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Omar Sy Das Gewissen der Nation

aus DER SPIEGEL 29/2021
Foto:

Vincent Boisot/Riva Press/laif

Der französische Filmstar Omar Sy, 43, macht seinen Landsleuten wieder einmal bewusst, wie präsent die Kolonialgeschichte bis heute ist. Der Schauspieler, der durch die Komödie »Ziemlich beste Freunde« berühmt wurde und gerade in der enorm erfolgreichen Netflix-Serie »Lupin« zu sehen ist, überraschte in der vergangenen Woche beim Festival von Avignon mit einer Literaturlesung. Er trug Auszüge aus dem mehrfach preisgekrönten Roman »Frères d'âmes« (»Nachts ist unser Blut schwarz«) des Schriftstellers David Diop vor. In dem Buch geht es um einen senegalesischen Soldaten, der im Ersten Weltkrieg für Frankreich kämpft – ein Thema, das den Sohn eines ehemaligen Fabrikarbeiters aus dem Senegal schon seit einiger Zeit beschäftigt. Sy hat sich bereits 2016 erfolgreich dafür eingesetzt, dass einige ehemalige Soldaten der früheren Kolonialmacht als französische Staatsbürger anerkannt werden. Der Antrag war bis dahin stets abgewiesen worden, da Papiere aus den Ursprungsländern nicht mehr auffindbar waren. Er habe das Gefühl, dass das Buch nach ihm gesucht habe, erzählte Sy in einem Interview mit dem Radiosender France Culture. Denn es gehe darum, Ungerechtigkeiten aufzuzeigen: »Diese Soldaten haben für Frankreich gekämpft. Sie verdienen Dankbarkeit.« Diop, dessen Roman kürzlich sogar auf der Leseliste des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama auftauchte, hat sich seit dem Auftritt in Avignon ein neues Bild von seinem eigenen Protagonisten gemacht: »In meiner Vorstellung sieht er jetzt aus wie Omar Sy.« Der Schauspieler erwarb tatsächlich die Filmrechte für den Roman. Aber er wird die Hauptfigur nicht selbst spielen: »Dafür bin ich zu alt.«

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