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Miss.Tic, 66

aus DER SPIEGEL 22/2022
Foto: Bertrand Guay / AFP / dpa

Mit ihrem Ebenbild schuf die als Radhia Novat in Paris geborene Künstlerin ihre eigene Legende. Mitte der Achtzigerjahre tauchten Werke von ihr an Fassaden im Pariser Viertel Montmartre auf und machten die Künstlerin zu einer Pionierin der Straßenkunst. Sie arbeitete mit Schab­lo­nen, wie sie auch der Künstler Banksy bei seiner Arbeit nutzt. Die mit schwarzer oder roter Farbe gesprühten Bilder zeigen oft Frauenfiguren, die Miss.Tic ähneln. Deren sexy Posen verfremdete sie mit Textzeilen wie »C’est la vie, ça va passer!« – das ist das Leben, das geht vorbei. Schon als junge Frau spielte sie Straßentheater, 1981 ging sie für zwei Jahre nach Kalifornien und schloss sich der Hip-Hop- und Sprayerszene an. Durch das Straßentheater sei Kunst im öffentlichen Raum für sie ein logischer Schritt gewesen, sagte sie in einem Interview. Zuerst habe sie Gedichte sprühen wollen, »dann dachte ich: Wir brauchen Bilder. Ich begann mit Selbstporträts und wandte mich dann anderen Frauen zu«. Eine Zeit lang arbeitete sie auch für Modemarken wie Kenzo und Louis Vuitton. 1997 wurde sie wegen Sachbeschädigung öffentlichen Eigentums festgenommen, ihrer Karriere in Museen und Galerien tat das keinen Abbruch. Miss.Tic starb am 22. Mai in Paris.

cpa
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