Jimmy Savile Missbrauchsskandal um legendären BBC-Star

Was für ein Star - bunt, schillernd, aber ein Mensch mit gutem Herzen. So dachte man in Großbritannien über Jimmy Savile, Moderator der Kultshow "Top of the Pops". Jetzt, ein Jahr nach seinem Tod, gibt es den Verdacht, dass der Mann mehr als 20 junge Mädchen missbraucht haben könnte.

Getty Images

London - Sir Jimmy Savile starb im Oktober 2011 im Alter von 84 Jahren. Schon zu Lebzeiten musste er sich mit Gerüchten auseinandersetzen, er sei Minderjährigen zu nah gekommen. Savile war im Großbritannien der sechziger und siebziger Jahre eine Berühmtheit: Seine Karriere begann als DJ, schließlich moderierte er jahrelang die Musiksendung "Top of the Pops" und das Format "Jim'll fix it", bei dem er wöchentlich Kinderwünsche wahr werden ließ. Er engagierte sich zudem ehrenamtlich, vor allem in Krankenhäusern. 1990 wurde er von der Queen zum Ritter geschlagen.

Seine Versuche, den Verdacht gegen sich zu zerstreuen, gerieten mitunter bizarr: Er behauptete zum Beispiel, der Schlüssel zum Erfolg seiner Sendung "Jim'll fix it" liege darin, dass er Kinder tatsächlich nicht leiden könne. Später lehnte er es ab, einen Computer in der Wohnung zu haben. Niemand solle denken, er würde Kinderpornos aus dem Internet herunterladen. Wenn Kinder nach einem Autogramm fragten, soll er die Tür nicht geöffnet, sondern die signierten Fotos und Karten durch den Briefschlitz zurückgegeben haben, heißt es in einem Nachrufdes "Telegraph".

Doch dann wurde Anfang Oktober eine TV-Dokumentation ausgestrahlt, in der mehrere Frauen behaupteten, sie seien als junge Mädchen in den sechziger und siebziger Jahren von dem TV-Star missbraucht worden - auf dem Höhepunkt seiner Popularität. Nach der Ausstrahlung der Doku meldeten sich weitere angeblich Betroffene bei der Polizei.

Inzwischen wird Savile verdächtigt, bis zu 25 Mädchen missbraucht zu haben. Die Anschuldigungen gehen zurück bis ins Jahr 1959. Laut Polizei waren die mutmaßlichen Betroffenen zur Tatzeit zwischen 13 und 16 Jahre alt. "Nach den Aussagen der Frauen ist es im derzeitigen Ermittlungsstand ziemlich klar, dass Savile ein rücksichtsloser Sexualtäter war", sagte Chefermittler Peter Spindler der BBC.

Einige der Übergriffe sollen auf dem Gelände der BBC geschehen sein. Der Sender entschuldigte sich bei den mutmaßlichen Opfern. Man kooperiere mit der Polizei, teilte die BBC mit. Es solle zudem eine eigene interne Untersuchung geben.

Das Erbe des legendären TV-Moderators ist ruiniert. Saviles Stiftung erwägt, ihren Namen zu ändern. Und Premier David Cameron denkt laut darüber nach, dass dem Verstorbenen seine Ritterehre postum aberkannt werden könnte.

Saviles Grabstein war erst im vergangenen Monat auf dem Friedhof in Scarborough aufgestellt worden. Wie die BBC und der "Telegraph" berichten, hat seine Familie den pompösen Grabstein nun entfernen lassen. Aus "Respekt vor der öffentlichen Meinung". Man wolle die Würde und Heiligkeit des Friedhofs sichern, teilte die Familie laut einem Bestattungsunternehmer mit.

Auf dem Grabstein waren das Gesicht und einige Lebensleistungen Saviles eingraviert. Der Stein ist auf den Hof eines Steinmetzen in Leeds geschafft worden. Dort wird er zerlegt, die Inschrift unkenntlich gemacht. Die Reste kommen auf eine Müllkippe.

hut

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