Panik beim Wiener Opernball Dita von Teese floh aufs Klo

Erst badete sie in Champagner, dann machte sie auf schüchtern: Dita von Teese war Stargast des Wiener Opernballs. Als es der Edel-Stripperin mit der medialen Belagerung zu viel wurde, verschanzte sie sich auf der Damentoilette - und forderte Polizeischutz.


Wien - Sie hatte alles daran gesetzt, galant und nobel daherzukommen: Dita von Teese trug eine silberne Robe, war wie immer vornehm blass geschminkt, die Lippen und die Fingernägel leuchteten rubinrot.

Die Fotografen belagerten Richard "Mörtel" Lugners prominente Ballbegleitung regelrecht - die 35-Jährige ertrug es zähneknirschend. Bis sie mit "Mörtel" zur Loge von Bürgermeister Michael Häupl gehen wollte: Von Teese wurde von den Kamerateams und Journalisten derart bedrängt, dass sie sich aufs Klo flüchtete und Polizeischutz anforderte, berichtet das ORF auf seiner Internet-Seite.

Doch es gab keinen Polizeischutz, nur einen hektischen Gastgeber. "Jetzt macht's halt Platz da", rief Lugner lautstark und versuchte die Masse zu verscheuchen. Zurück in der Loge verweigerte sich Madame jeglicher Interviews. Dabei ist sie zurzeit als "Burlesque"-Tänzerin unterwegs, zieht sich in ihrer Show aus und badet in einem überdimensionalen Martiniglas. So hatte sie sich auch am Abend vor dem Ball auf einer Bühne in Lugners Einkaufszentrum kunstvoll entblättert, um in Champagner und Schaum zu planschen.

Um 0.15 Uhr rauschte Dita von Teese schließlich ab. "Dita hat genug. Sie ist tilt", ließ der Baumeister die wartende Menge wissen. Was blieb: züchtige, schüchterne Statements, die sie am Anfang des Balls in die Mikrofone und Diktiergeräte gehaucht hatte, wie beispielsweise: "Es ist wunderschön österreichisch-traditionell" oder "Ich bin sehr geehrt, dass ich sein Gast bin, und der Opernball sollte geehrt sein, dass Herr Lugner ihn jedes Jahr besucht und für interessante Gäste sorgt." Über den Ball selbst sagte sie: "Es ist wirklich eine großartige Party. Ich finde es wunderbar."

Ansonsten war - im Jahr der EM in Österreich und der Schweiz - der Fußball auf dem Tanzparkett des glanzvollen Wiener Opernballs das vorherrschende Thema. Noch vor dem traditionellen Donauwalzer präsentierte gestern eine Gruppe von Tänzern in Spielertrikots zur Eröffnung ein "Fuß-Ballett".

Kicker-Legenden wie Franz Beckenbauer und Hansi Müller waren in das restlos ausverkaufte Opernhaus gekommen. Auch Otto Rehhagel ließ sich das Großereignis nicht entgehen. Der größte Fußballfan unter den Tenören, José Carreras, schmetterte ein Ständchen. Als Vorgeschmack auf die EM im Juni war im Opernhaus bereits der Pokal für den künftigen Europameister ausgestellt.

Auf das traditionelle Kommando "Alles Walzer" schwelgten dann alle Geladenen des Balls im Dreivierteltakt. Damit die prächtigen Ballkleider, der teure Schmuck und die Orden am Frack besser zur Geltung kommen, schritten die Festgäste erstmals in einem Empfangssalon vor dem Operngebäude über einen roten Teppich. Dort posierten sie für Fotografen und Kameraleute.

Für den Einlass zum noblen Tanzfest in der Oper waren 230 Euro zu zahlen, ein Tisch für sechs Personen kostete immerhin 960 Euro. Mit bis zu 40.000 Euro schlug eine Loge zu Buche. Die gönnten sich internationale Prominente wie die Menschenrechtsaktivistin Bianca Jagger, Opernsängerin Anna Netrebko, der Schauspieler Maximilian Schell und sein Kollege Tobias Moretti. Die griechische Sängerin Nana Mouskuri hatte kurzfristig abgesagt, tauchte aber am Abend kurzfristig doch noch auf. "Desperate Housewives"-Star Teri Hatcher erschien im braun-grünen Abendkleid.

Die neue Opernball-Organisatorin Desiree Treichl-Stürgkh zeigt sich unkonventionell und setzte auf Bonbon-Farbe: Im ersten Rang konnten sich die Gäste in einer "Pink Bar" mit automatisch wedelnden Fächern und rosa Getränken und Gerichten erfrischen. Auch der Blumenschmuck aus Rosen und Flieder folgte dem monochromen Farbschema.

Rund 700 Polizisten schützten das Spektakel und seine Teilnehmer vor etwa 50 verstreuten Demonstranten. Der Wiener Innenstadtring wurde stundenlang komplett gesperrt. Auch in diesem Jahr soll das ausverkaufte Gesellschaftsereignis den Organisatoren geschätzte 1,1 Millionen Euro Gewinn bringen.

ala/jjc/dpa/Reuters



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