"Nilpferd"-Kritik an Melissa McCarthy "So viel Hass"

Selten hat sich ein Hollywood-Kommentator so im Ton vergriffen wie Rex Reed. In einer Filmkritik verglich er Melissa McCarthy mit einem Traktor und einem Nilpferd. Die Schauspielerin reagierte nun auf würdevolle Art: Sie zeigte Mitleid.

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Hamburg - Sie sehe aus wie ein "fettes Nilpferd", ihre Körpergröße gleiche der eines Traktors. Sie sei zu gleichen Teilen übergewichtig wie widerlich. Es waren harsche Worte, mit denen US-Autor Rex Reed die Schauspielerin Melissa McCarthy in einer Filmkritik im "New York Observer" beschrieb.

Nach dieser Beleidigung ging ein Shitstorm über den 74-Jährigen hernieder. Auch Prominente stellten sich hinter McCarthy, der Regisseur Paul Feig etwa kritisierte die "gehässigen und schulhofschlägerhaften Beschimpfungen der außerordentlich talentierten Melissa McCarthy". Schauspielkollege Eric Stonestreet schrieb auf Twitter: "Es sieht so aus, als sei Rex Reed doch nicht traurig und allein vor zehn Jahren gestorben. Nein. Er lebt und giert nach Aufmerksamkeit, also lasst uns ihm ein wenig davon geben."

Nur eine schwieg ganz ladylike zu diesem rüpelhaften Totalausfall: McCarthy selbst. Bis jetzt. "Jemand, der in so viel Hass schwimmt, tut mir wirklich leid", sagte sie der "New York Times". Der Autor müsse sehr unglücklich sein. Sie selbst sei derzeit an einem sehr glücklichen Punkt in ihrem Leben angekommen. Wäre sie jedoch jünger gewesen, hätte sie der Artikel "vielleicht zerstört". Als Mutter zweier Töchter sehe sie solche Beiträge durchaus als gefährlich, junge Mädchen seien nicht in der Lage, sich gegen solche Körperideale abzugrenzen.

McCarthy wurde mit TV-Serien wie "Gilmore Girls" und "Mike & Molly" bekannt. Ihren Durchbruch im Kino hatte die 42-Jährige jedoch erst wesentlich später. 2011 spielte sie in "Brautalarm", einem Film, der in den USA Kultstatus erlangte. Für ihre Rolle wurde sie für einen Oscar nominiert, schnell folgten die großen Angebote aus Hollywood. Zurzeit ist sie in "Hangover 3" zu sehen, demnächst kommt ihr Film "Taffe Mädels" mit Sandra Bullock in die Kinos.

gam

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insgesamt 57 Beiträge
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EinGangLion 14.06.2013
1. ...meine Güte...
Ja, er hat sich im Ton vergriffen, aber man tut hier so, als ob er sie geschlagen hätte - Kritiker vergreiffen sich im Ton, manchmal absichtlich, manchmal unbewußt... Aber, natürlich, wer kennt sie nicht, Frau McCarthy, mit ihren fantastischen Auftritten bei "Gilmore Girls" - oder als Mike, bei "Mike and Molly"... ... und "Brautalarm" klingt schon bei mir als ein dermaßen neues, lustiges und unterhaltsames Thema, dass ich mir diesen film heute sicherlich ausborgen werde... (Ironie off). Fazit: ein Möchtegern-Star wird von einem in der Versenkung der Bedeutungslosigkeit verschwundenen Typen ins Licht der Öffentlichkeit zurückgeschoben... is ja gut für sie... EinGangLion
chagall1985 14.06.2013
2. Was ist das schlimmere Vorbild?
Zitat von sysopGetty ImagesSelten hat sich ein Hollywood-Kommentator so im Ton vergriffen wie Rex Reed. In einer Filmkritik verglich er Melissa McCarthy mit einem Traktor und einem Nilpferd. Die Schauspielerin reagierte nun auf würdevolle Art: Sie zeigte Mitleid. http://www.spiegel.de/panorama/leute/melissa-mccarthy-findet-kritiker-rex-reed-traurig-a-905783.html
Dieser Rüpel der sich in einer Schimpfkanonade ergibt? Der Schlankheitswahn unserer Medien und Modeindustrie? Oder die Tatsache das Adipositas hier als glücklicher Lebensentwurf verteidigt wird? Die Kritik ist mit Sicherheit in der Wortwahl und Art und Weise völlig deplaziert. Aber so zu tun als möchte irgendwer diese Frau im Bikini sehen ist sicher auch der falsche Weg.
lupenreinerdemokrat 14.06.2013
3. Vielleicht sollte man die Dame mal aufklären....
Denn wenn sie die Befürchtung hat, dass "......junge Mädchen seien nicht in der Lage, sich gegen solche Körper-Ideale abzugrenzen." hat sie offenbar noch nichts davon mitbekommen, dass ein solcher "Prachtkörper" alles andere als gesundheitsförderlich ist. Es hat schon seinen Grund, warum sportliche, körperbewusste Menschen gesünder leben, als spindeldürre oder fette.
Flusher 14.06.2013
4. Nun gut...
...die Wortwahl von Rex Reed war vielleicht nicht richtig. Wieso aber gleich ein Shitstorm losbricht wenn man auf einen krankhaft adipösen Körperbau hinweist erschliesst sich mir nicht. Ich verfolge in den letzten Jahren einen Trend, der "Dick-Sein" cool und hipp macht. In Anbetracht dessen, dass mittlerweile jeder dritte Jugendliche in Europa an Übergewicht leidet, ist es mir lieber, dass diese ein Hungerhaken-Model als Vorbild haben, als eine mollige Melissa McCarthy oder eine dicke Beth Ditto. Der nächsten Generation wird sonst nur vermittelt, dass Dick-Sein kein Problem sondern normal ist.
Gaston 14.06.2013
5. Schönheitsideale
Mal ganz unabhängig von den geäußerten Beleidigungen: Es geht bei dieser Adipositas 2. oder wahrscheinlich schon 3. Grades nicht um falsche Schönheitsideale sondern um einen krankhafte und krank machende Zustand. Ich hoffe, die so Konstituierten tragen Sorge dafür, dass ihre Kinder nicht in diese Fußstapfen treten. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Jeder darf Fettleibigkeit schön finden. Aber propagiert werden sollte diese genauso wenig wie Kachexie bei Magersüchtigen oder andere pathologische Zustände.
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