Ermittlungen in Miami Ein Footballstar und ein "verdächtiger Vorfall"

Eine Frau wacht im Krankenhaus auf. Sie weiß nicht, wie sie dorthin kam. Sie weiß nur, dass sie am Vorabend irgendwann nackt auf einem Bett lag - und mit drei Profisportlern feierte. Mit dabei: Colin Kaepernick, einer der größten Footballstars der USA. Nun ermittelt die Polizei.

REUTERS

Miami - Einer der größten US-Sportstars steht wegen polizeilicher Ermittlungen im Fokus der Öffentlichkeit. Colin Kaepernick, Quarterback der San Francisco 49ers in der Profi-Football-Liga NFL, war laut Polizei in Miami bei einem "verdächtigen Vorfall" dabei. Gegenstand der Ermittlungen sind auch Ricardo Lockette, Kaepernicks enger Freund und derzeit bei Meister Seattle Seahawks unter Vertrag, sowie Kaepernicks Teamkollege Qinton Patton.

Laut dem Polizeibericht ereignete sich der Vorfall am 1. April. Eine Frau ging demnach in Lockettes Wohnung im Zentrum Miamis. Dort waren Patton und Kaepernick bereits anwesend. Man habe miteinander gesprochen und getrunken. Sie habe sich irgendwann benommen gefühlt und im Schlafzimmer hingelegt. Kaepernick sei in den Raum gekommen, habe sie geküsst und vollständig ausgezogen.

Dann habe er den Raum verlassen und gesagt, er werde bald zurückkommen. Dem am 3. April verfassten Polizeibericht zufolge schliefen die Frau und Kaepernick an dem Tag nicht miteinander, hatten aber in der Vergangenheit Sex gehabt.

"Wo ist Colin? Raus mit euch!"

Nachdem der 26-Jährige das Zimmer verlassen hatte, sollen Patton und Lockette in den Raum geschaut haben. "Was macht ihr? Wo ist Colin? Raus mit euch", soll die Frau gesagt haben. Danach kann sie sich dem Bericht zufolge an nichts mehr erinnern. Am folgenden Tag wachte sie in einem Krankenhaus auf - und hatte keine Ahnung, wie sie dorthin gelangt war oder wer sie dorthin gebracht hatte.

Die 49ers geben sich äußerst schmallippig. Man habe die Berichte zur Kenntnis genommen und sammle nun Fakten, teilte ein Sprecher mit. Eigentlich wollte der Club Jungstar Kaepernick vor Beginn des Trainingslagers langfristig unter Vertrag nehmen. Nun werde es interessant zu sehen, ob die Vorwürfe das verzögern und das Team dazu bringen könnten, auf die Bremse zu treten, schrieb "Sports Illustrated".

Noch läuft Kaepernicks erster Profivertrag, der ihm ein Grundgehalt von 973.000 Dollar für 2014 zusichert - für einen Spieler seiner Klasse in der NFL ist das fast schon eine lächerlich geringe Summe. Sein neuer Vertrag würde ihn zu einem der bestbezahlten Spieler der Liga machen.

Selbst unbestätigte Vorwürfe könnten Kaepernick schaden

Es mag ungerecht erscheinen, dass Kaepernick ein Nachteil daraus entstehen könnte, selbst wenn die Ermittlungen ergeben, dass er sich nichts vorzuwerfen hat. Aber NFL-Teams sind so sehr um ihr Image besorgt, dass sie sich im Zweifelsfall eher von guten Spielern trennen, als ständig Dinge kommentieren zu müssen, die abseits des Spielfelds stattfinden.

Da hilft es auch nur bedingt, dass die Polizei betont, es gebe keine Anklage, man ermittle nicht wegen eines sexuellen Übergriffs, sondern wegen eines "verdächtigen Vorfalls". Denn es wurde auch bestätigt, dass sich die "Special Victims Unit" um den Fall kümmere. Die Einheit ist für Fälle von Kindesmissbrauch, vermisste Personen und Ermittlungen bei sexueller Gewalt zuständig.

Schon unbestätigte Vorwürfe können einen Spieler in Verruf bringen. So verlängerten jüngst die Philadelphia Eagles den Vertrag mit DeSean Jackson nicht. Einer der Gründe soll gewesen sein, dass es Gerüchte über Gang-Verbindungen des Wide Receivers gab.

Auch die NFL, ein milliardenschweres Unternehmen, ist darauf bedacht, gar nicht erst den Eindruck entstehen zu lassen, die Liga sei ein Sammelbecken für sportliche Kriminelle. Spätestens seitdem Aaron Hernandez von den New England Patriots wegen Mordes angeklagt wurde, reagiert die Öffentlichkeit sehr empfindlich, wenn NFL-Stars Gegenstand polizeilicher Ermittlungen werden. So suspendierte die Liga auch schon Spieler, die niemals angeklagt wurden.

Kaepernick selbst hat sich zu den Ermittlungen bislang nicht geäußert.

ulz/Reuters



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