Model Leomie Anderson "Ich will mich genauso wohlfühlen wie ein weißes Model"

Seit Langem diskutiert die Modewelt über mangelnde Vielfalt, nun facht Leomie Anderson die Debatte wieder an: Für dunkelhäutige Models wie sie gebe es kaum entsprechend ausgebildete Stylisten, klagt sie.

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Weibliche Models sind groß, extrem schlank - und hellhäutig: Was wie ein plumpes Klischee klingt, ist in weiten Teilen der Modewelt nach wie vor Realität. Das US-Model Leomie Anderson engagiert sich schon seit einer Weile dafür, dass sich daran etwas ändert. Denn dunkelhäutige Frauen wie sie seien klar im Nachteil, sagte sie nun dem US-Sender CNN: Kaum jemand könne sie fachgerecht schminken.

Nun legte sie nach, da selbst ihre Kritik an diesen Zuständen missverstanden worden sei. "Wenn schwarze Models so etwas aussprechen, habe ich das Gefühl, dass die Leute zuerst sagen: 'Oh, die ist aber anspruchsvoll, sie ist 'ne Diva!' Dabei hat das nichts damit zu tun, dass ich 'ne Diva wäre", sagte Anderson, "ich will mich nur genauso wohlfühlen wie ein weißes Model, wenn ich auf den Laufsteg gehe."

Im Februar hatte Anderson sich bereits öffentlich über einen Make-up-Künstler beschwert, der schlecht ausgerüstet und mit ihrem Hautton offenkundig überfordert war. "Warum sind schwarze Make-up-Künstler mit weißen Blondinen beschäftigt", fragte sie auf Twitter und forderte mehr auf alle Hauttypen spezialisierte Stylisten.

Unterstützung bekam Anderson von Naomi Campbell, die schon vor Jahren mit Schokoriegel-Vergleichen verunglimpft wurde: "Als ich jünger war, kam ich mit demselben Thema in Berührung", sagte die Modeikone kürzlich der "Teen Vogue". "Ich war backstage bei Shows und dort waren Stylisten, die keinerlei Erfahrung mit schwarzen Models hatten."

Die Debatte erinnert an eine Kontroverse über dunkelhäutige Schauspieler in den USA: Kritiker monieren, dass weiße Schauspieler Rollen übernehmen, die eigentlich mit Afroamerikanern, Asiaten oder amerikanischen Ureinwohnern besetzt werden müssten - um die Filme mainstreamfähiger zu machen. Dieses sogenannte Whitewashing führt dazu, dass es kaum starke Rollen für nicht weiße Schauspieler gibt, was wiederum zu einer überschaubaren Diversität in der Filmszene führt.

Zuletzt stand die Schauspielerin Zoe Saldana im Mittelpunkt dieses Streits. Die Schauspielerin, bekannt durch "Avatar" und "Guardians of the Galaxy", porträtiert in einem neuen Film die US-Sängerin Nina Simone - und Kritiker bemängeln, Saldana sei für diese Rolle nicht dunkelhäutig genug. Die Nachlassverwalter der 2003 gestorbenen Sängerin keilten im März in Richtung Saldana: "Nimm bitte Ninas Namen nicht in den Mund."

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Nina-Simone-Film: Streit um Zoe

mxw

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