Michelle Obamas Abendkleid Fleischfarben? Nude? FFF8C6!

Michelle Obamas Styling füllt regelmäßig die Moderubriken. Eine Robe der First Lady hat nun eine Diskussion über die politisch korrekte Benennung von Farben ausgelöst. Welche Haut ist mit "nude" oder "fleischfarben" eigentlich gemeint?

AP

Hamburg - Wenn es nach der Mehrheit der Männer ginge, würde es diese Diskussion vermutlich gar nicht geben. Brombeer, Pflaume, Flieder. Warum muss es so viele Namen für Farben geben, die sich doch kaum unterscheiden? Das ist lila, vielleicht auch mal pink - gut ist. Das meinen zumindest die Herren.

In der Damen- und Modewelt hingegen kann die Farbpalette gar nicht groß genug sein. Und so dominiert seit einiger Zeit ein neuer Ton die roten Teppiche: nude.

Ein Kleid, das dieser Farbklasse zuzurechnen ist und am Körper von Michelle Obama bei einem Staatsbankett zu bewundern war, hat nun eine Diskussion über die politische Korrektheit dieser Nuance losgetreten.

Medien in aller Welt diskutieren zurzeit über die Robe, die die First Lady anlässlich des Besuchs des indischen Ministerpräsidenten Singh im November im Weißen Haus trug. Der Designer Naem Khan beschrieb das schulterfreie Kleid als "nude", mit Sterling-Silber-Pailletten und abstrakten Blumen. So weit, so stylish.

Der eigentliche Anstoß der Diskussion ist ein Bericht der Nachrichtenagentur Associated Press, die das Kleid mit "flesh", also fleischfarben umschrieb. "Wessen Fleisch? Nicht ihres (Michelle Obamas)", ereiferte sich der Herausgeber einer Zeitung. Die Nachrichtenagentur änderte die Farbe daraufhin in "champagner".

Tatsächlich könne die Political-Correctness-Fraktion zu Recht anmerken, dass Bezeichnungen wie nude, fleischfarben und hautfarben diskriminierend seien, schreibt die "Daily Mail" am Freitag - verbergen sich doch hinter all diesen Namen Nuancen von "blassen, gelblich-rosafarbenen Tönen", die "kaukasischer Haut" ähneln. Auch wenn es inzwischen Models wie Tyra Banks und Naomi Campbell gebe, bedeute dies noch lange nicht, dass die Branche farbenblind sei, so das Blatt: "Wie viele Supermodels sind chinesischer oder indischer Abstammung?"

Die "Hindustan Times" befragte gar indische Modeschöpfer zu der heiklen Farbfrage. "Der auf Europa fokussierte Wortschatz muss dringend überarbeitet werden", sagte Designerin Ritu Kumar. "Nude ist ein blasses Pink - nach europäischen Standards." Nähme man indisch-asiatische Haut als Maßstab, wäre nude eher blassbraun.

Dem widerspricht Designer Vijay Arora: "Nude umfasst eine ganze Farbpalette mit verschiedenen Nuancen von weiß, pink, gelb, beige, elfenbeinfarben und braun. Also warum verlieren wir uns in dieser Terminologie-Debatte?"

Die "Daily Mail" hat einen ganz patenten Vorschlag zur Hand: Man könnte sich bei Modebeschreibungen des Hexadezimalsystems bedienen. Diese Farbdefinition in sechsstelliger Form findet in vielen Bereichen des computergestützten Designs Anwendung. Das Kleid der First Lady wäre demnach eine "bodenlange Robe in Ton FFF8C6".

siu



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