Neue Erkenntnisse Roy Black war bei seinem Tod stark alkoholisiert

Woran starb Roy Black? Bisher galt Herzversagen als Todesursache. Die "Bild"-Zeitung behauptet nun, der Sänger habe sich zu Tode getrunken. Der Gerichtsmediziner, der Blacks Leichnam obduzierte, mag diese Interpretation nicht teilen.

DPA

München - Er sang "Ganz in Weiß" und spielte in "Ein Schloss am Wörthersee" den Hotelerben Lennie Berger: Roy Black war im deutschen Unterhaltungsgeschäft eine Ikone. Sein Tod sorgt nun, 20 Jahre später, für neue Schlagzeilen.

Bisher hatte es immer geheißen, Black sei an Herzversagen gestorben. Peter Schmalisch, der Rechtsanwalt des Sängers, sagte: "Natürliches Herzversagen. Kein Alkohol, keine Tablette", wie die "Bild am Sonntag" im November 1997 berichtete. "In diesem Bett trank sich Roy Black zu Tode", behauptet dagegen nun das "BamS"-Schwesterblatt "Bild".

Der Gerichtsmediziner Wolfgang Eisenmenger vom Institut für Rechtsmedizin der Universität München obduzierte einen Tag nach Blacks Tod den Leichnam des Sängers. Ist die Schlagzeile der Zeitung zutreffend? "Das habe ich nicht gesagt", sagt Eisenmenger SPIEGEL ONLINE. Dass Black sich zu Tode getrunken habe sei "eine Interpretation - und nicht meine".

Das Obduktionsgutachten bezog sich laut Eisenmenger auf eine Herzerkrankung Blacks. Diese sei "jederzeit geeignet, den Todeseintritt zu erklären". Zwangsläufig habe die Herzerkrankung zwar nicht zum Tode geführt, es sei aber wahrscheinlich - deshalb sei sie als Todesursache im Gutachten festgehalten worden.

"Black unterschied nichts von anderen Obduzierten"

Und der Alkohol? "Bild" schreibt, es sei behauptet worden, im Obduktionsbericht sei ein Wert von 0,0 Promille verzeichnet. "Das kann dort noch gar nicht verzeichnet gewesen sein, weil eine Untersuchung auf Blutalkohol erst nach der Sektion erfolgt", sagt Eisenmenger. Er dementiere aber nicht, dass die Alkoholuntersuchung später gemacht worden sei.

Woher sonst sollte auch die "Bild"-Aussage kommen, Black habe bei seinem Tod drei Promille Alkohol im Blut gehabt? Diese Werte unterlägen der Schweigepflicht, sagt Eisenmenger. Er stelle sie aber nicht in Abrede. "Bild" zitiert den Professor mit der Aussage: "Es war ein Wert, der üblicherweise nur bei vorliegender Alkoholkrankheit überhaupt erreicht und überlebt wird." Dies sei korrekt, sagt Eisenmenger - und er würde das auch so wiederholen.

Zur Aussage der Zeitung, in Blacks Körper seien Medikamente gewesen, sagt Eisenmenger dagegen: "Das kann ich nicht bestätigen. Wenn Medikamente aufgefallen wären, hätten wir es im Protokoll vermerkt." Laut Eisenmenger wurde bei der Prozedur nicht gezielt nach Gift gesucht, da die Staatsanwaltschaft kein toxikologisches Gutachten in Auftrag gegeben hatte.

Die Obduktion am 10. Oktober 1991 dauerte laut Eisenmenger 50 Minuten, zwei Rechtsmediziner assistierten ihm. "Es gab nichts, was bemerkenswert gewesen wäre", sagt der Gerichtsmediziner. "Nichts, was Roy Black von anderen Obduzierten unterschieden hätte."

Black, mit bürgerlichem Namen Gerhard Höllerich, war am 9. Oktober in einer Hütte im oberbayerischen Heldenstein tot aufgefunden worden. Er starb im Alter von 48 Jahren.

ulz

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