Nadja Uhl Draußen fiel die Mauer, sie saß auf dem Klo

Schauspielerin Nadja Uhl wuchs in der DDR auf - und blickt mit gemischten Gefühlen auf die Zeit der friedlichen Revolution zurück. Dem Osten des Landes blieb sie trotzdem treu.

Tobias Hase/DPA

Viel ist derzeit von der friedlichen Revolution in der DDR die Rede, und auch Prominente äußern sich über den Herbst 1989 - so auch Nadja Uhl. Die Schauspielerin erlebte den Mauerfall im Osten des Landes. Allerdings erfuhr sie davon nicht etwa in Sichtweite des Brandenburger Tors - sondern auf Toilette.

Sie habe den Fall der Mauer auf dem Klo mitbekommen, sagte Uhl nun. "Ich habe im alten Röhrenradio meines Opas plötzlich gehört, dass Champagnerkorken auf der Mauer knallen." Obwohl dieser historische Moment für sie selbst eher alltäglich war, bedeutete er für sie demnach große Freude: "Ich weiß, dass ich ein Glückskind dieser Zeit bin", sagte die 47-Jährige. "Ich bin sehr dankbar."

Uhl kam in Stralsund zur Welt und wuchs in der DDR auf, später zog sie nach Potsdam. Der "Bild"-Zeitung hatte Uhl zuletzt erzählt, dass sie 1989 mit dem Abitur beschäftigt gewesen sei: "Wir waren Kinder der DDR, aber wir suchten verstärkt unsere Nischen, in denen wir uns dem System verweigern konnten - das waren beispielsweise Partys, Musik."

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Nadja Uhl: "Wir waren Kinder der DDR"

Ihre Kindheit sei schön gewesen, sagte Uhl - "bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich begriffen habe, dass es sehr unangenehm werden konnte, nicht in die Richtung zu denken, die vorgegeben war." Irgendwann sei eines für sie klar gewesen: "Das ist nicht mein Land, das ist nicht das, was ich möchte. Dieser Entschluss war damals mit einer unglaublichen Traurigkeit verbunden."

Uhl war zuletzt an der Seite von Barbara Auer, Nicolette Krebitz und Joachim Król im ZDF-Dreiteiler "Preis der Freiheit" zu sehen. In dem Ost-West-Drama spielt Uhl die sozial engagierte Buchhändlerin Lotte.

mxw/dpa

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mitch72 07.11.2019
1. Bitte, Frau Uhl!
War jetzt JEDER Schüler ein Systemverweigerer? Das wollen Sie mir nicht weismachen, oder? Die Jugendweihe haben Sie bestimmt auch genossen. Ich, BJ 1972, hatte zum damaligen Zeitpunkt gerade meine Ausbildung zum Fachverkäufer/WtB (hihihi) begonnen. Bestimmt nicht deshalb, weil man in der HO als erster an die raren Produkte herangekommen ist. Jeder hat sich eingerichtet, wie er konnte. Ich denke, diejenigen, welche "Westpakete" erhalten haben, haben eher zum Westen geschaut als die, welche nicht in den Genuss dieser Geschenke kamen (wie ich, da meine Eltern ja wie von vielen behauptet - Profiteure des Systems waren), als Mitarbeiter der Grenztruppen z.B. Gott sei dank sind wir noch vor Mauerfall aus dem Berliner Raum weggezogen, in die Altmark. Da hat man vom Trubel der Grenzöffnung erst Tage später erfahren, als nämlich in den Regalen die ersten Westprodukte lagerten. Aber mal ehrlich, Frau Uhl: War wirklich alles so schlecht?
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