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Übergriffige Gläubige Als Papst Franziskus die Geduld verlor

Papst Franziskus gibt sich gerne als Pontifex zum Anfassen, aber Vorsicht: Wer zu vehement am heiligen Arm reißt, kriegt schon mal einen Klaps - so wie eine besonders übergriffige Anhängerin. Das Netz tobt.

Den Stellvertreter Gottes auf Erden berühren, welcher gläubige Christ wollte das nicht? Es könnte ja ein wenig Göttlichkeit auf den eigenen Leib abrubbeln. Papst Franziskus ist es also durchaus gewöhnt, dass er von Anhängern auf Schritt und Tritt begrabbelt und betatscht wird - zumeist erträgt der 83-jährige Pontifex das Bad in der Menge mit der ihm zugeschriebenen Sanftmut und Güte. Aber wehe, man zupft und zerrt zu vehement am heiligen Arm! Dann wird es dem Papst auch mal zu viel.

Das erlebte am Silvesterabend eine Frau auf dem Petersplatz in Rom, als Franziskus die dort aufgebaute Weihnachtskrippe besuchte. Die Asiatin griff seine Hand über das Absperrgitter, so dass der Kirchenmann beinahe strauchelte - und wollte partout nicht mehr loslassen. "Ey", entfährt es dem Heiligen Vater ganz unchristlich, und dann verpasst er der übergriffigen Gläubigen gleich mehrfach einen erbosten Klaps aufs Handgelenk. Zwar setzte der sichtlich Verärgerte seinen Rundgang nach dem Zwischenfall fort, ging aber mit einem etwas größeren Abstand zu den Besuchern über den Platz. Erst als er Kindern die Hände schüttelte, entspannte sich Franziskus wieder.

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Der Videoclip mit der Szene entwickelte sich am Mittwoch zu einem der ersten viralen Hits des neuen Jahres. Tausende teilten die Bilder und Videos und hinterließen zum Teil hämische und boshafte Kommentare über das Oberhaupt der katholischen Kirche. Die meisten jedoch zeigten Verständnis für die instinktive Reaktion des Papstes: "Er ist menschlich", hieß es in einem typischen Twitter-Kommentar. Papst zu sein, mache einen "nicht immun gegen Schmerzen".

Franziskus entschuldigte sich umgehend für den Ausrutscher. "Manchmal verlieren wir die Geduld, das passiert mir auch. Ich bitte um Entschuldigung für das schlechte Beispiel", sagte er beim Angelusgebet nach der Neujahrsmesse.

Nach seiner Entschuldigung prangerte Franziskus in seiner Neujahrsmesse "jede Gewalt gegen Frauen" als "eine Schändung Gottes" an. "Wenn wir unser Handeln heute menschlich gestalten wollen, müssen wir wieder auf die Frau schauen", fuhr er fort. Frauen seien "Quellen des Lebens". "Und doch werden sie ständig beleidigt, geschlagen, vergewaltigt, dazu gebracht, sich zu prostituieren oder das Leben in ihrem Schoß auszulöschen."

Die Frau sei "Spenderin und Mittlerin des Friedens und muss an den Entscheidungsprozessen voll beteiligt werden", so der Papst. Die katholische Kirche feiert an Neujahr traditionell das Hochfest der Mutter Gottes. Hoffnungen auf mehr Mitspracherecht von Frauen innerhalb seiner Organisation hat Franziskus jedoch bisher trotz aller Reformpläne enttäuscht. Nach wie vor dürfen Frauen keine Priesterinnen werden; die römische Kurie, der Verwaltungsapparat der Kirche, ist auf Führungsebene nur mit Männern besetzt. Eigentlich auch ein guter Grund, mal die Geduld zu verlieren.

bor/dpa/AFP
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