Harsche Kritik nach Unwettern WDR weist Kachelmanns Vorwürfe zurück

"Treten Sie zurück, Herr Buhrow", fordert Wetterexperte Jörg Kachelmann. In seinem Blog macht er den WDR-Intendanten für Tote bei den schweren Unwettern am Pfingstwochenende mitverantwortlich. Beim Sender aber ist man sich keiner Schuld bewusst.
Wettermoderator Kachelmann fordert den WDR-Intendanten Tom Buhrow zum Rücktritt auf

Wettermoderator Kachelmann fordert den WDR-Intendanten Tom Buhrow zum Rücktritt auf

Foto: Daniel Reinhardt/ dpa

Er hat es vorausgesehen und keiner hat auf ihn gehört. Das zumindest scheint die Einschätzung des ehemaligen ARD-Wetterexperten Jörg Kachelmann zu mehreren Toten bei starken Unwettern am Pfingstwochenende zu sein. "Achtung, Unwettergedöns im Westen/Nordwesten wahrscheinlich", twitterte Kachelmann am Montagmorgen und warnt seine Follower salopp vor einem "Blödtod" durch "Ast auf Auto oder Kopf".

Jetzt geht er in einem offenen Brief den WDR-Intendanten Tom Buhrow an. Bei dem öffentlich-rechtlichen Sender hätte man die Ausmaße des Unwetters besser einschätzen und rechtzeitig warnen müssen. Kachelmann fordert in seinem Blog Buhrows Rücktritt und macht ihn mitverantwortlich für den Tod mehrerer Menschen  infolge der Unwetter im Westen Deutschlands.

"Sehr geehrter Tom Buhrow", schreibt Kachelmann unter der Überschrift "Sechs Tote und der WDR: Treten Sie zurück, Herr Buhrow". Es folgen harsche Kritik und Vorwürfe: "Diese Menschen hätten nicht sterben müssen, hätten alle mitgeholfen, die Zuschauer in NRW live erreichen zu können und rechtzeitig zu warnen. Sie sind gemeint. Sie und Ihr Sender waren gestern entweder faul, inkompetent, ignorant oder alles zusammen."

Der Tenor ist mehr als deutlich: Der WDR habe Zuschauer und Hörer im Einzugsgebiet nicht ausreichend und vor allem viel zu spät vor den Unwettern gewarnt, der Sender habe am Feiertag "anderes" als wichtiger empfunden. Kachelmann führt als Beispiel hierfür einen Tweet des WDR 2 an: "80 Jahre Donald Duck: Eine Entenhausener Familie". 20:08 Uhr steht unter den Zeilen. Zu dieser Zeit, so Kachelmann, sei bereits der Raum Aachen und das Hohe Venn von Orkanböen getroffen worden.

Rund 20 Minuten später folgt eine Benachrichtigung des WDR 2 zum Unwetter auf Twitter. Doch auch damit ist Kachelmann nicht einverstanden. "Sie 'erwarten' etwas, was schon seit über einer halben Stunde da war. Sie lassen Ihre Zuschauer und Zuhörer erst alleine und lügen Sie am Ende auch noch an", kommentiert er den Tweet in seinem Blog.

Ab 6 Uhr morgens durchgehend Unwetterwarnungen gemeldet

Susanne Hagen, Pressesprecherin des WDR, hat SPIEGEL ONLINE gegenüber Stellung zu Kachelmanns Kritik genommen. "Der WDR hat am Pfingstmontag ab 6 Uhr morgens durchgehend Unwetterwarnungen und Schlechtwetterprognosen gemeldet", sagt sie. Ab dem Vormittag habe es zusätzlich Warnungen auf der Website des Senders gegeben und bereits in der Mittagszeit einen Unwetterhinweis auf Twitter. "Wie nach jedem Katastrophen- oder Kriseneinsatz werden wir auch in diesem Fall nacharbeiten, was wir künftig gegebenenfalls noch besser machen können", sagt Hagen.

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Leserfotos des Unwetters in NRW: Im Auge des Sturms

Foto: B. Beckmann
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