Papst Franziskus »Ich verstehe Regierungen, dass sie Waffen kaufen – aber heiße es nicht gut«

Das katholische Kirchenoberhaupt hat sich in einem Interview ambivalent zum Krieg in der Ukraine geäußert. Beim Blick auf Geflüchtete gibt sich Franziskus selbstkritisch: »Wir sind Rassisten. Und das ist schlimm.«
Papst Franziskus: »Wir leben nach einem Schema, in dem wir uns umbringen«

Papst Franziskus: »Wir leben nach einem Schema, in dem wir uns umbringen«

Foto: IMAGO/Stefano Costantino / IMAGO/ZUMA Wire

Für Papst Franziskus sind der Krieg in der Ukraine und die anderen Konflikte auf der Welt das Ergebnis einer generellen Abkehr vom Frieden. »Wir leben nach einem Schema, in dem wir uns umbringen, wegen des Willens nach Macht, nach Sicherheit, nach vielen Dingen«, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche in einem am Karfreitag ausgestrahlten TV-Interview des italienischen Senders Rai 1. »Ich verstehe die Regierungen, dass sie Waffen kaufen. Ich verstehe sie, aber heiße es nicht gut«, sagte Franziskus.

Franziskus hatte seit Kriegsbeginn in der Ukraine immer wieder den Einsatz von Waffen kritisiert und für eine diplomatische Lösung geworben. »Wenn wir in einem System des Friedens leben würden, wäre das nicht nötig«, sagte er nun in dem Interview. Dabei erinnerte er auch »an die versteckten Kriege, die man nicht sieht, die weit weg sind von uns. Wir haben die Sprache des Friedens vergessen.«

Immer litten die Schwächsten unter den Kriegen, wie der Argentinier betonte. Im Hinblick auf die durch den Krieg Vertriebenen kritisierte er, dass nicht alle gleich behandelt würden. »Die Flüchtenden werden unterteilt. Nach erster Klasse, zweiter Klasse, nach Hautfarbe, ob man aus einem entwickelten Land kommt oder einem nicht entwickelten. Wir sind Rassisten, wir sind Rassisten. Und das ist schlimm«, sagte der Papst.

Am Karfreitag steht für Franziskus eine Feier im Petersdom und später am Abend der traditionelle Kreuzweg am Kolosseum an, der nach zwei Jahren Corona-Ausfall erstmals wieder öffentlichen zelebriert werden soll. Dabei sollen an einer der 14 Stationen eine Frau aus der Ukraine und eine aus Russland gemeinsam das Kreuz tragen. Vom Vatikan wurde dies als Zeichen des Friedens geplant – aus der Ukraine gab es aber auch Kritik, weil Russland als Aggressor auf diese Art nicht angemessen dargestellt werde.

him/dpa