Missbrauchsvorwürfe Esoterik-Musiker Shanti ausgeliefert

Er soll Kinder missbraucht haben und wurde per Haftbefehl international gesucht: Jetzt ist der Esoterik-Musiker Oliver Shanti von Portugal nach Deutschland ausgeliefert worden. In der JVA wurde der 59-Jährige zunächst in die Klinik eingeliefert.


München - Es ist das vorläufige Ende einer fast sechsjährigen Fahndung: Der mutmaßliche Sexualstraftäter Ulrich S. alias Oliver Shanti war Ende Juni in Lissabon festgenommen worden, als er in der deutschen Botschaft in Lissabon einen Reisepass beantragte. Seit 2002 wurde er wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Kindern per Haftbefehl international gesucht.

Am vergangenen Freitag ist der 59-Jährige aus Portugal nach Deutschland ausgeliefert worden, teilte jetzt die Polizei mit. Die Lissabonner Polizei habe den Musiker Münchner Fahndern übergeben.

Nach der Landung am Münchner Flughafen sei Shanti sofort in die Justizvollzugsanstalt Stadelheim gebracht worden, wo ihm noch am Freitagabend durch eine Ermittlungsrichterin der Haftbefehl eröffnet worden sei. Anschließend sei der offenbar an Krebs erkrankte Mann in die Krankenabteilung der JVA gebracht worden.

Bei der Auslieferung sei auch ein Münchner Notarzt dabei gewesen. Es werde geprüft, ob für Shanti ein psychologisches Gutachten erstellt werden müsse. Auch deshalb sei Shanti, der mit bürgerlichem Namen Ulrich S. heißt, in die Krankenabteilung gebracht worden.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm "weit mehr als 300 Taten" an insgesamt sechs geschädigten Kindern vor. Bei den Opfern handelt es sich den Angaben zufolge um ein portugiesisches Mädchen sowie um ein Mädchen und vier Jungen aus Deutschland, die zum Tatzeitpunkt etwa zwischen zehn und 14 Jahre alt waren.

S. soll einige der Kinder über Jahre hinweg sexuell missbraucht haben, einzelne Opfer zwischen drei und sieben Mal in der Woche. Die meisten Taten sind laut den Ermittlern größtenteils in Portugal verübt worden, wo der Sektenführer zusammen mit einem Dutzend Anhängern auf einem Landgut bei Vila Nova de Cerveira gelebt haben soll. Er selbst machte bisher keine Angaben zu den Vorwürfen.

S. alias Shanti und seine Anhänger produzieren unter dem CD-Label "Sattva Music" mit großem Erfolg Meditations- und Entspannungsmusik. Die Kommune hatte bis Mitte der achtziger Jahre in Viechtach im Bayerischen Wald und in München gelebt und war dann nach Portugal umgezogen.

Der Fall kam Anfang 2002 durch die Anzeige einer Mutter aus Berlin ins Rollen. Sie hatte ihren krebskranken Sohn zwecks Luftveränderung in die Landkommune geschickt.

jjc/ddp/AP



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