das britische Königshaus auch mal sparen kann", heißt es etwa auf der Klatschseite Promi-Flash.

Wer in der Öffentlichkeit steht, wird angesehen. Klar. Aber gerade First Ladies und adelige Frauen werden selbst im Jahr 2017 noch viel zu oft wie dekoratives Beiwerk behandelt. Und vielleicht - wie in Melanias Fall - tragen sie auch selbst etwas dazu bei.

Leere Symbolik

Wissen Sie was? Mir ist es total egal, was eine First Lady trägt. Das meiste ist eh bloß leere Symbolik. Was bringt es denn der Welt, wenn sich die Frau eines Staatschefs zu einem bestimmten Anlass im 100-Euro-Kleid zeigt und allein der Pietät wegen das 50.000-Euro-Stück im Schrank hängen lässt?

Wichtig ist doch nicht, was die Mächtigen tragen, sondern, was sie tun. Sicher ist es ein schönes Symbol, wenn eine First Lady oder eine Prinzessin in komplett fair produzierter Kleidung auftritt (was übrigens höchst selten passiert). Aber wie viel besser wäre es noch, wenn sie sich weltweit für mehr faire Mode einsetzen würde?

Gerade, was Bekleidung angeht, gibt es in unserer globalisierten Welt viel zu tun, angefangen beim Altkleiderhandel bis hin zu den katastrophalen Bedingungen in den Billigfabriken dieser Welt. Da könnte sich eine First Lady ruhig einmal drum kümmern. Vielleicht wäre das ja ein Thema für Melania Trump. Schließlich interessiert sie sich augenscheinlich für Mode, ist aber sonst bislang kaum aufgefallen durch Projekte und Ideen, mit denen sie als First Lady einen Beitrag leisten könnte für diese Welt.

Beschlüsse sind interessanter als Kleidung

Oft ist das Outfit einer First Lady das einzige, über das sich überhaupt etwas sagen lässt. Schade. Im besten Fall nämlich ist ein tolles Kleid nur der i-Punkt auf einem grandiosen Auftritt - und nicht dessen einzige Grundlage.

Der G7-Gipfel endet heute, und in ein paar Wochen steht in Hamburg schon der G20-Gipfel an. Mich interessiert nicht, was die Politiker und ihre Familien zu diesem Anlass anziehen. Mich interessiert, was sie beschließen.

Im Mittelmeer ertrinken Tausende von Menschen auf dem Weg nach Europa. Am Horn von Afrika verhungern Kinder und ihre Eltern und ihre Großeltern. Auf dieser Welt werden Reiche immer reicher und Arme immer ärmer. Journalisten werden eingesperrt, Oppositionelle gefoltert und umgebracht. Und das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung hat für das vergangene Jahr 18 Kriege und Hunderte gewalttätige Konflikte gezählt. Das sind Probleme, die die Mächtigen dieser Welt angehen sollen.

Es ist mir egal, welche Jacken sie dabei tragen.

insgesamt 90 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
futtereimer 27.05.2017
1.
Aber ein wenig nachdenken könnte die Fist-Deppen-Lady schon: In einem MUSLIMISCHEN Land trägt sie Armfrei und KEINE Kopfbekleidung, während sie beim Papst wie eine von den Adams-Family (mit schwarzem Schleier--ist die in Trauer???? Und die Tochter erst...sah aus wie Satans Braut) anzog. Das ganze Netz machte sich lustig drüber... Und ich fand es auch ziemlich daneben... (Bin nicht so der Modexperte...aber ich weis, was ich schön finde...und diese Gruselvorstellung beim Papst ....sogar der sah nicht besonders glücklich aus..---was aber wahrscheinlich doch an der kompletten (inclusive Donald Duck---äh Trump) Famiie "Adams-Family" lag.
informationen11 27.05.2017
2. Ihr seid vor Neid ganz blass - schaut mal in den Spiegel (den aus Glas)
So wie Ihr, die Medien, Worte auseinander spaltet, wie Ihr Silben auseinander spaltet - um den allerletzten Hintersinn noch in Gesprochenes hinein zu geheimsen, macht Frau Trump genau das Richtige: sie beteiligt sich nicht an Wortbeiträgen. Sie ist eine schöne Frau, sie hat eine SUPER-FIGUR und, sie hat einen tollen Geschmack. Und die Auswahl ihrer Kleider trifft angemessen die Anlässe. Das ist dreimal genug. Drei Daumen hoch von mir. Der Rest ist Neid,nichts anderes. Beste Grüße L.H.
Newspeak 27.05.2017
3. ...
Wer macht denn die Berichterstattung? Wer entscheidet denn, dass Kleiderfragen und aehnliche Unwichtigkeiten abgehandelt werden? Ist das nicht die Presse selbst? Vielleicht sollte man mal mehr ueber sein eigenes Tun reflektieren?
rainerwäscher 27.05.2017
4. Hört auf zu berichten
Eigentlich interessiert es nicht, was die Promis anziehen und was das kostet,. Nur leider berichten Sie und ihre Konkurrenten dauernd darüber. .Ich möchte gar nichts von einer Melania hören. Sie hat kein Amt und nichts zu sagen. Sie ist ein Model! Die müssen nur gut aussehen und auf- und abgehen.
großwolke 27.05.2017
5. First Ladys SIND Beiwerk
Ob schmückend oder nicht, sei jetzt mal dahingestellt, aber ich möchte von Joachim Sauer genausowenig politische Einlassungen zu hören kriegen wie das die Amerikaner vermutlich von Frau Trump nicht wollen. Im Gegensatz zu den Amtsträgern wurden die nämlich nicht gewählt. Im Grunde seid es doch Ihr von der Presse, die dieses Thema erst erzeugen. Nicht völlig grundlos, schon klar, die Leute interessieren sich ja dafür. Aber die eine Hälfte so eines Politik-Pärchens gehört halt in die Klatsch-Spalten, die andere in die Rubrik "Politik".
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.