OITNB-Darsteller von Fans bedroht "Dein Bein mit einem stumpfen Buttermesser abtrennen"

Zu viel Fernsehen weicht Gehirne auf, manchmal die Grenzen zwischen Fiktion und Realität. So geschehen im Fall des Knastwärters John Bennett aus der TV-Serie "Orange is the New Black": Der Darsteller musste sich wüst beschimpfen lassen - für die Fehltritte seiner Figur.

Da war alles noch in Butter: Wärter John Bennett (Matt McGorry) und seine schwangere Freundin Daya (Dascha Polancoin)
DDP

Da war alles noch in Butter: Wärter John Bennett (Matt McGorry) und seine schwangere Freundin Daya (Dascha Polancoin)


+++ Vorsicht: Spoiler. Falls Sie die dritte Staffel von "Orange is the New Black" noch nicht gesehen haben, dürfen Sie natürlich trotzdem weiterlesen; allerdings werden im Folgenden Teile des Inhalts beschrieben. +++

Matthew McGorry ist John Bennett in der Fernsehserie "Orange Is the New Black" (OITNB). Oder, um Missverständnissen gleich vorzubeugen: McGorry spielt die Rolle des schmollmundigen, einbeinigen Gefängnisaufsehers im Frauenknast Litchfield.

Die Unterscheidung ist wichtig, denn gerade hat der US-Schauspieler richtig Ärger mit Fans, die zwischen dem fiktionalen Charakter Bennett und dem Darsteller McGorry nicht unterscheiden können - oder wollen. So zumindest hypt es das US-Portal "BuzzFeed" unter Berufung auf einige Instagram-Kommentare.

In der dritten Staffel der Netflix-Serie macht Bennett der Mutter seines ungeborenen Kindes, der Gefängnisinsassin Daya, einen Heiratsantrag. Nachdem er einen Einblick in ihre Familienverhältnisse gewonnen hat, wendet er sich von ihr ab und verschwindet spurlos. Die Schwangere bleibt verwirrt und allein im Knast zurück.

Die Reaktionen der Zuschauer in den sozialen Netzwerken waren teilweise ebenso radikal wie grenzüberschreitend: "Ich hoffe, Dayas Baby wird später ein Kartellboss, der jemanden vorbeischickt, der das letzte Bein, das du noch hast, mit einem stumpfen Buttermesser abtrennt und es an dich verfüttert", zitiert "BuzzFeed" den Eintrag eines Instagram-Users auf McGorrys Profil.

"Verdammt noch mal, Daya braucht dich", heißt es in einem anderen Kommentar. "Ceasar hat das verdammte Baby im Stich gelassen. Willst du, dass das Baby auch ein Bein verliert???" Ein anderer Nutzer empört sich angesichts der Möglichkeit, dass der flüchtige Knastaufseher eine Affäre mit einer anderen Frau haben könnte: "BETRÜGER!!! ICH BIN ANGEWIDERT!!!!!

Nun könnte man über eine so unmittelbare Rezeption von TV-Produktionen milde lächeln und auf die notwendige Professionalität der Schauspieler verweisen. Doch McGorry ging die schädliche Gleichsetzung seines Ichs mit seiner Figur offenbar so gewaltig auf die Nerven, dass er sich genötigt sah zu intervenieren. Da halfen auch die reumütigen Postings nicht, in denen einige Echauffierte erklärten, sie hätten doch nur einen Witz gemacht.

Happy Fathers Day to all the real fathers out there! I am an actor and I play the fictional character John Bennett on...

Posted by Matt McGorry on Sonntag, 21. Juni 2015

McGorry postete auf Facebook eine Stellungnahme, in der er versucht, sehr deutlich den Unterschied zwischen seiner Rolle und seiner Privatperson klarzumachen. Dazu stellte er ein Foto von den Dreharbeiten. "Wir spielen oder stellen Charaktere dar, die manchmal sogar das Gegenteil von dem sind, was wir als reale Personen sind", betonte der Schauspieler.

"Um die Dinge noch komplizierter zu machen", fährt er fort, "trage ich auf diesem Foto sogar die Klamotten des fiktionalen Charakters John Bennett (ein Kostüm ist so etwas wie fiktionale Kleidung)." Das Foto sei am Set aufgenommen worden, "hinterher bin ich in meine Wohnung in New York City gegangen, wo ich kein Kind habe, weil ich kein Vater bin und nie in einem Gefängnis gearbeitet habe und Fernsehen ist nicht das wahre Leben."

ala



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michel-watcher 22.06.2015
1. Virtually funny... eigentlich...,
... wenn es nicht Ausdruck einer immer weiter fortschreitenden Vermischung von Fiktion und Realität, von Werbung und echten Berichten, von Baller- Games und Drohnenlenkern, von Sims und echten Menschen, von 'Freunden' auf Facebook & Co und Freunden im echten Leben gäbe. Die meisten derer, die in dieser Hinsicht kritiklos sind, sehen da kein Problem. Die meisten glauben tatsächlich, dass sie selbstverständlich wüssten, wo die Realität aufhört und das Künstliche anfängt, selbst, wenn sie McDonalds ein 'Like' geben und einem Vodka 'followen'. Diese Leute sind auch überzeugt davon, dass die prall gefüllte Trickkiste der Werbepsychologen keinen Einfluss auf sie hätten und halten NLP für eine Basketballmannschaft. Klar, es gab schon früher Leute, die von Dr. Brinkmann behandelt werden wollten oder bei Sascha Hehns Schiff mitfahren. Aber das waren zumeist ältere, sehr einsame und oft demente Menschen. Jetzt aber hat diese Demenzerscheinung schon ganz junge Menschen ereilt. Wie sehr, zeigt die explizite Aufklärung des John Bennett- Darstellers, indem er wiederholt und ausführlich Hintergründe erklärt, die selbstverständlich sind... ähmm, waren. Mama mia, schöne neue Welt, Drama, Freude, Freunde und die passende Meinung gibt es gratis dazu. I LOVE MC DONALDS und dessen virtuelle Pendants für FastOpinion, FastSound und FastFilms...
studibaas 22.06.2015
2. Amis...
Zitat Pispers: Das Leben des Durschnittsamerikaners ist mit naiv sehr wohlwollend umschrieben. ... Von der Welt wissen sie nicht viel, außer: Wir sind die Guten." So langsam dämmerts mir, das die ganzen US Blockbuster Volksverdummung sein könnten. Siehe das böse Russland und die Guten Amis.
noalk 22.06.2015
3. ist doch nichts Neues
Wieviele Fans sind ins Glottertal gepilgert, haben K.-J. Wussow Briefe mit der Bitte um medizinische Hilfe geschrieben?
tomcat1040 22.06.2015
4. Das gab´s doch vor 40 Jahren schon!
Damals ich glaube Ende der 70-er, lief im deutschen Fernsehen die 4-teilige US- Fernsehserie "Holocaust", wohl mit das Beste, was die in den letzten 40 Jahren in der Flimmerkiste gebracht haben. Auch damals wurden die Hauptdarsteller der deutschen Charaktere nach Ausstrahlung der Serie in den USA massiv angefeindet und sogar spontan physisch angegriffen, besonders der Schauspieler Michael Mortiarty, der die Haupt- Rolle des SS- Mann "Dorff" spielte, ein fast 100%-tiges Deriverat Adolf Eichmanns! Nach diesem, aktuellen Bericht zu schließen, dürfte also weder der Durchschnitts- Bildungs- Koeffizient, noch der Durchschnitts- IQ des Durchschnitts- Fernsehzuschauers seither gestiegen sein, eher gesunken! Au Backe!
Atheist_Crusader 22.06.2015
5.
Und sowas darf dann wählen... Vielleicht war die Monarchie doch nicht so schlecht.
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