Mord an Fonds-Manager Sohn soll Vater nach Streit über Taschengeld getötet haben

In New York steht ein 30-Jähriger unter Verdacht, seinen Vater erschossen zu haben. Laut Polizei stritten sie sich übers Taschengeld: Offenbar wollte der 70-Jährige, ein wohlhabender Investor, die monatlichen Raten für seinen Sohn kürzen.

Polizeifoto von Thomas Gilbert Junior: Er soll dem toten Vater die Pistole auf die Brust gelegt haben
AP

Polizeifoto von Thomas Gilbert Junior: Er soll dem toten Vater die Pistole auf die Brust gelegt haben


New York - Thomas Gilbert Junior bat seine Mutter, ihm etwas zu essen zu machen, so schildert es die New Yorker Polizei. Shelley Gilbert verließ den Raum. Dann habe sie ein schlechtes Gefühl beschlichen, sie ging zurück. Und sah ihren Mann auf dem Boden liegen, eine Schusswunde am Kopf. Auf der Brust lag eine Pistole, bedeckt von seiner linken Hand. Ob sie einen Schuss gehört hatte, ist bisher nicht bekannt.

Was genau in diesen 15 Minuten am Sonntagnachmittag geschah, in denen Thomas Gilbert Junior, 30, und Thomas Gilbert Senior, 70, allein in dem Zimmer waren, klären nun Polizei und Staatsanwaltschaft. In einem sind sich die Ermittler allerdings sicher: Der Sohn hat den Vater erschossen. Er habe die Pistole demnach auf den toten Vater gelegt, es sollte wie ein Suizid aussehen.

Passte dem Vater das Leben des Sohnes nicht?

Gilbert Senior war 70 Jahre alt. Er hatte an der Eliteuniversität Princeton und der Harvard Business School Wirtschaft studiert, 40 Jahre an der Wall Street investiert und gutes Geld verdient. 2011 gründete er den Fonds Wainscott Capital Partners, der vor allem in die Biotech- und Gesundheitsindustrie investiert. Wer Teilhaber werden will, muss sich mit mindestens 500.000 Dollar beteiligen.

Der Fondsgründer wohnte mit seiner Frau im achten Stock eines unauffälligen Klinkerbaus in Manhattan, Baujahr 1957, ein paar Blocks nördlich des Hauptsitzes der Vereinten Nationen. Er besaß auch ein Anwesen mit geräumigem Haus und Pool in den Hamptons auf Long Island. Verschiedene Freunde von Gilbert Junior erzählten US-Medien, dass er viel Zeit dort verbracht habe, surfte, Sport trieb. Und einige sagen: Der Vater habe den Sohn häufig kritisiert und kontrolliert.

Gilbert Junior studierte auf derselben Uni wie sein Vater: Princeton. Bis 2009. Die Polizei konnte keine Angaben dazu machen, was er seither beruflich machte. Sein Privatleben dokumentierte Gilbert Junior zum Teil selbst: Er ließ sich auf New Yorker Society-Partys mit Schönheiten im Arm ablichten. Ein anderes Foto - ohne Schönheit - machte im September 2014 die Polizei auf Long Island von ihm. Nach Polizeiangaben soll er gegen ein gerichtliches Kontaktverbot verstoßen und sich einem Mann gegenübergestellt haben, den er hätte meiden müssen. Weitere Details wurden nicht bekanntgegeben.

Führte eine Taschengeldkürzung zur Eskalation?

Laut "Financial Times" und "Bloomberg" trat er allerdings auch in die Fußstapfen seines Vaters und legte im vergangenen Mai einen eigenen Fonds auf: Mameluke Capital Fund. Unklar ist jedoch, ob mit dem Fonds jemals investiert wurde.

Nun fand die Polizei nach dem Tod von Gilbert Senior in der Wohnung des Sohnes Munition und eine Box, die zur Tatwaffe passten.

Was führte zu der Tat? Die Polizei teilte mit, es sei zwischen Vater und Sohn zu einem Streit über die finanzielle Unterstützung gekommen. Nach Berichten von New Yorker Lokalmedien habe Gilbert Senior zwar 2400 Dollar Miete für das Appartement des Sohnes im Westen Manhattans bezahlt, soll aber damit gedroht haben, das Taschengeld zu kürzen. Die Rede ist von 400 Dollar im Monat, 200 weniger als bisher.

Thomas Gilbert Junior wurde am Sonntag um 22.30 Uhr festgenommen, rund sechs Stunden nach dem mutmaßlichen Mord an seinem Vater. Seine Anwälte haben sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert.

kbl



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