Ozzy Osbourne wird 70 Klasse(n)clown

Seit Jahrzehnten knarzt Ozzy Osbourne auf Konzerten, Platten und im TV. Nun hat der Sänger mit der unverkennbaren Stimme Geburtstag gefeiert. Vom einstigen Bürgerschreck-Image ist nur noch wenig übrig.

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Mal biss er einer Fledermaus den Kopf ab, mal zog er sich eine Ameisenstraße wie Kokain rein. Und er erdrosselte im Rausch fast seine Frau. Doch diese Zeiten sind längst vorbei: Ozzy Osbourne ist seit sechs Jahren nüchtern, raucht nicht mehr und macht Sport. Am Montag hat der Brite seinen 70. Geburtstag gefeiert. Dem "Guardian" sagte er: "Ich weiß wirklich nicht, was 70-Jährige tun sollten. Also mache ich einfach mein eigenes Ding."

Osbournes Sohn Jack gratulierte seinem Vater laut "Bild"-Zeitung mit den Worten: "Ozzy, ich wünsche dir, dass du weiterhin eine gute Zeit hast. Und dass du stolz auf die vergangenen 70 Jahre deines Lebens bist. Ich bin es." Die Familie feierte in kleiner Runde zu Hause.

Dabei galt Osbourne einst als Bürgerschreck. John Michael Osbourne wuchs in einer achtköpfigen Familie im Arbeiterviertel Aston in Birmingham auf. Damals war Legasthenie noch recht unbekannt, deshalb wurde er zum Klassenclown. "Ich habe die Leute einfach zum Lachen gebracht und verrückte Sachen gemacht", sagte Osbourne der "Times".

Beatles bringen ihn zur Musik

"Wenn du Leute dazu bringst, dich zu mögen, hast du es schon halb geschafft." Erst Jahrzehnte später bekannte er in einem Interview mit dem "Mirror", dass er auf dem Nachhauseweg von zwei Jungen regelmäßig sexuell missbraucht wurde. "Ich hatte Angst, es meinem Vater oder meiner Mutter zu erzählen, und es hat mich total kaputt gemacht." Seine Frau Sharon und Therapie hätten ihm später geholfen.

Mit 15 verließ er die Schule und arbeitete in einem Schlachthof und einer Autofabrik, bevor er kriminell wurde. Als ein Raub schiefging, verbrachte er sechs Wochen im Gefängnis. Glücklicherweise inspirierten ihn die Beatles: Als er "She Loves You" im Radio hörte, entschied er sich, Rockstar zu werden. Ein paar Jahre später schloss er sich mit Schulkamerad und Gitarrist Tony Iommi und Freunden zur späteren Kultband Black Sabbath zusammen.

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Ozzy Osbourne: Der Prinz der Dunkelheit wird 70

Auch seine Ehe hat einiges überstanden: Osbournes öffentliche Affäre mit einer Friseurin vor zwei Jahren, Sharons Krebserkrankung, mehrere Unfälle und seinen jahrzehntelangen Kampf mit der Sucht. Der Musikzeitschrift "Rolling Stone" gestand er: "Ich war weniger ein Vater als ein zusätzliches straffälliges Kind für meine Frau."

Bei der Geburtstagsfeier seiner sechsjährigen Tochter Aimee trank er so viel Wodka, dass er im Vollrausch versuchte, Sharon zu erwürgen. Er wachte in einer Gefängniszelle auf und konnte sich an nichts erinnern: "Aber auch das hat mich nicht aufgehalten", gestand er dem "Evening Standard". "Erst als es mir zum Hals raushing, dass mir übel war, habe ich mich endlich zusammengerafft."

Titel der Tour? "No More Tours II"

Als Solokünstler entwickelte Osbourne den typischen Sabbath-Sound weiter; sein erstes Soloalbum "Blizzard of Ozz" schaffte es mit Hits wie "Mr. Crowley", "I Don't Know", dem kontroversen Titel "Suicide Solution", und "Crazy Train" in die Top Ten der besten Heavy-Metal-Alben aller Zeiten. Er gründete Ozzfest, weil er von anderen Festivals nicht eingeladen wurde und Nachwuchsbands eine Chance geben wollte. Insgesamt verkaufte er etwa 100 Millionen Platten und verschaffte mit seiner nicht minder verrückten Familie in der preisgekrönten Dokusoap-Serie "The Osbournes" dem Sender MTV Rekordzuschauerzahlen.

Nach seiner Farewell-Tour will Osbourne mehr Zeit für seine Enkel haben. Ganz aufhören will er nicht: "Es ist kein Job. Es ist zum Kichern, weißt du?", sagte er der "Times". "Ich arbeite ein paar Stunden am Tag, reise im Flugzeug herum. Ich habe eine gute Zeit mit der Band." 2019 will er seine Abschiedstour "No More Tours II" in Europa, Australien und Nordamerika fortsetzen.

Von Uli Hesse, dpa/apr/wit

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