MTV-Ikone Kristiane Backer und ihre Liebe zum Koran

Ihr Leben war lange Zeit eine einzige Party und mit Religion schien sie wenig am Hut zu haben: Dann konvertierte MTV-Urgestein Kristiane Backer zum Islam. Heute versteht sich die 43-Jährige als europäische Muslima - und schwärmt vom Koran.

Berlin - Sie begann als TV-Moderatorin - und kündigte als Star: Kristiane Backer gehörte zur ersten Generation von MTV-Köpfen. Als ihr Gesicht über den Bildschirm flimmerte, gab es noch keine deutsch- oder spanischsprachigen Sub-MTVs. Mit Anfang zwanzig wurde die Deutsche in London schnell Teil eines elitären Zirkels von Moderatoren, die zu Teenie-Idolen wurden wie Ray Cokes mit "Most Wanted".

Backer war in der Szene der britischen Hauptstadt zu Hause. Ihr Leben bestand aus Party - dabei waren die Musiker Seal und Gavin Rossdale oder Schauspielerin Elizabeth Hurley.

So lernte sie den pakistanischen Cricketspieler Imran Khan kennen, der auch in London lebte. Er veränderte Backers Leben grundlegend: Die beiden wurden ein Paar, Khan nahm die Deutsche mit nach Pakistan. Dort erlebte Backer, wie die Menschen selbst in bitterer Armut Lebenslust und Gastfreundschaft bewiesen. Sie sei mit "einem Glänzen in den Augen" empfangen worden - und konvertierte zum Islam.

Jetzt hat die 43-Jährige ein autobiografisches Buch geschrieben: "Von MTV nach Mekka".

"Ich war nicht glücklich, nicht wirklich erfüllt, trotz des ganzen Rummels", sagt Backer über ihre Zeit bei MTV. "Ich dachte, mir fehle vielleicht die Liebe zu einem Mann. Was ich dann aber feststellte war, dass mir die Liebe zu Gott fehlte." 1995 wurde für sie zu einem Jahr des Umbruchs - sie konvertierte schließlich vom Christentum zum Islam und hängte ihren Job bei MTV an den Nagel.

"Wenn man den Koran liest, ist es so, als ob Gott direkt zu einem spricht." Es gibt viele Sätze wie diese in Backers Buch. Das mag abschrecken, doch die 43-Jährige bekennt sich zu ihrem Weg. Dabei versucht Backer auch, mit Vorurteilen aufzuräumen. So fühlt sie sich beispielsweise verpflichtet, den "Dschihad" als Anstrengung zum rechten Glauben zu erläutern, und nicht als Gotteskrieg.

Besonders in Deutschland fühlte sich Backer mit ihrer Konversion und ihrem Weg nach Mekka oft falsch verstanden. So erinnert sie sich in ihrem Buch an eine Talkshow, in der sie undifferenziert in eine Ecke mit Ultrakonservativen gedrängt worden sei. Auch ihr Vertrag mit der Jugendsendung Bravo TV sei ohne Vorwarnung gekündigt worden.

Nun will sie mit ihrem Buch "Brücken bauen". Dabei verstehe sie sich als europäische Muslima, die trotz ihres tiefen Glaubens die westliche Kultur nicht einfach ablehne. Natürlich sehe sie diese kritischer: Wenn sie etwa als Film von Quentin Tarantino daherkommt, der bekanntlich mit Gewaltszenen nicht spart. So etwas anzumoderieren habe sie schon damals gestört. Trotz alledem erinnert sich die 43-Jährige, die heute noch immer in London lebt, gerne an die bunte und wilde MTV-Zeit, das merkt man ihrem Buch an. Nur: aus dem "See 'Ya" ist ein "In sha' Allah" (arabisch für: So Gott will) geworden.

jjc/dpa
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