Milliardengeschenk der L'Oreal-Erbin Weil er es ihr wert ist

Liliane Bettencourt ist die Erbin des L'Oreal-Imperiums, eine schier unermesslich reiche Frau. Jetzt sieht sich die 86-Jährige in einen Familienstreit verstrickt: Sie bedachte einen Günstling mit einer Milliarde Euro - ihre Tochter zweifelt an ihrem Geisteszustand und hat Anwälte eingeschaltet.


Paris - Sie ist unvorstellbar reich, residiert angemessen nobel - und lebt gern diskret. Doch ausgerechnet die Familie Bettencourt, eine der wohlhabendsten Frankreichs, ist nun in einen sehr plebejischen, öffentlich gewordenen Streit verstrickt. Es geht um Geld. Und um die Frage, ob die Matriarchin des Clans, die 86-jährige Liliane Bettencourt, noch Herrin ihrer Sinne ist.

Liliane Bettencourt ist die Erbin des L'Oreal-Kosmetikimperiums, das Anfang des 20. Jahrhunderts von ihrem Vater Eugène Schueller gegründet worden war. Er stand später im Verdacht, während der deutschen Besetzung Frankreichs mit den Nazis und dem Vichy-Regime kollaboriert zu haben.

Im Jahr 2007 betrug der Umsatz des Unternehmens L'Oreal - Werbeslogan "Weil ich es mir wert bin" - 17,1 Milliarden Euro, weltweit sind 63.000 Mitarbeiter beschäftigt. Liliane Bettencourt sitzt im Verwaltungsrat und hält 27,5 Prozent der Aktien, ihr Privatvermögen schätzt das "Forbes"-Magazin auf 23 Milliarden Euro - nur 16 andere Menschen auf der Welt sind noch reicher als sie.

Die alte Dame gilt als freigiebig, als Philanthropin: Sie gründete die Bettencourt-Schueller-Stiftung, die in den Häuserbau für Obdachlose investiert, in medizinische Forschung und den Kampf gegen das Analphabetentum.

In den Genuss dieser Großzügigkeit kommt nun offenbar auch der französische Fotograf, Autor und Jetsetter François-Marie Banier, 61, den Bettencourt schon zu Lebzeiten ihres 2007 verstorbenen Ehemannes André großzügig beschenkt haben soll.

Der illustre Künstler Banier, der zu seinen Freunden Prominente wie Johnny Depp und Blaublüter wie Prinzessin Caroline zählen soll, sei, so berichtet der britische "Independent", eine Art "Adoptivsohn" Bettencourts. Eine Milliarde Euro, angelegt in Lebensversicherungen, soll die greise Grande Dame ihrem engen Freund übereignet haben.

Anfällig dafür, "ausgenutzt" zu werden

Sehr zum Missfallen von Bettencourts einziger Tochter, Françoise Bettencourt Meyers: Die 55-Jährige - auch sie sitzt im Verwaltungsrat von L'Oreal - hat in der Sache offenbar ihre Anwälte eingeschaltet.

Ihre Mutter, so Bettencourt Meyers, sei aufgrund ihres Alters und schwindender Geisteskräfte besonders anfällig dafür, "ausgenutzt" zu werden. Vor einem Jahr bereits soll eine Untersuchung der Schenkungen an Banier eingeleitet worden sein. Die Gemälde, welche die Kunstsammlerin Liliane Bettencourt ihrem Günstling überließ, darunter Werke Pablo Picassos, sind laut "Independent" jedoch nicht Gegenstand des Rechtsstreits.

Françoise Bettencourt Meyers gehe es nicht um das Geld, zitiert das französische "Journal du Dimanche" eine Quelle: "Sie befürchtet vielmehr, dass ihrer Mutter die Kontrolle über ihr Vermögen entgleitet."

Wie der britische "Telegraph" berichtet, soll die Milliardärin auf Betreiben ihrer Tochter mittlerweile von der französischen Polizei in der Angelegenheit befragt worden sein. Die Beamten sprachen in der Villa der Familie im Pariser Nobelvorort Neuilly-sur-Seine vor - und sollen von Bettencourt sehr bestimmt in die Schranken gewiesen worden sein. Sie könne ihr Geld verwenden, wie sie es für richtig halte. Eine medizinische Untersuchung lehnte sie ab.

"Vermögend zu sein, ist auch eine Chance"

Fotograf Banier soll, befragt nach dem massiven Umfang der Schenkung, eher pragmatisch geantwortet haben, Madame Bettencourt sei eben seine "Sponsorin".

Die Situation zwischen Mutter und Tochter Bettencourt ist verfahren, laut "Independent" sprechen sie seit Jahren nicht mehr miteinander. Nun muss die für Neuilly zuständige Staatsanwaltschaft von Nanterre entscheiden, ob ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird.

François Guguel, Anwalt von Liliane Bettencourt, teilte dem "Journal du Dimanche" mit, seine Mandantin wünsche die Angelegenheit nicht zu kommentieren. Sie sei auf Reisen, in den USA. Zudem sei die Summe von einer Milliarde Euro übertrieben, es habe sich bei den Lebensversicherungspolicen um Schenkungen gehandelt, die über Jahre verteilt vorgenommen worden seien.

Ob sich der Milliardärin die Neigung zur Großzügigkeit austreiben lässt, scheint mehr als fraglich. "Vermögend zu sein, ist auch eine Chance", sagte Liliane Bettencourt vergangenen Monat dem "Figaro" in einem ihrer selten gewährten Interviews: "Wenn man im Leben viel bekommen hat, muss man auch gerne abgeben - einfach geben, ohne Hintergedanken, ohne Berechnung, ohne an Gewinn zu denken."

pad



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