Meryl Streep über "toxische Männlichkeit" Vergiftete Debatte

Toxische Männlichkeit als Kampfbegriff? Hollywoodstar Meryl Streep findet ihn jedenfalls unpassend - und spricht sich für eine andere Sichtweise aus.

Dia Dipasupil/Getty Images,/AFP

Meryl Streep hat mit "toxischer Männlichkeit" ihre Probleme. "Wir verletzen unsere Jungs, indem wir etwas toxische Maskulinität nennen", sagte die 69-jährige Schauspielerin laut "In Style" bei einer Gesprächsrunde zur Serie "Big Little Lies". Sie finde nicht, dass es funktioniere, diese Wörter zusammenzubringen. Auch "Frauen können verdammt toxisch sein".

"Toxische Männlichkeit" steht für ein männliches Rollenbild, das als giftig angesehen wird, weil Männlichkeit auf Eigenschaften wie Gewalttätigkeit, Emotionslosigkeit, Konkurrenzdenken und sexuelle Aggressivität reduziert wird.

Statt um Männlichkeit sollte es um toxische Individuen gehen, sagte Streep. Dies lasse sich nicht mit einem bestimmten Geschlecht in Verbindung bringen. "Wir alle haben unsere guten und wir haben unsere schlechten Seiten." Es sollte weniger auf Labels ankommen, sondern auf den Umgang miteinander. "Wir sitzen alle in einem Boot."

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Meryl Streep über Rollenbilder: "Frauen können toxisch sein"

Bei der Fragerunde sprach Streep auch über ihre Kolleginnen bei "Big Little Lies". In der preisgekrönten Serie spielen unter anderem Nicole Kidman, Reese Witherspoon und Shailene Woodley mit. Insbesondere über Woodley fand Streep lobende Worte. Die Kollegin sei einfach ein "Wunder".

Streep wiederum darf sich der Bewunderung ihrer Kolleginnen sicher sein. Witherspoon etwa sagte über das gemeinsame Engagement: "Ein Traum wurde wahr." Und: "Es gibt nichts Besseres als eine weibliche Partnerschaft." Die neue Staffel der Serie ist ab dem 9. Juni auf HBO zu sehen.

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g.eliot 01.06.2019
1.
Ob man gewisse aggressive, misogyne oder sexistische Verhaltensweisen, bis hin zu sexuellen Übergriffen "toxische Maskulinität" nennen sollte, ist die eine Frage. Der andere Aspekt ist, dass Eltern ihren Söhnen unbedingt beibringen sollten, dass die darunter verstandenen Verhaltensweisen inakzeptabel sind. Dass Prahlen mit sexuellen Übergriffen kein Zeichen von Männlichkeit ist, sondern geächtet, und falls strafrelevant, entsprechend geahndet werden sollte. Es gibt einen Unterschied, wie männliche und weibliche Verhaltensweisen beurteilt werden, der sich schon durch den Sprachgebrauch geprägt wird. Es gibt unzählige Schimpfwörter für Frauen, die sich in ihrem sexuellen Verhalten nicht nach dem konservativen Moralkodex richten, für den Mann jedoch nicht. In der deutschen Sprache fällt mir nur der Hurenbock ein, wobei sogar Schwerenöter noch eher wie eine Auszeichnung klingt. Vielleicht sollte man als Erstes den Sprachgebrauch neu definieren bzw. neutralisieren. Nun zu Meryl Streep. Sie war diejenige, die auf einer Oscar-Preisverleihung in ihrer Laudatio Harvey Weinstein einen "Gott" nannte. Wusste sie denn nichts von seinen Fehltritten? Gab es denn gar keine Gerüchte in der Hollywood Community? Ja, es gibt weibliche Straftäter: Betrügerinnen, Diebinnen, Mörderinnen usw. usw., Frauen, die sogar ihre Kinder vergiften, und selbstverständlich sind Frauen keine besseren Menschen. Doch der Unterschied liegt im sexuellen Bereich: Bei männlichen Tätern wurden sexuelle Übergriffe bisher zu oft schweigend geduldet, besonders, wenn es sich beim Täter um eine bekannte Persönlichkeit handelte, der über große finanzielle Mittel verfügt. Manche #MeToo-Gegner versuchen den Spieß umzudrehen, indem sie den Frauen vorwerfen, dass sie sich nicht unmittelbar danach den Täter angezeigt haben. Dies, wie z.B. bei Weinstein, der die Frauen mit Psychoterror durch seine Detektive drangsalieren ließ, um sie dann durch Zahlung einer Entschädigung zum Schweigen zu bringen. Zumal den Frauen nicht geglaubt wird, wie im Fall Cosby und auch in Trumps Fall. Nach dem Erscheinen des Access Hollywood-Videos hatten sich insgesamt 19 Frauen gemeldet, welche über die Übergriffe glaubhaft berichtet hatten, darunter junge ex Miss Universe Kandidatinnen, eine New Yorker Journalistin, eine Teilnehmerin der Trump-Reality Show "Apprentice" und eine Bilanzbuchhalterin. Ihnen wurde von Trump Fans nicht geglaubt, denn diese glauben einem mächtigen pathologischen Lügner mehr als allen 19. Das spricht doch Bände.
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