Moses Farrow über Woody Allen "Meine Mutter hat mir eingetrichtert, ihn zu hassen"

Nach den von Dylan Farrow geäußerten Missbrauchsvorwürfen gegen Woody Allen zeigt sich, wie tief die Zerwürfnisse innerhalb der Familie sind. In einem US-Magazin erheben Dylan und ihr Bruder Moses Farrow erbitterte Vorwürfe gegen ihre Eltern.

Getty Images

New York - Im Zusammenhang mit den Missbrauchsvorwürfen gegen Woody Allen hat sich ein weiteres Familienmitglied geäußert: Moses Farrow, gemeinsamer Adoptivsohn von Allen und dessen Ex-Partnerin Mia Farrow. In einer US-Zeitschrift verteidigt der 36-Jährige seinen Vater gegen die von Dylan Farrow erhobenen Vorwürfe. Die 28-Jährige hatte in einem offenen Brief in der "New York Times" geschildert, wie Allen sie angeblich als Siebenjährige auf einem Dachboden sexuell belästigt haben soll.

"Meine Mutter hat mir eingetrichtert, meinen Vater dafür zu hassen, dass er unsere Familie auseinandergerissen und meine Schwester sexuell belästigt hat", sagte Moses Farrow jetzt in einem Interview mit dem "People"-Magazin. "Und ich habe ihn jahrelang für sie gehasst." Er habe nun erkannt, dass dies ein Weg war, es seinem Vater heimzuzahlen. "Dafür, dass er sich in Soon-Yi verliebte."

Moses wurde wie seine Schwester Dylan von dem Starregisseur und der Schauspielerin adoptiert. 1992 trennte sich das Paar, weil Allen ein Verhältnis mit Farrows Adoptivtochter Soon-Yi begonnen hatte. Es kam zum Sorgerechtsprozess, den Mia Farrow gewann. Bereits damals erhob sie Vorwürfe, Allen habe Dylan belästigt. Der 78-Jährige hat dies stets bestritten. 1997 heiratete er Soon-Yi.

"Natürlich hat Woody meine Schwester nie belästigt", sagte Moses Farrow dem Magazin. Demzufolge habe er keinen Kontakt mehr zu ihr oder seiner Mutter, er stehe Allen und seiner Frau nahe. "Dylan hat sich nie vor ihm versteckt, bis unsere Mutter erfolgreich eine Atmosphäre voller Angst und Hass gegen ihn geschaffen hatte."

"Verrat an mir und meiner ganzen Familie"

Zudem seien an dem betroffenen Tag etwa sieben Menschen in dem Haus gewesen. "Und keiner von uns, weder mein Vater noch meine Schwester", waren in irgendwelchen Privaträumen." Er wisse nicht, ob seine Schwester wirklich an den Vorfall glaube oder ob sie nur ihrer Mutter gefallen wolle. Dies könne durchaus die Motivation sein. "Nicht auf der Seite meiner Mutter zu stehen, war furchtbar." Moses Farrow erhebt selbst Vorwürfe. Er sei als Kind von Mia Farrow geschlagen worden, sie habe ihn deutlich spüren lassen, dass er adoptiert sei.

Mit seinen Äußerungen folgt Moses Farrow teilweise der Linie von Allens Anwälten. Diese hatten stets die Version einer rachsüchtigen Ex-Geliebten verbreitet.

"People" sprach ebenfalls mit Dylan Farrow, die an ihrer Geschichte festhält. "Das ist ein Verrat an mir und meiner ganzen Familie", kommentierte sie die Aussagen ihres Bruders. "Meine Mutter hat niemals falsche Erinnerungen in meinen Kopf gepflanzt", sagte sie der Zeitschrift. Ihre Erinnerungen seien wahr, mit ihnen müsse sie bis ans Ende ihres Lebens leben. Die Schilderungen ihres Bruders könne sie so nicht bestätigen. Mia Farrow wollte sich dem Magazin zufolge nicht äußern.

gam



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