Mexikanischer Milliardär Das Supermuseum des Superreichen

So schön kann schenken sein: Der reichste Mann der Welt schenkt seiner Heimatstadt ein fabulöses Museum und macht seine enorme Kunstsammlung jedermann zugänglich. Ein Luxus, den er sich leisten kann, weil er gern in angeschlagene Unternehmen investiert.

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Carlos Slim Helù ist kein Mann, der mit seinem Reichtum protzt. Er fährt seinen dunkelblauen Mercedes meist selbst, wohnt in einem vergleichsweise bescheidenen Sieben-Zimmer-Haus und hat weder eine Yacht noch eine Privatjet. Dabei könnte er sich allen Luxus der Welt leisten, denn er ist der reichste Mann der Welt. Auf 53,5 Milliarden Dollar (39 Milliarden Euro) wird sein Vermögen geschätzt, mehr noch als Microsoft-Gründer Bill Gates angehäuft hat. Und locker genug, um seiner Heimat Mexiko-Stadt ein besonders Geschenk zu machen: ein mit wertvollen Kunstwerken voll bestücktes, nagelneues Museum.

Rund 34 Millionen Dollar lässt Carlos Slim sich den Bau kosten, eine gewaltige Summe, könnte man meinen. Doch die verkümmert beinahe zur Nebensache, wenn man erfährt, dass Museumsdirektor Alfonso Miranda den Wert der Kunstsammlung, die sein Chef darin ausstellen will, auf 700 Millionen Dollar (511 Millionen Euro) taxiert.

Die Exponate zusammenzubekommen, hat den Milliardär Jahrzehnte und eine entsprechende Summe Geld gekostet, schwergefallen ist es ihm nicht. Seine Frau Souyama habe ihn in die Welt der Kunst eingeführt, erzählt der Superreiche in einem der wenigen Interviews, die er gibt, dem britischen " Telegraph". Gemeinsam hätten die beiden Museen in aller Welt besichtigt und auch zum ersten Mal eine Auktion besucht. Eigentlich wollten sie nur Möbel ersteigern, am Ende gingen sie mit einem flämischen Gemälde aus dem 16. Jahrhundert nach Hause, dem Grundstein für ihre Kunstsammlung.

Kunstauktionen gehörten fortan zu den regelmäßigen Fixpunkten im Leben des Ehepaars. Mittlerweile werden Carlos Slim komplette Kunstsammlungen zum Kauf offeriert, Angebote, die er nicht selten annimmt. Auf diese Weise hat er es unter anderem zur weltweit umfangreichsten Sammlung von Rodins gebracht. Insgesamt 380 Skulpturen des französischen Bildhauers hat er zusammengetragen. Ein Unterfangen, bei dem die Summe des investierten Geldes wohl nur eine nachrangige Rolle gespielt haben dürfte.

Kaufen, wenn anderen verkaufen

Aber Geld ist für den Sohn libanesischer Auswanderer ohnehin nie ein Problem: Sein Vater war vor der Einberufung durch das osmanische Reich nach Mexiko geflohen, wo er seine ebenfalls aus dem Libanon stammende Frau kennenlernte. Er hielt seine Söhne früh dazu an, ihr Geld selbst zu verwalten. So kam der junge Carlos einer Legende zufolge dazu, schon mit zwölf Jahren seine ersten Aktiengeschäfte zu tätigen. Mit 17, so heißt es, sei er bereits Pesos-Millionär gewesen.

So ging es über die Jahre munter weiter und der "moderne König Midas", wie ihn das "Handelsblatt" einst nannte, häufte immer größere Reichtümer an. Slim zeigte dabei ein besonderes Gespür dafür, genau dann in Firmen zu investieren, wenn diese am Abgrund standen und alle anderen Investoren zu retten versuchten, was zu retten ist. 1997 kaufte er Apple-Aktien, als der Konzern als sicherer Übernahmekandidat galt, 2002 beteiligte er sich mit Optionsscheinen am US-Telekomkonzern WorldCom, wurde im Rahmen von dessen Umstrukturierungen zum Großaktionär, verkaufte seine Anteile schließlich an Verizon weiter. Gewinn: eine Milliarde Dollar.

Heute umfasst Slims Firmenimperium so ziemlich alles was man zum täglichen Leben braucht. Neben dem mexikanischen Telekommunikationskonzern América Movil gehören dazu Banken, Versicherungen, Handelsketten, Minen- und Baugesellschaften, Restaurants und Druckereien. Sein Einfluss ist mittlerweile so gewaltig, dass manche Mexikaner ihre Heimat schon als "Slimlandia" bezeichnen.

Allein in den Fluren

Der Herr über dieses Imperium aber, ist so konservativ, wie man es sich nur vorstellen kann. Sein heutiges Wohnhaus liegt nur wenig mehr als einen Kilometer von seiner Firmenzentrale und fünf Kilometer von seinem Geburtshaus entfernt. Und ebenso wie er offenbar gern in seiner gewohnten Umgebung bleibt, schart er seine Familie um sich. Sein neues Museum hat er von seinem Schwiegersohn, der Architekt ist, bauen lassen, seine Kinder arbeiten allesamt in seinem Firmenkonglomerat.

Da wundert es kaum, dass der 71-Jährige seinem Museum einen vertrauten Namen gegeben hat. Museo Soumaya heißt der Prachtbau, benannt nach seiner 1999 verstorbenen Ehefrau. Der Eintritt wird kostenlos sein, die Sammlung mit ihren rund 66.000 Exponaten jedermann offenstehen. Noch aber genießt der Hausherr sein Recht, auch mal mitten in der Nacht durch die Gänge des mit griechischen Marmorfußböden ausgekleideten Gebäudes zu streifen.

Lange wird er sich dieses Privatvergnügen nicht mehr gönnen können. Die Eröffnung des Museums ist für den 28. Februar angesetzt, mit Cocktailparty, Pomp und Stargästen. Mit der Ruhe wird es dann vorbei sein.



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