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Mehmet Ali Agca: Der Papst-Attentäter

Foto: HO/ REUTERS

Pontifex besucht Türkei Papst-Attentäter bittet um Treffen mit Franziskus

Mehmet Ali Agca hat versucht, Papst Johannes Paul II. zu töten. 33 Jahre nach dem Anschlag bittet er nun in einem offenen Brief um ein Treffen mit dessen Nachfolger in der Türkei. Papst Franziskus wird dort Ende November erwartet.

Der Papst-Attentäter Mehmet Ali Agca will mehr als 33 Jahre nach dem Anschlag auf Johannes Paul II. dessen Nachfolger Franziskus treffen. Der Pontifex reist Ende kommender Woche in die Türkei und soll dort unter anderem vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und Regierungschef Ahmet Davutoglu empfangen werden.

In einem Brief, der von mehreren türkischen Zeitungen veröffentlicht wurde und aus dem auch der britische "Guardian" zitiert, schreibt Agca: "Papst Franziskus, der für Frieden und Brüderschaft in einer Zeit der politischen, wirtschaftlichen und humanitären Krisen eintritt, ist in der Türkei willkommen. Ich bin Mehmet Ali Agca, und ich würde den Papst gerne während seines Besuchs treffen." Dem Schreiben ist ein Foto beigefügt: Es zeigt Johannes Paul II., wie er Agca 1983 im Gefängnis in Italien besucht und ihm verzeiht.

Laut türkischen Medien hat Agca auf seinen Brief noch keine Antwort vom Vatikan erhalten.

Auftrag erst vom KGB, dann von Chomeini

Papst Johannes Paul II. wäre bei dem Attentat im Mai 1981 auf dem Petersplatz fast gestorben. Der Ultranationalist aus dem Umfeld der rechtsextremen türkischen "Grauen Wölfe" schoss aus nächster Nähe auf das katholische Kirchenoberhaupt, eine Kugel traf den Pontifex im Bauch, eine andere verfehlte knapp das Herz.

Agca saß nach dem Anschlag 19 Jahre in Italien in Haft. Nach seiner Begnadigung im Jahr 2000 wurde er in der Türkei wegen der Ermordung eines Journalisten und anderer Verbrechen erneut inhaftiert. Anfang 2010 wurde er freigelassen.

Die Hintergründe des Anschlags auf den Papst sind bis heute nicht aufgeklärt. Nach seiner Festnahme 1981 hatte Agca zunächst erklärt, hinter dem Attentat stünden der Sowjet-Geheimdienst KGB und bulgarische Diplomaten. 2013 veröffentlichte er seine Memoiren - und nannte darin den iranischen Revolutionsführer Ajatollah Ruhollah Chomeini als Drahtzieher des Anschlags.

Bei einem nächtlichen Treffen habe Chomeini ihn persönlich mit der Tötung von Papst Johannes Paul II. beauftragt, schreibt Ali Agca. "Du musst den Papst im Namen Allahs töten", soll Chomeini demnach gesagt haben. "Du musst das Sprachrohr des Teufels auf Erden töten."

Der Vatikan äußerte sich kritisch über das Buch: Was überprüfbar sei, habe sich als falsch herausgestellt.

Agca bezeichnete sich selbst wiederholt als "Messias". Ihm wurden mehrfach psychische Probleme bescheinigt.

vet/AFP