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23. Januar 2008, 12:47 Uhr

Nazisymbolik

DJ Tomekk bittet um Entschuldigung für Hitlergruß

Er zeigte den Hitlergruß, sang das Deutschlandlied - und flog deshalb beim RTL-Dschungelcamp raus. Jetzt versucht Rapper DJ Tomekk den Imageschaden wieder gutzumachen, entschuldigt sich für sein "dummes Witz-Gelaber".

Hamburg - Nazi-Skandal beim RTL-Dschungelcamp, dokumentiert von einer Kamera: DJ Tomekk zeigt den Hitlergruß, singt "Deutschland, Deutschland über alles", witzelt über die "vielen Ausländer im Haus". Es ist der Tag, an dem Tomekk mit seinen Mitstreitern in den australischen Urwald einzieht, die Szene spielt im Foyer eines Luxushotels, im Hintergrund sind mehrere Dschungelcamp-Bewohner und Kameraleute zu sehen. "Bild" hat das Video heute veröffentlicht - der Berliner musste die Sendung "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" inzwischen verlassen.

"Diese Art Humor ist nicht akzeptabel im Umfeld der Produktion einer Fernsehsendung", teilte RTL-Sprecher Christian Körner mit. "Tomekk ist bereits auf dem Rückweg nach Deutschland."

Und sein Kollege Claus Richter sagte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE: "Wir haben reagiert, er ist jetzt raus aus dem Camp. Natürlich stand ihm frei, ob er wie alle anderen ausgeschiedenen Kandidaten bis zum Ende der Show in Australien bleibt. Aber DJ Tomekk wollte gleich nach Hause fliegen. Morgen wird er in Berlin eintreffen und dann sicherlich einen Interview-Marathon absolvieren."

Inzwischen distanziert sich der Musiker von seiner Aktion. Er trage "keinerlei rechtes Gedankengut oder nazistische Ideen" in sich, sondern stehe als in Berlin lebender gebürtiger Pole "für Integration und Zusammenhalt der Kulturen", heißt es in der zwölfzeiligen Stellungnahme, die RTL heute veröffentlicht hat.

"Mein dummes Witz-Gelaber tut mir unendlich leid. Für alle Leute, die sich davon betroffen fühlen: Es tut mir unheimlich leid, es tut mir leid, es tut mir leid, es tut mir leid", so DJ Tomekk, der eigentlich Tomasz Kuklicz heißt, im polnischen Krakau geboren wurde und im Berliner Problembezirk Wedding aufwuchs. Er sei momentan "tief erschüttert" und entschuldige sich für seinen "niveaulosen Humor".

"Ich gehe mal davon aus, dass er seine Gage wie vereinbart bekommt. Schließlich hat er diese Entgleisung nicht im Camp vor den RTL-Kameras begangen, sondern davor, also sozusagen im privaten Rahmen", sagte RTL-Sprecher Richter SPIEGEL ONLINE. "Hätte sich der Vorfall während der Sendung zugetragen, hätte RTL sicherlich noch weiterreichende Konsequenzen gezogen."

Mit den Vorwürfen konfrontiert hatte DJ Tomekk der "Bild"-Zeitung zunächst erklärt: "Ich habe das Video persönlich nicht gesehen und weiß nicht, was darauf zu sehen ist. Ich habe jetzt von einer dritten Person gehört, dass darauf angeblich ein Hitlergruß zu sehen sein soll. Das kann ich mir im Moment überhaupt nicht erklären. Insbesondere nicht als was ernst Gemeintes."

Auch den Vorwurf, dass er fremdenfeindlich sei, weist DJ Tomekk zurück: "Ich bin in Wedding groß geworden, das ist 'n Berliner Bezirk mit weit über Durchschnitt Ausländeranteil. Meine Freundin ist schwarz und ich bin alles andere als fremdenfeindlich."

Im RTL-Dschungelcamp sind jetzt noch dabei: die Sänger Bata Illic und Ross Antony, Ex-Erotikdarstellerin Michaela Schaffrath, Barbara Herzsprung, Ex-Nationaltorhüter Eike Immel und Tänzerin Isabel Edvardsson. Zuvor waren Schauspielerin Julia Biedermann, Sängerin Lisa Bund und Ex-Moderator Björn-Hergen Schimpf ausgeschieden. Wer "Königin oder König des Dschungels 2008" wird, entscheidet sich im Finale am 26. Januar, nachdem die Zuschauer zuvor täglich einen Kandidaten herauswählen.

jdl/ddp

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