Mr. T wird 65 Happy Birthday, Superheld!

Er war Clubber Lang in "Rocky III" und der Muskelberg aus "Das A-Team". Mr. T wird 65. Benjamin Maack sendet dem Helden seiner Kindheit Geburtstagsgrüße - und merkt, dass er noch heute sein Held ist.

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Lieber Mr. T,

du wirst heute 65 Jahre alt. Die meisten kennen dich als Clubber Lang in "Rocky III" oder B. A. Baracus, den einsilbigen Muskelberg mit Flugangst aus "Das A-Team". Ich kenne dich als wahren Helden.

Wenn ich heute an dich denke, sehe ich den Schnappschuss mit Nancy Reagan vor mir. Die First Lady sitzt auf deinem Schoß, im Hintergrund ein Weihnachtsbaum. Ihr habt euch gemeinsam dafür eingesetzt, dass Kinder Nein zu Drogen sagen. Das Foto ist toll - auch weil es ein bisschen uncool ist. Obenrum zeigt es eine wunderbare Innigkeit, untenrum hält jeder von euch ein bisschen verschämt einen Karton mit einer Mr.-T-Actionpuppe.

Das ist es, was ich an dir schon als Kind am meisten mochte. Dass du nicht cool warst. Auf den ersten Blick war da dieser Respekt einflößende Muskelberg mit der tiefen Stimme und den markigen Gesten. Und dann forderte diese tiefe Stimme plötzlich diese herrlich uncoolen Sachen: Nehmt keine Drogen. Seid nicht gemein zu einem Kind, nur weil es eine Brille trägt. Esst gesunde Sachen. So was.

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Mr. T: Schauspieler, Wrestler, Superheld

Heute weiß ich: Wenn es um Stil oder Haltung ging, hast du dich immer für das Wichtige entschieden. Das macht dich zu einem der Superhelden. Es ist eine kleine Welt, die du retten willst, könnte man meinen. Es ging dir nie um die großen Themen: Waldsterben, Geschlechtergleichheit, Folter. Aber zu sagen "Seid freundlich zueinander" scheint nur klein. Denn ein respektvoller Umgang ist das Fundament von allem anderen.

Klingt wie ein Klischee, war aber so

Dein richtiger Name lautet Laurence Tureaud, aber erst als Mr. T wurdest du zum Helden. Ich mag das T. Der Buchstabe hat eine Gestalt wie etwas, das einem Schutz bietet. Ein Dach, unter dem man bei Regen Unterschlupf findet, oder ein breiter Rücken, der sich für die Gerechtigkeit einsetzt. Du hattest einen besseren Grund, dir diesen Namen zu geben:

"Mein Vater wurde 'Boy' genannt, mein Onkel wurde 'Boy' genannt, mein Bruder wurde 'Boy' genannt, als er aus Vietnam heimkehrte. Ich fragte mich: 'Was muss ein schwarzer Mann tun, damit er den Respekt bekommt, den ein Mann verdient?'"

Also nanntest du dich, als du 18 wurdest, Mr. T. "So ist 'Mr.' das erste Wort aus jedermanns Mund. Das ist eine Respektsbezeugung, die mein Vater nicht bekommen hat."

Du bist ein Kämpfer, Mr. T. Du hast dich aus einem Armenviertel in Chicago als zweitjüngstes von zwölf Kindern nach oben gekämpft. Klingt wie ein Klischee, war aber so. Wenige haben die Kraft und die Ausdauer, so zu kämpfen wie du. Und noch weniger Menschen haben den Mut, es nicht nur für sich zu tun. Du hast immer schon für andere gekämpft, hast immer schon versucht, nicht um der Popularität willen populär zu sein, sondern für die Sache.

Deine größte Superkraft

Ich glaube, das liegt daran, dass du dein Leben nie als eine Aneinanderreihung von Zufällen betrachtet hast, sondern als eine Erzählung, die eine Rolle spielt - und an der du mitschreiben kannst. Jeder von uns braucht Geschichten, damit unsere Erlebnisse und Entscheidungen am Ende des Tages mehr sind als isolierte Zeilen in einem Lebenslauf. Und vielleicht ist das deine größte Superkraft: die Fähigkeit, dein Leben in Geschichten zu gießen.

Du hast dich für die Geschichte eines Kämpfers für das Gute entschieden. Und es ist dir gelungen, sie mit Wahrhaftigkeit zu füllen. Und mit Poesie, die über dich und dein Leben hinausweist.

Allein die Goldketten.

Ich glaube dir

Es fing an, als du als Türsteher gearbeitet hast. Oft passierte es, dass die Gäste, die sich drinnen geprügelt hatten, während der Schlägerei ihren Schmuck verloren. Du hast dir die Ketten umgehängt, damit jene, die sich ihren Schmuck wieder abholen wollten, nicht noch einmal hineinmussten. Irgendwann wurden die Klunker dein Markenzeichen.

Manchmal, so sagtest du einmal, würdest du die schweren, mehr als 300.000 Dollar teuren Goldketten auch nachts tragen, um dich "zu fühlen wie meine Vorfahren, die Sklaven waren". Das klingt ziemlich albern - aber ich glaube dir. Ich kann mir vorstellen, wie du wachgelegen und dem Gewicht der Ketten nachgespürt hast.

Du hast auch mal als Bodyguard gearbeitet. Erst für Prostituierte, Priester, Lehrer und Ladenbesitzer, später für Diana Ross, Michael Jackson und Muhammad Ali. "Next to god, there is no greater protector than I" - etwa: Außer Gott gibt es keinen größeren Beschützer als mich - stand auf deinen Visitenkarten. Ich glaube dir, dass du auch das in dir gespürt hast.

Du warst nie cool, Mr. T. Es gibt sicher einiges, für das man dich belächeln könnte. Für deine Rolle als B. A. Baracus hast du zwei Goldene Himbeeren bekommen, dein Hip-Hop-Track "Treat Your Mother Right" ist bestenfalls liebenswert. Aber wer sich darauf beschränkt, verpasst das Beste. Denn ich bin mir sicher, du wolltest nie ein guter Schauspieler sein oder ein guter Rapper. Du willst ein guter Mensch sein. Und das ist schwer genug.

Ich finde, es ist dir gelungen. Herzlichen Glückwunsch dazu.

Hochachtungsvoll,

Benjamin Maack



insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
held_der_arbeit! 21.05.2017
1. Schöner Artikel!
Frei nach Batman: Mr. T ist nicht der Superheld den wir verdienen, aber der, den wir brauchen. Denn grade auf die einfachen Dinge kommt es doch an
MoorGraf 21.05.2017
2. Sehr, sehr cool
Schöner Brief, Danke!
touri 21.05.2017
3.
Einer der Helden meiner Kindheit, neben Bud Spencer und einigen anderen. Happy Birthday Mr T! :-)
gottseidank.de 21.05.2017
4. Genial!
Vielen Dank, dass Sie heute an Mr. T gedacht haben. Der entzogene Respekt, die vorenthaltene Anerkennung und Wertschätzung des schwarzen Mannes in den USA, spielen sicher eine in keinster Weise unterschätzbare Rolle, für die Probleme der Afroamerikaner. Schön wenn einer diesen Respekt auf diese angenehme und friedfertige Weise einfordert. Zu Recht, Mr. T!
Cerberus81 21.05.2017
5.
Das "Hochachtungsvoll" ist aber ein Griff ins Klo. So enden normalerweise Schreiben an Leute, die man nicht leiden kann.
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