Monica Lewinsky über Bill Clinton "Natürlich hat mein Boss mich ausgenutzt"

Monica Lewinsky, die wohl berühmteste Praktikantin, die das Weiße Haus je hatte, meldet sich zu Wort: Knapp 20 Jahre nach ihrer Affäre mit Präsident Bill Clinton verbreitet sie ihre Version des Skandals, der ein politisches Erdbeben auslöste.

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Washington - "Es ist Zeit, die Baskenmütze zu verbrennen und das blaue Kleid zu begraben": Nach jahrelangem Schweigen hat sich Monica Lewinsky entschlossen, mit ihrer Vergangenheit abzurechnen und die belastenden Relikte ihrer Beziehung zum ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton hinter sich zu lassen.

Das Barett trug Lewinsky auf einem Foto, das sie bei einer Umarmung mit Clinton zeigt. Auf dem blauen Kleid sollen sich Spermaspuren befunden haben - es wurde zu einem der wichtigsten Beweismittel im Amtsenthebungsverfahren gegen den Demokraten.

"Ich bedaure zutiefst, was zwischen mir und Präsident Clinton passiert ist", erklärt Lewinsky in einem Artikel für das Magazin "Vanity Fair", der in Auszügen veröffentlicht wurde. "Ich. Bedaure. Zutiefst. Was. Passiert ist", wiederholt sie nachdrücklich.

"Natürlich hat mein Boss mich ausgenutzt", schreibt sie über das 1995 begonnene Verhältnis. "Aber ich werde auf diesem Punkt beharren: Es war eine Beziehung im gegenseitigen Einverständnis." Der eigentliche "Missbrauch" habe sich nach Auffliegen der Liebesaffäre ereignet. Sie sei zum "Sündenbock" gemacht worden, um die Machtposition von Clinton zu schützen.

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Monica Lewinsky über Clinton: "Ich. Bedaure. Zutiefst. Was. Passiert ist"
Die außereheliche Affäre mit Lewinsky brachte den Präsidenten fast zu Fall. Das Repräsentantenhaus leitete im Dezember 1998 ein Amtsenthebungsverfahren wegen Verdachts des Meineids und der Behinderung der Justiz ein.

10-Millionen-Dollar-Angebote abgelehnt

In dem Artikel "Scham und Überleben", der am Donnerstag erscheint, spricht die mittlerweile 40-jährige Lewinsky erstmals über ihre fatale Affäre mit dem US-Präsidenten.

Nach dem Skandal Ende der neunziger Jahre habe sie "Angebote" abgelehnt, die ihr "mehr als zehn Millionen Dollar" eingebracht hätten, weil "es sich nicht so anfühlte, als sei es das Richtige". Stattdessen habe sich die studierte Psychologin um Jobs im Bereich Kommunikation und Marketing bemüht, sei wegen ihrer "Vorgeschichte" von Arbeitgebern aber abgelehnt worden.

Später versuchte sich die Ex-Praktikantin an einem eigenen Handtaschen-Label. Wegen des Spotts, dem sie sich weltweit ausgesetzt sah, habe sie zeitweise Selbstmordgedanken gehegt, bekannte Lewinsky. Noch heute werde sie auf der Straße erkannt, immer wieder griffen die Medien ihre Geschichte auf.

"Narzisstische, bekloppte Witzfigur"

Bill Clinton selbst hatte vehement geleugnet, ein sexuelles Verhältnis mit der Praktikantin gehabt zu haben. Erst später gestand er, dass es zu Oralsex gekommen sei. Die Vorwürfe standen auch im Zusammenhang mit dem Skandal um die Staatsangestellte Paula Jones, die Clinton wegen sexueller Belästigung verklagt hatte. Der Senat sprach den Präsidenten aber frei, weil bei der Abstimmung im Februar 1999 nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit zustande kam.

Lewinsky deutet an, dass sie die Affäre auch mit Blick auf die Ambitionen von Clintons Ehefrau Hillary auf das Präsidentenamt endlich aus der Welt schaffen wolle. Es sei an der Zeit, damit aufzuhören, "auf Zehenspitzen um meine Vergangenheit und um die Zukunft von anderen Leuten zu schleichen". Hillary Clinton gilt als Favoritin für die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten im Jahr 2016. Noch erklärte sich die frühere Außenministerin und First Lady aber nicht offiziell, ob sie nach ihrer Niederlage im Vorwahlkampf 2008 noch einmal antreten wolle.

Im Februar hatten Dokumente aus dem Nachlass einer engen Freundin von Clinton nahegelegt, dass Clinton die Ex-Praktikantin in den neunziger Jahren als "narzisstische, bekloppte Witzfigur" bezeichnet hatte. "Wenn das das Schlimmste ist, was sie über mich sagt, hab ich Glück", sei ihr erster Gedanke gewesen, als sie davon hörte, so Lewinsky. Zudem habe Frau Clinton ihrer Bekannten Diane Blair anvertraut, dass sie sich selbst teilweise die Schuld an der Affäre gab, weil sie ihren Gatten emotional vernachlässigt habe.

Lewinsky wies Spekulationen zurück, dass im Gegenzug für ihr Schweigen in den vergangenen Jahren von den Clintons Geld erhalten habe. "Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein", betonte sie.

ala/AFP



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