Papst ruft Kolumbien zur Versöhnung auf "Finsternis der Rachsucht"

Auf seiner Kolumbien-Reise will Papst Franziskus die zerrissene Gesellschaft einen. Mit mahnenden Worte warb er für Frieden - um das Abkommen mit den Farc-Rebellen zu stärken.

Papst Franziskus in Kolumbien
DPA

Papst Franziskus in Kolumbien


Nach Jahrzehnten der Gewalt hat Papst Franziskus bei seiner ersten Messe in Kolumbien die Menschen zur Versöhnung aufgerufen. Bei einem Freiluftgottesdienst im Simón-Bolivár-Park im Herzen der Hauptstadt Bogotá verurteilte der Pontifex die "Finsternis der Rachsucht und des Hasses" nach mehr als fünf Jahrzehnten Bürgerkrieg. Jesus "zerstört all diese Finsternis", fügte der 80-Jährige vor Hunderttausenden Gläubigen hinzu. Auch von Rückschlägen auf dem Weg zu Frieden solle man sich nicht entmutigen lassen.

"In Bogotá und in Kolumbien ist eine große Gemeinschaft unterwegs, die gerufen ist, ein robustes Netz zu werden, das alle in der Einheit versammelt", sagte er. Die Kolumbianer sollten "die Wunden heilen und Brücken bauen", hatte der Papst zuvor nach seinem Treffen mit dem kolumbianischen Staatschef Juan Manuel Santos vor dem Präsidentenpalast gesagt.

Angesichts des herzlichen Empfangs des Papstes sprach Santos von einem großen Beweis der Einheit. 2016 hatte er mit der Guerillaorganisation Farc einen mühsam ausgehandelten Friedensvertrag unterzeichnet, der in einem Referendum erst abgelehnt - dann aber vom Kongress beschlossen wurde. Trotz Friedensvertrag sind die Rebellen für viele Kolumbianer verhasste Kriminelle. Die Erwartungen an Franziskus sind deshalb hoch.

Der Vatikan hatte die Verhandlungen mit der Farc maßgeblich unterstützt, um nach fast 220.000 Toten in den Konflikten zwischen Guerilla, Streitkräften und rechten Paramilitärs eine neue Ära einzuläuten. Ausländische Unternehmen setzen auf einen Boom in den Land, 2016 kamen zudem erstmals über fünf Millionen Touristen.

Am Freitag steht mit dem Besuch in der früheren Konfliktregion Villavicencio einer der Höhepunkte der Kolumbienreise des Papstes auf dem Programm. Der Tag steht im Zeichen der Aussöhnung. Nach einer Eucharistiefeier trifft das katholische Kirchenoberhaupt rund 6000 Opfer bei einem großen nationalen Versöhnungstreffen. Am Samstag bricht er in die "katholische Hauptstadt" des Landes, Medellín, auf. Am Sonntag endet die Reise in Cartagena.

Seiner Heimat Argentinien will der Papst im Anschluss keinen Besuch abstatten. Franziskus ist der dritte Papst, der Kolumbien besucht. Zuvor waren Papst Paul VI. 1968 und Johannes Paul II. 1986 in das südamerikanische Land gereist.

apr/AFP/dpa

insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Affenjones 08.09.2017
1. Papst Hype
Ich bin gerade in Kolumbien und habe viele junge Leute gefragt welche Hoffnungen sie in den Papstbesuch setzen. Die Antwort war fast immer die gleiche: der Besuch verschlingt nur Unsummen an Geld während viele Menschen in entlegenen Regionen unter Mangel leiden. Denen zu helfen wäre wichtiger. Klar das Land ist Erzkatholisch und viele flippen aus vor Freude, aber vor allem viele junge Menschen aus den Städten sehen die ganze Sache eher nüchtern.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.